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Ölpreis aktuell: Ölpreis News & Ölpreisentwicklung

1. Ölpreis News vom 21.08.2017

Ihr Autor: Klaus Bergmann

Die Suche nach Ausgewogenheit ziert sicher jeden Artikel über gesunde Lebensführung. Dem Wirtschaftsleben ist sie eher fremd. Das ist von Unausgewogenheit und dem Mantra vom ewigen Wachstum geprägt. Ausgerechnet im kruden Ölmarkt ist Ausgewogenheit hingegen ein gesuchter Zustand, Ausgewogenheit von Angebot und Nachfrage sowie der ausgewogene Preis. Um beides wird seit über einem Jahr gerungen wie lange nicht mehr.

In den letzten Wochen schien sich der Markt langsam gen Ausgewogenheit zu bewegen. Ein Rohölpreis von 52 Dollar pro Barrel für die Sorte Brent wirkte wie die passende Bewertung dazu. Dann knickte der Ölpreis doch wieder ein. Zweifel am Ruhe stiftenden Kurs brachen erneut aus.

Ausgerechnet zwei Meldungen über Raffinerieausfälle in den USA rückten den Ölpreis schließlich zurück zum vermeintlich ausgewogenen Niveau. Das geschah hauptsächlich im späten Handel am letzten Freitag. Die Heftigkeit der Bewegung wirkte aber eher panisch als ausgewogen. Um die Angelegenheit zu konsolidieren, müsste heute eine Panik bereinigende Gegenbewegung folgen, die einen Teil der Kursgewinne streicht.

Der Ausfall an der größeren der beiden betroffenen Raffinerien soll nach Ansicht des Betreibers kaum einen Einfluss auf die laufende Produktion haben. Das unterstreicht die Chance zur Gegenbewegung. Konträr dazu ist indes die Tatsache, dass die Bohraktivitäten zur Erschließung neuer Ölquellen in den USA zurückgehen. In der abgelaufenen Woche sank die Zahl der aktiven Geräte.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, am Niveau von 52 Dollar pro Barrel als Referenzpreis festzuhalten. Um diesen Preis wird das tägliche Gezappel weitergehen, sei es aus rein börsentechnischen Gründen oder weil der Markt widersprüchliche Nachrichten absondert.

Heute Morgen deutet sich an den Ölbörsen in der Tat eine vorsichtige Gegenbewegung zum heftigen Anstieg der letzten Handelsstunden am Freitag an. Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 48,38 Dollar und das Barrel Brent zu 52,48 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 478,50 Dollar . Der US-Dollar kostet 0,8515 Euro . Damit kostet der Euro 1,1737 Dollar . Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

2. Aktuelle Ölpreisentwicklung

Ölpreis Chart

Rohöl Brent
Brent, 1 Jahr

Börsendaten von heute, 13:40Uhr

Sorte Preis Differenz
Brent 52,61USD −0,47%
Gasöl 403,77EUR −0,50%
USD/EUR 0,85EUR +0,02%
Heizöl 52,08EUR +1,02%

3. Faktoren für Ölpreise

Bei den Ölpreisfaktoren aus konservativer Sicht handelt es sich um die sogenannten Fundamentaldaten. In der aktuellen Realität kommen viele Aspekte des Börsenhandels hinzu. Dazu gehören technische Faktoren, die mehrheitlich mathematischen Berechnungen folgen und den Eindruck einer Vorhersagbarkeit erwecken. Mathematisch entsteht der Preis durch die Zusammenfassung aller Einflussgrößen auf einen einzigen Wert. Die Preisbildung wird als Fortsetzung ihrer Vergangenheit in die Zukunft verstanden. Von großer, eventuell von größter Bedeutung, ist darüber hinaus die schwer fassbare kollektive Finanzmarkt-Psychologie. Sie ist von Gier, Angst und Herdentrieb geprägt. In der modernen, chaostheoretischen Auffassung wird davon ausgegangen, dass alles bis zum Flügelschlag eines Schmetterlings die Ölpreise beeinflusst. Eine gesicherte Ölpreis Prognose ist somit nahezu undenkbar.

Es ist unmöglich, an dieser Stelle hinreichend über die Faktoren zu informieren, aus denen die Ölpreise entstehen. Da solche Faktoren häufig erst nach der Preisbildung, somit als Geschichte zu einem Geschehen, genannt werden, haben sie ohnehin einen fiktionalen Beigeschmack. In unseren Kommentaren finden Sie werktäglich solche Geschichten, mit denen wir Ihnen Erklärendes zur Ölpreisbildung anbieten.

4. Rohölförderung - Einflüsse auf den Ölpreis

Der Preis wird entgegen der landläufigen Meinung nicht mehr von den großen Mineralölgesellschaften bestimmt. Ihr Einfluss wird weit überschätzt. Die falsche Einschätzung hat allerdings eine wahre Geschichte. Es gab einmal eine Zeit, in der sieben große Gesellschaften 70 Prozent des Weltmarktes unter sich aufteilten. Und selbst das war noch nicht extrem. Bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Gesellschaft, die mindestens so bestimmend im Ölgeschäft war, wie später Microsoft in der Software-Branche oder Google im Internet. Es war Rockefellers Standard Oil of America. Nach einem spektakulären Kartellverfahren wurde der Konzern zerschlagen. Es entstanden Exxon, Chevron und viele weitere bekannte Gesellschaften daraus.

Primärenergieverbrauch in Deutschland 2016
Primärenergieverbrauch in Deutschland 2016

Heute hat keiner der sogenannten Ölmultis (ExxonMobil, BP, SHELL) mehr als zwei Prozent Förderanteil am globalen Ölaufkommen. ExxonMobil ist zwar die größte private Ölgesellschaft, im Vergleich zur staatlichen Saudi Aramco ist das Unternehmen dennoch klein. Über 80 Prozent des weltweit verbrauchten Öls wird von Staatsunternehmen gefördert. Allein daran wird die politische Dimension des Ölgeschäfts deutlich. In der OPEC sorgen ausschließlich staatliche Unternehmen für die Ölproduktion. Sie decken rund 40 Prozent des globalen Ölaufkommens ab.

Und wer macht nun den Preis? Alle, die an den Ölbörsen und auf den Ölmärkten tätig sind. Banker, Versicherungen und Finanzjongleure, Ölproduzenten und Ölhändler, große und kleine Verbraucher. Dabei spielt Staatlichkeit keine Rolle.

5. Die Öllieferanten Deutschlands

Der Preis spielt bei der Ölversorgung Deutschlands zweifellos eine wichtige Rolle. Er beeinflusst mittelbar und unmittelbar die Wirtschaftskraft des Landes. Aus Prinzip einen minimalistischen Preis zu fordern und zu erzielen, ist für einen Exportweltmeister allerdings nicht zielführend. Wie kaum ein anderes Land müssen wir daran interessiert sein, unsere Handelspartner wirtschaftlich gut zu stellen, um mit ihnen langfristig Handel treiben zu können.

Wichtiger als der Ölpreis ist die Verlässlichkeit der Ölversorgung. Deutschland entwickelte über viele Jahrzehnte ein breit angelegtes Versorgungsnetz, das den Gefahren von regionalen politischen Verwerfungen Rechnung trägt. Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten galt es dabei gering zu halten. Heute verfügen wir über eine risikooptimierte Versorgungsstruktur, die Liefer- und Preissicherheit gewährleistet. Dabei liest sich die Lieferantenliste in weiten Teilen wie das Who’s Who politischer Krisenländern.

Der deutsche Ölbedarf wird zu 72 Prozent über Rohöleinfuhren und zu 26 Prozent über Produkteneinfuhren (Benzin, Diesel, Heizöl, etc.) gedeckt. Lediglich zwei Prozent des Ölbedarfs stammen aus heimischen Ölfeldern.

Russland ist der wichtigste Energielieferant für Deutschland. Ein Ölpreisdiktat aus Moskau kann gleichwohl kaum ausgeübt werden. Das wird nicht zuletzt durch die Diversifizierung der Lieferländer verhindert.

Rohöleinfuhren nach Deutschland 2015
Lieferland Barrel/Tag
1. Russland 664.294
2. Norwegen 253.976
3. Großbritannien 202.957
4. Nigeria 136.440
5. Kasachstan 130.934
6. Algerien 70.718
7. Ägypten 59.013
8. Libyen 58.605
9. Irak 48.777
10. Saudi-Arabien 24.368
Lieferland Barrel/Tag
11. Dänemark 14.417
12. Mexiko 11.949
13. Tunesien 8.605
14. Niederlande 7.382
15. Angola 6.933
16. Polen 5.179
17. Italien 4.466
18. Kuwait 3.915
19. Estland 3.569
20. Venezuela 2.223
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Die größten Öllieferanten Deutschlands 2015
Lieferland Anteil *
1. Russland 35,7%
2. Norwegen 13,7%
3. Großbritannien 10,9%
4. Nigeria 7,3%
5. Kasachstan 7,0%
Eine Weltkarte mit Markierungen der Lieferländer

6. Ölsorten - Öl ist nicht gleich Öl

Von Öl zu sprechen, ist sehr unpräzise. Hinter dem Begriff kann sich Schmieröl, Heizöl, Speiseöl, Rohöl oder vieles andere verbergen. Hier war bisher von Rohöl die Rede. Aber selbst Rohöl ist eine unzureichende Bezeichnung für eine Ware im kaufmännischen Sinn. Es gibt so viele Rohölsorten wie Ölfelder in der Welt. Jede hat ihre eigene Spezifikation und damit ihren speziellen Wert. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale von Rohölsorten sind ihre Dichte, ihr Schwefelgehalt und teilweise ihr Säuregehalt.

Die bekanntesten Ölsorten sind Nordsee-Rohöl Brent, Texas-Rohöl WTI und der OPEC-Korb, eine Mischung aus Rohölen der Mitgliedsländer des Kartells. Physisch spielen diese Sorten keine Rolle, weil sie kaum vorkommen. Buchungstechnisch sind sie indes so etwas wie die Leitwährungen der Ölwelt.

Die wichtigsten Rohölsorten
Sorte Herkunft Dichte nach API Schwefel­gehalt / Tag
WTI (West Texas Intermediate) USA 39,6 0,24%
Brent Blend Großbritannien 38,3 0,37%
OPEC-Korb siehe unten 34,0 1,23%
Rohölsorten des OPEC-Korbs
Sorte Herkunft Dichte nach API Schwefel­gehalt / Tag
Saharan Blend Algerien 43,6 0,11%
Minas Indonesien 35,0 0,08%
Iran Heavy Iran 30,2 1,77%
Basra Light Irak 33,7 1,95%
Kuwait Export Kuwait 32,4 2,55%
Es Sider Libyen 37,0 0,27%
Bonny Light Nigeria 35,4 0,14%
Qatar Marine Katar 36,2 1,60%
Arab Light Saudi Arabien 34,0 1,78%
Murban VAE 40,4 0,79%
BCF 17 Venezuela 16,5 2,53%
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Der Preis jeder Rohölsorte wird am Markt ausgehandelt. Näherungsweise lässt er sich durch die Bewertung von Dichte, Schwefel- und Säuregehalt gegenüber einer an der Börse gehandelten Sorte errechnen.

7. Ölhandel an der Börse

Die Einflussfaktoren sind auf Ölpreise heute so vielfältig, dass sie niemand vollständig erfassen kann. Deshalb ist Öl ein idealer Stoff für Spekulations- oder Wettgeschäfte an den Börsen. Prinzipiell ist die Wette auf eine Preisentwicklung nichts Verwerfliches. Ursprünglich diente sie der Sicherung realer Geschäfte. Spieler oder Spekulanten übernehmen dabei das Risiko von Produzenten und Händlern. Solange beide Seiten mit ausgeglichenen Werten (Waren und Geld) im Markt auftreten, sorgt die Spekulation für wirtschaftliche Stabilität. Das Gleichgewicht ist gestört, wenn die spekulativen Geldwerte die fairen Warenwerte übersteigen. Spekulationsblasen steigern dann das Kollapsrisiko der Wirtschaft. Seit den fragwürdigen Rettungsaktionen der Zentralbanken nach dem Finanzkollaps 2008 sind tendenziell alle Märkte mit ihrer bisweilen unbegrenzten Geldschöpfung vom Kollaps bedroht, so auch der Ölmarkt. Nach dem Ölpreisverfall in 2015 nahm das Kollapsrisiko ab.

Börsen dienen der standardisierten Spekulation. An ihnen werden physische Märkte in Form von Finanzmärkten abgebildet. Öl wird beispielsweise an Handelsplätzen in London (Intercontinental Exchange kurz ICE) und New York (New York Mercantile Exchange kurz NYMEX) gehandelt. An Börsen wird ein Vielfaches der real existierenden Ölmengen in Form von Terminkontrakten, sogenannten Futures, ge- und verkauft, ohne dass dabei ein einziges Barrel Öl physisch weitergegeben wird.

Preise für physisches Öl folgen den Börsenpreisen direkt oder in vertraglich festgelegter Näherung. Das Festlegen der Preise erfolgt dabei rasend schnell mit wachsender Geschwindigkeit. Spotgeschäfte werden hauptsächlich außerhalb der Börse als OTC (Over The Counter) in gigantischen Mengen abgewickelt.

8. Vertragskonditionen für Referenzöle

Für die Rohölsorten Brent und WTI (West Texas Intermediate) sowie die Produkte Gas Oil (Gasöl) und Heating Oil (Heizöl in den USA) gibt es standardisierte Handelskonditionen. Das ist eine Voraussetzung, um diese Rohölsorten an der Börse als Kontrakt zu handeln und sie als Referenz für die Preisbildung ähnlicher Produkte zu verwenden. Auf Basis von Brent und WTI werden Handelsverträge für beliebige Rohölsorten geschrieben. Gas Oil oder Heating Oil unter anderem zur vertraglichen Festlegung von Diesel- und Kerosinpreisen.

Als Andienungsort bezeichnet man den Ort der Lieferung zur physischen Erfüllung des Kontrakts. Bei ICE Brent kann optional auf die Lieferung zugunsten einer monetären Auflösung verzichtet werden. Deshalb eignet sich dieser Kontrakt besonders gut als reines Finanzprodukt.

Neben den oben aufgeführten Hauptkonditionen gibt es weitere Spezifikationen der Produkte wie Dichte, Schwefelgehalt und andere Inhaltsstoffe.

Die wichtigsten Vertragskonditionen der Kontrakte:
Ölsorte Menge/Kontrakt Preis in Andienungs­ort
ICE Gas Oil 100Tonnen USD/Tonne ARA (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen)
ICE Brent 1.000Barrel USD/Barrel Sullom Voe (Shetlands)
NYMEX Heating Oil 42.000Gallonen USD-Cent/Gallone New York
NYMEX Crude Oil (ist WTI) 1.000Barrel USD/Barrel Cushing (Oklahoma)

Als Andienungsort bezeichnet man den Ort der Lieferung zur physischen Erfüllung des Kontrakts. Bei ICE Brent kann optional auf die Lieferung zugunsten einer monetären Auflösung verzichtet werden. Deshalb eignet sich dieser Kontrakt besonders gut als reines Finanzprodukt.

Neben den oben aufgeführten Hauptkonditionen gibt es weitere Spezifikationen der Produkte wie Dichte, Schwefelgehalt und andere Inhaltsstoffe.

9. Rohölqualitäten und ihr Preis

Langfristige Handelsabkommen für Öl können zwischen den Vertragsparteien vollkommen frei formuliert werden. Häufig lehnt sich ihre Preisgestaltung an die Börsennotierung einer Referenzsorte an. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Eigenschaften des zu handelnden Öls identisch mit einer Referenzsorte sind. Deshalb wird der Vertragspreis mit errechneten Auf- oder Abschlägen zum börslichen Referenzpreis versehen.

In Dokumenten der Weltbank findet man ein Beispiel aus dem Jahr 2004 für die Gestaltung eines Vertragspreises der Rohölsorte Syrian Heavy. Es handelt sich um eine Modellrechnung mit Bewertungssätzen für einen Handelszeitraum statt eines Handelsmoments, Dichte nach API, Schwefelgehalt in Prozent, Grenzwertbetrachtung des Säurefaktors TAN und dem Lieferort. Diese Rechnung ist folgendermaßen aufgebaut:

Rechenbeispiel Syrian Heavy
Durchschnittspreis für Nordseeöl Brent im Juni: 35,04USD/Barrel
Effekt des verzögerten Abschlags (0,67 × 5,93): −3,97USD/Barrel
Effekt des niedrigeren API-Werts (24,1 statt 38,3 für Brent) : −0,77USD/Barrel
Effekt des höheren Schwefelgehalts (3,9% statt 0,37% für Brent): −0,95USD/Barrel
Effekt der höheren TAN-Zahl (0,17 statt 0,07 für Brent): 0,00USD/Barrel
Effekt aus Transport (aus Mittelmeer statt Nordsee): −0,28USD/Barrel
Totaler berechneter Abschlag zu Brent: −5,97USD/Barrel
Berechneter Preis für Syrian Heavy auf Basis Brent: 29,07USD/Barrel

10. Peak Oil - das letzte Barrel Öl

Diese Ölländer hatten ihr Peak Oil
Staat Jahr Marktanteil bei Peak Oil
US 1970 23,5%
Venezuela 1970 7,8%
Indonesien 1977 2,7%
Russland 1987 18,8%
Großbritannien 1999 4,1%
Norwegen 2001 4,5%
Mexiko 2004 4,7%

Über das letzte Barrel Öl zu sprechen, war im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends beliebt und gefürchtet. Endzeitfantasien zur Ölversorgung hatten bei depressiven Verschwörungstheoretikern, altruistischen Weltverbesserern (einschließlich des Autors) und arrivierten Konzernchefs Konjunktur. Das magische Wort dazu heißt Peak Oil. Es steht für die maximal mögliche Förderung von Erdöl. In vielen Ölländern war sie längst erreicht. Danach setzte der erbarmungslose Schwund der Fördermengen ein, wie es Daten aus der Zeit nahe legten.

Als Konsequenz der physischen Begrenztheit des Materiellen schossen die Rohölpreise in schwindelerregende Höhen von über 150 Dollar pro Barrel auf einer unbegrenzten Panikskala. Und das war nur der Anfang. Energieexperten überboten sich mit verwegenen Preisprognosen für das absehbare Ende des Öls. Das letzte Barrel würde teuer werden. Zentralbanken begannen schon mal mit dem Geldschöpfen, um wenigsten nominell den Erfordernissen einer nicht allzu fernen Zukunft gerecht werden zu können. Als initiales Ereignis für den Wahnsinn kam die Finanzkrise gerade recht.

Im Laufe des Jahres 2011 riss der rasante Preisanstieg, der durch den Beginn der Finanzkrise eine kräftige Korrektur erhielt, plötzlich ab. In 2014 brachen die Ölpreise sogar ein. Das Wort Peak Oil hatte zu der Zeit eine beachtliche Popularität erreicht. In Fachkreisen war es indes verschwunden. Was war geschehen?

Schema Glockenkurve nach Hubbert

Die knappe Erklärung lautet, Peak Oil erwies sich als unzutreffendes Modell zur Beschreibung der Ölmarkt Entwicklung. Dieses Modell geht auf den Geologen und Geophysiker Marion King Hubbert zurück. Er  arbeitete in den 1950er Jahren im Shell-Forschungslabor in Houston. Hubbert kam zu der Erkenntnis, dass die Ausbeutung eines Ölfelds im Stil einer Glockenkurve verläuft. Nach der Inbetriebnahme wird die Produktion exponentiell gesteigert, bis sie ein Maximum erreicht. Nach erreichen dieses Peaks fällt die Förderkurve spiegelbildlich auf Null zurück. Auf Basis dieses Modells wagte Hubbert die Vorhersage, dass die USA um 1970 herum ihr Peak Oil erleben werden. Dafür erntete er viel Kritik aus der Öl-Szene. Aber er sollte recht behalten.

Was Hubbert nicht zutreffend vorhersagte, waren technische und ökonomische Entwicklungen. Sie erwiesen sich in der Peak-Oil-Debatte als Game-Changer. Um das zu begreifen, muss man zunächst die simple Vorstellung, unter der Erde seien Ölseen oder Ölkavernen, aufgeben. Öl ist dort nicht frei vorhanden, sondern in Gesteinsformationen gebunden vergleichbar mit einem festen Schwamm. Das Abpumpen kann nicht mit beliebiger Geschwindigkeit erfolgen. Es hat unter Berücksichtigung der natürlichen Flussgeschwindigkeit im beherbergenden Gestein zu geschehen. Leerpumpen kann man die Formation nicht. Es bleibt immer ein Restbestand an Rohöl im Feld zurück. Das Wort Rest ist, mit Verlaub, kaum zutreffend. Bei der sogenannten Primärförderung mit Pumpen werden nämlich höchstens 20 Prozent des Ölbestands zu Tage gefördert.

Lange glaubte man, dass die im Feld verbliebenen Mengen unter wirtschaftlichen Bedingungen nicht förderbar seien. In Ölreserve-Betrachtungen kamen sie nicht vor. Das ist mittlerweile anders. Die Sekundärförderung als zweite Phase der „Ölernte“ ist in vollem Gang. Die einfachste Methode an weiteres Öl in alten Feldern heranzukommen, ist das Fluten mit Wasser. Dadurch wird verteiltes Öl in obere Schichten gedrückt, wo es als Emulsion abgepumpt werden kann. Das Verfahren wird unter anderem in der Region um den Persischen Golf in großem Stil eingesetzt. Das hauptsächlich in den USA praktizierte Fracking gehört ebenfalls zu den Verfahren der Sekundärförderung. Diese Phase der Ölförderung wird noch einige technische Spitzfindigkeiten hervorbringen. An ihrem Ende werden dennoch keine 40 Prozent der vorhandenen Ressourcen aus dem Boden geholt sein.

Die Peak-Oil-Liste aus dem Jahr 2002 ist längst Makulatur. Heute stellt sich nicht die Frage, wann das letzte Barrel Öl gefördert wird, sondern ob es überhaupt von nutzbarem Interesse ist. Damit erübrigt sich die Frage nach seinem Preis. Man geht derzeit nicht davon aus, dass die Menschheit eines Tages unter Peak Oil leiden wird, sondern unter der Vergiftung der Atmosphäre durch zu viel verfeuerte fossile Kraft- und Brennstoffe. Deshalb werden Menschen die Nutzung von Kohle, Mineralöl und Gas früher oder später freiwillig reduzieren.

11. Vom Rohöl zum Heizöl - der Veredelungspreis

Aktueller Raffinierungspreis für Heizöl
$   1,66            / Barrel

Das aus der Erde geförderte, unbehandelte Öl wird allgemein als Rohöl bezeichnet. Diese Definition ist nicht mehr zeitgemäß, da der Rohstoff häufig bereits vor dem Austritt aus dem Bohrloch von Menschen verändert wird. Im einfachsten Fall geschieht das durch Einschießen von Wasser, um Druck auf das auszutreibende Öl auszuüben. In anderen Fällen werden feste, flüssige oder gasförmige Chemikalien hinzugefügt, um das Öl fließfähig zu machen. In allen Fällen geschieht die Beimengung weit vor dem ersten direkten Kontaktpunkt mit dem Menschen.

Moderne Bohrtechnologie erlaubt Distanzen von zehn Kilometern und mehr zwischen dem geologischen Lagerort des Erdöls und dem Bohrpunkt auf der Erdoberfläche. Dabei wird nicht nur vertikal in die Tiefe gebohrt, sondern auch horizontal in die Länge, um Lagerstätten seitlich zu treffen, wenn diese beispielsweise im Meer liegen und von Land erschlossen werden sollen.

Das zutage geförderte Rohöl muss in einem ersten Schritt gereinigt werden. Der eigentliche Veredelungsprozess findet danach in den Raffinerien an Land statt. Hier beginnt der Wirtschaftsteil, der in der Fachsprache Downstream genannt wird. Neben der Raffinierung umfasst er Marketing, Vertrieb und Distribution. In der Kosten- und Preisentwicklung kommen darüber hinaus Steuern hinzu.

Fraktionen der atmosphärischen Destillation
Fraktionen der atmosphärischen Destillation

Die Verarbeitung von Rohöl zu Produkten ist nach der Förderung ein weiterer Teil der Mineralölwirtschaft, auch hier können Über- und Unterkapazitäten für erhebliche Preisbewegungen sorgen. Zudem wird hier maßgeblich über die Effizienz der gesamten Prozesskette entschieden. Moderne Raffinerien steigern die Produktenaufkommen, ohne dafür zusätzliches Rohöl zu verarbeiten.

Das Raffinieren in seiner einfachsten Form ist eine Destillation, also das Kochen von Rohöl zu dem Zweck, das abkühlende Kondensat in Hauptprodukte zu fraktionieren. Diese Produktionsform ist aus heutiger Sicht ineffizient, da große Mengen Rohöl als wertloses Schweröl allenfalls eine Art Abfallverwertung erlauben. Die technisch aufwendigere Konversion überführt je nach Ausprägungsart Schweröle in wertvollere Leichtöle, nicht zuletzt extraleichtes Heizöl (HEL). Weitere Schritte im Verarbeitungsprozess reinigen die Fraktionen (Hauptprodukte) von Schwefel und anderen unerwünschten Bestandteilen. Schließlich werden durch Mischen einzelner Fraktionen Produkte mit besonderen Eigenschaften hergestellt.

Die beim Destillieren erzeugten Hauptprodukte sind in der Reihenfolge ihrer Dichte sehr leichtes Flüssiggas, Rohbenzin, Mitteldestillate als Kerosin, Diesel und Heizöl, sowie der schwere Rest als ein Gemisch aus schwerem Heizöl und noch schwereren Rohölkomponenten. Die Marktpreise dieser Produkte differieren stark. Ein Barrel Benzin oder Diesel kann 20 oder 30 Dollar teurer sein als ein Barrel schweres Heizöl (Fuel Oil). Deshalb investieren Mineralölverarbeitungsunternehmen gewaltige Summen in Konversionsanlagen, die den schweren, billigen Rest in leichte, teure Fraktionen überführen.

Der Unterschied zwischen Diesel und Heizöl besteht in den meisten Ländern übrigens nur im Schwefelgehalt als Produkteigenschaft und im Steuersatz als Fiskaleigenschaft.

12. Rohöl Transportpreise - zwischen Rhein, Rohr und Rad

Bis Heizöl den Lagertank eines Verbrauchers erreicht, hat es eine stationsreiche Transport- und Wandlungsstrecke hinter sich. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Bereiche. Der Bereich zwischen Bohrloch und Raffinerie wird Upstream genannt. Ab der Raffinerie bis zum Endverbraucher-Tank spricht man von Downstream. Upstream besteht die Infrastruktur üblicherweise aus Pipelines, Seeschiffen und Tankzügen. Häufig werden in diesem Bereich Reinigungsanlagen durchlaufen. Erst am Übergang zum Downstream, in der Raffinerie, wird aus Rohöl Heizöl gekocht. Bis zu diesem Punkt sind die relativ geringen Kosten des Upstream-Transports in den börsengeprägten Warenpreisen üblicherweise enthalten.

Öltransportwege in Deutschland
Öltransportwege in Deutschland

Verbrauchern werden Heizölpreise ebenfalls inklusive Transportkosten genannt. Mineralölkaufleute kalkulieren indes mit getrennten Kosten und Preisen für Ware und Transport. Nur so lassen sich unterschiedliche Heizölpreise bei Sammelbestellungen darstellen. Die Warenkosten sind für eine oder fünf Abnehmer einer Bestellung gleich. Rabatte werden einzig aufgrund reduzierter Transportkosten bei nahegelegenen Entladestellen gewährt. Diese Kosten gehörten bereits zum letzten Teil der gesamten Transportkette, der Fahrt zum Verbrauchertank.

Bevor das Heizöl mit dem passenden Tankwagen dorthin transportiert werden kann, wird es in eins von über einhundert Auslieferungslager in Deutschland verfrachtet. Das geschieht auf dem Wasser, durch Pipelines, per Bahn oder eher selten mit großen Straßentankwagen. Die Transportmittel haben unterschiedliche Preise. Am günstigsten ist die Pipeline. Ihre Kosten sind so gut wie unabhängig von der Länge der Transportstrecke. Am teuersten sind Radtransporte, wobei die Schiene mit zunehmender Streckenlänge Preisvorteile gegenüber der Straße bietet. Die Preise für Schiffsladungen liegen dazwischen.

Aus dem raffineriereichen Raum Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen (ARA) wird Heizöl per Schiff auf dem Rhein sowie per Pipeline und Bahn entlang des Rheins in den Westen und Südwesten Deutschlands transportiert. Der Norden wird über die Seeschifffahrt versorgt. In den Osten wird Heizöl ebenfalls per Pipeline, in diesem Fall von der Ostsee, per Binnenschiff und per Bahn gebracht. Im Süden (Bayern) erfolgt die Heizölversorgung nur auf dem Wasser oder per Bahn. Neben den genannten Heizöltransportstrecken existieren in allen genannten Regionen Raffinerien, die unter anderem Heizöl produzieren. Sie werden per Pipeline mit Rohöl beliefert. Der Süden und Südwesten ist auf diese Weise an das Mittelmeer angeschlossen.

Die Vielfalt der Versorgungswege dient der Risikominimierung. Neben technischem Ausfall kommt es vor allen Dingen durch extreme Pegelstände auf den Wasserstraßen zu Problemen.

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