Wie viele Pellets sollte ich bestellen?
Wer Pellets bestellt, steht vor einer konkreten Frage: nicht wie viel die Heizung pro Jahr verbraucht, sondern wie viele Tonnen jetzt, bei dieser Bestellung, in dieser Jahreszeit, mit diesem Füllstand im Lager sinnvoll sind. Die Antwort hängt von mehr Faktoren ab als nur dem Jahresverbrauch . Dieser Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt zur richtigen Bestellmenge.
Lagerkapazität als harte Obergrenze bestimmen
Bevor Sie etwas anderes berechnen, müssen Sie wissen, wie viel Ihr Lager aufnehmen kann. Die Bestellmenge kann diese Grenze nie überschreiten.
Die nutzbare Lagerkapazität in Tonnen ergibt sich aus dem Lagervolumen in Kubikmetern geteilt durch 1,5. Ein Lagerraum mit 10 Kubikmetern fasst also rund 6,7 Tonnen Pellets. Dieser Wert ist eine Näherung, weil die Schüttdichte loser Pellets je nach Qualität und Kornform zwischen 580 und 650 Kilogramm pro Kubikmeter schwankt.
Wichtig: Das Lager darf nicht bis zur Decke befüllt werden. Zwischen Pelletoberfläche und Decke braucht es mindestens 20 bis 30 Zentimeter Freiraum, damit der Einblasstrahl genügend Platz hat, sich zu verteilen. Planen Sie deshalb mit 90 Prozent der rechnerischen Kapazität als realistischem Maximum.
Beispiel: Lagervolumen 12 Kubikmeter × 0,9 = 10,8 Kubikmeter nutzbar ÷ 1,5 = 7,2 Tonnen maximale Bestellkapazität bei leerem Lager.
Aktuellen Füllstand ermitteln
Wie viele Pellets liegen noch im Lager? Diese Frage müssen Sie vor jeder Bestellung beantworten, sonst bestellen Sie zu viel und die Lieferung passt nicht in den Lagerraum.
Bei einem Pelletlager ohne elektronische Füllstandsmessung hilft folgende Methode: Messen Sie mit einem geraden Stab oder einer Messlatte vom Boden bis zur Oberkante der Pelletschüttung an einer zugänglichen Stelle. Mit der bekannten Grundfläche des Lagerraums lässt sich daraus das Restvolumen berechnen.
Viele moderne Pelletkessel verfügen über eine Füllstandsanzeige, die über eine Ultraschallsonde im Lager gespeist wird. Dieser Wert ist jedoch oft ungenau, weil sich Pellets beim Lagern ungleichmäßig verteilen. Nutzen Sie die Anzeige als Anhaltspunkt, nicht als Präzisionswert.
Die Restmenge in Kilogramm ergibt sich aus: Restvolumen in Kubikmetern × 620 Kilogramm (mittlere Schüttdichte).
Bestellmenge = Maximale Füllmenge in Kilogramm − Restmenge in Kilogramm
Jahreszeit und Restreichweite einkalkulieren
Wann Sie bestellen, beeinflusst, wie viele Pellets Sie sinnvollerweise ordern. Die Restreichweite des aktuellen Lagerbestands zeigt, wie viel Zeit Sie noch haben.
Grobe Reichweitenformel
Restreichweite in Wochen = Restmenge in Kilogramm ÷ (Jahresverbrauch in Kilogramm ÷ 52)
Bei einer Restmenge von 800 Kilogramm und einem Jahresverbrauch von 5.200 Kilogramm beträgt die Reichweite: 800 ÷ 100 = 8 Wochen.
Dieser Wert ist ein Durchschnitt. Im Hochsommer kann die Reichweite deutlich länger sein, weil die Heizung kaum läuft. Im Dezember und Januar reichen dieselben 800 Kilogramm möglicherweise nur drei bis vier Wochen.
Lieferzeiten einplanen
Pelletlieferungen sind keine Expressdienste. Zwischen Bestellung und Lieferung vergehen je nach Region, Händler und Saison zwischen drei und vierzehn Tagen. Im Winter, wenn viele Haushalte gleichzeitig nachbestellen, können sich Lieferzeiten auf zwei bis drei Wochen verlängern. Unterschreiten Sie den Restbestand nicht unter 10 Prozent der Lagerkapazität, bevor Sie bestellen.
Jahresbedarf als Orientierungsgröße kennen
Der Jahresbedarf ist nicht das Ziel der Berechnung, aber er ist die Grundlage für alle anderen Schritte. Wer seinen Jahresbedarf kennt, kann Restreichweite, Bestellzeitpunkt und optimale Bestellmenge zuverlässig einschätzen.
Methode 1: Aus dem Verbrauch des Vorjahres
Wer die Pellets der letzten Saison dokumentiert hat, kennt seinen tatsächlichen Jahresbedarf. Dieser Wert ist präziser als jede Schätzformel, weil er das individuelle Heizverhalten, den Gebäudezustand und die Witterung bereits einschließt.
Methode 2: Schätzung nach Wohnfläche und Gebäudestandard
Wenn keine Verbrauchsdaten vorliegen, hilft diese Tabelle als Ausgangspunkt:
| Gebäudestandard | Pelletverbrauch pro m² Wohnfläche und Jahr |
|---|---|
| Altbau unsaniert (vor 1978) | 25 bis 35 Kilogramm |
| Teilsanierter Altbau | 18 bis 25 Kilogramm |
| Neubau nach EnEV 2009 | 10 bis 15 Kilogramm |
| KfW-Effizienzhaus 70 oder besser | 6 bis 10 Kilogramm |
| Passivhaus | 2 bis 5 Kilogramm |
Ein unsanierter Altbau mit 140 Quadratmetern Wohnfläche verbraucht demnach schätzungsweise 3.500 bis 4.900 Kilogramm Pellets pro Jahr. Diese Spanne ist breit, weil Heizverhalten, Personenzahl, Warmwasserbedarf und Anlageneffizienz den Verbrauch erheblich beeinflussen.
Methode 3: Umrechnung vom bisherigen Energieträger
Wer von einer Öl- oder Gasheizung auf Pellets umgestellt hat und den alten Verbrauch kennt, kann daraus den Pelletsbedarf abschätzen:
- Aus Heizöl: Liter Heizöl × 0,55 = Kilogramm Pellets
- Aus Erdgas: Kubikmeter Gas × 0,48 = Kilogramm Pellets
Diese Umrechnung berücksichtigt weder Wirkungsgradunterschiede der Anlagen noch Verhaltensänderungen. Sie liefert einen groben Ausgangswert, keinen verlässlichen Planungswert.
Bestellzeitpunkt und Preisstrategie
Wie viele Pellets Sie bestellen, hängt auch davon ab, wann Sie bestellen. Die Pelletpreise schwanken im Jahresverlauf, und diese Schwankung ist groß genug, um eine Bestellstrategie zu lohnen.
Saisonales Preismuster
Erfahrungsgemäß sind die Pelletpreise in den Sommermonaten, von April bis August, niedriger als im Herbst und Winter. Der Preisunterschied zwischen Sommer und Winter kann in einzelnen Jahren 15 bis 25 Prozent betragen. Wer im Frühjahr auf Vorrat kauft und das Lager vollständig auffüllt, spart in vielen Jahren erheblich.
Teilbestellung oder Vollbestellung?
Eine Vollbestellung im Frühjahr, also das vollständige Auffüllen des Lagers bis zur maximalen Kapazität, ist für die meisten Haushalte die wirtschaftlichste Strategie. Sie verbindet niedrige Saisonpreise mit reduzierten Lieferkosten, weil viele Händler Mengenrabatte ab drei bis fünf Tonnen gewähren.
Eine Teilbestellung ist sinnvoll, wenn das Lager nicht genug Kapazität für den gesamten Jahresbedarf hat, wenn die Preise gerade besonders hoch sind und eine Erholung erwartet wird, oder wenn sich die Heizlast durch eine geplante Sanierung in der nächsten Saison verändern wird.
Mindestbestellmengen beachten
Die meisten Händler setzen eine Mindestbestellmenge von einer bis zwei Tonnen voraus. Kleinere Mengen werden entweder gar nicht angeboten oder mit deutlichen Aufschlägen für Kleinmengenlieferung berechnet. Wer weniger als eine Tonne benötigt, greift besser auf Sackware zurück.
Die Entscheidung in der Praxis: vier typische Situationen
Situation 1: Herbst, Lager ist fast leer, Winter steht bevor
Bestellen Sie die maximale Menge, die Ihr Lager aufnimmt. Der Preis ist im Herbst nicht optimal, aber Versorgungssicherheit hat Vorrang. Planen Sie die Lieferung so früh, dass Sie nicht in die Lieferspitzen des frühen Winters geraten.
Situation 2: Frühjahr, Heizsaison endet, Lager ist fast leer
Das ist der ideale Bestellzeitpunkt. Die Preise sind häufig am niedrigsten, die Lieferzeiten kurz. Füllen Sie das Lager vollständig auf. Die Pellets lagern problemlos bis zur nächsten Heizsaison.
Situation 3: Mitten im Winter, Lager ist halb voll
Entscheiden Sie nach Restreichweite. Haben Sie noch sechs Wochen Vorrat, können Sie auf eine günstigere Preissituation warten. Haben Sie noch zwei bis drei Wochen, bestellen Sie sofort und nehmen Sie den aktuellen Preis an.
Situation 4: Neubau oder erste Befüllung
Lassen Sie das Lager vollständig neu einblasen. Dabei empfiehlt es sich, nicht die absolute Maximalkapazität zu bestellen, sondern mit zehn Prozent Puffer zu kalkulieren. So verhindert man eine Überfüllung, falls die tatsächliche Schüttdichte von der Planung abweicht.
Häufige Fragen zur Bestellmenge
Wie berechne ich, wie viel Platz noch in meinem Pelletlager ist?
Messen Sie das Restvolumen über den aktuellen Füllstand: Grundfläche des Lagers in Quadratmetern multipliziert mit dem freien Höhenabstand bis zur Decke in Metern ergibt das freie Volumen. Multipliziert mit 620 Kilogramm pro Kubikmeter ergibt das die maximale Nachbestellmenge in Kilogramm. Planen Sie 10 Prozent Puffer ein.
Lohnt sich eine größere Bestellung, um Mengenrabatt zu nutzen?
In der Regel ja, wenn das Lager die Menge aufnehmen kann. Viele Händler bieten ab drei Tonnen günstigere Konditionen. Pellets, die trocken lagern, verlieren über eine Saison kaum an Qualität. Die Einsparung durch den Mengenrabatt übersteigt in den meisten Fällen die Kosten für etwas länger gelagertes Material.
Wie viele Pellets benötige ich pro Monat?
Das hängt stark von der Jahreszeit ab. Als grobe Orientierung verbraucht ein Einfamilienhaus mit einem Jahresbedarf von 5 Tonnen im Dezember und Januar je etwa 700 bis 900 Kilogramm, im April und Oktober je etwa 200 bis 300 Kilogramm, und von Mai bis September unter 100 Kilogramm monatlich für Warmwasser.
Was passiert, wenn ich zu viel bestelle und die Pellets nicht mehr ins Lager passen?
Der Fahrer ist gesetzlich verpflichtet, die Lieferung abzubrechen, sobald der Grenzwertgeber im Lager anspricht oder das Lager offensichtlich voll ist. Eine Überfüllung geht auf Ihre Kosten. Messen Sie deshalb vor jeder Bestellung den Füllstand.
Ab wie wenig Restbestand sollte ich spätestens nachbestellen?
Bei 10 bis 15 Prozent der Lagerkapazität als Restmenge sollte die Bestellung spätestens ausgelöst sein. Bei 5 Tonnen Lagerkapazität sind das 500 bis 750 Kilogramm. Mit einem Liefervorlauf von bis zu zwei Wochen im Winter liegt dieser Schwellenwert sicher.
Kann ich mehrmals im Jahr kleinere Mengen bestellen?
Technisch ja. Wirtschaftlich ist das in den meisten Fällen schlechter, weil Kleinmengen teurer sind, häufigere Lieferungen mehr Koordinationsaufwand bedeuten und die Preisvorteile von Großbestellungen entfallen. Sinnvoll ist eine zweite Bestellung nur, wenn das Lager für den gesamten Jahresbedarf zu klein ist.