Iran hat einen Plan und der heißt Zeit
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Ölpreise bewegen sich aktuell in häufig wechselnde Richtungen. Eine so vage wie ungewöhnliche Tendenz lässt sich aber ausmachen. Rohöl wird teurer, während Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, etwas günstiger wird. Ein neues Preishoch für Rohöl ist greifbar nah. Gasöl ist davon über elf Prozent entfernt. Einen veritablen Abwärtstrend für irgendeinen handelbaren Ölkontrakt zu prognostizieren, liegt in diesen Tagen allerdings fern. Dazu müsste sich ein baldiges Ende des Konflikts andeuten, der zur größten denkbaren Störung der globalen Ölversorgung geführt hat.
Der Präsident der USA findet keinen Hebel und der Iran, dessen Führung dem Vernehmen nach tief gespalten ist, spielt auf Zeit. Die Konstellation ist angesichts der nominellen Gegnerschaft, Demokratie versus Theokratie, übrigens ungewöhnlich. Es ist schwer auszumachen, welche Seite autokratischer geführt wird. Mit Blick auf die Zeit steht der Präsident unter weit größerem Druck als das Mullah-Regime. Er muss die Ölpreise bis zu den Zwischenwahlen im November deutlich gesenkt haben. Im Iran werden die finanziellen Einbrüche durch die US-Seeblockade dann erst vollständig wahrnehmbar und im Führungsapparat für harte Auseinandersetzungen sorgen. Dem Volk wird dabei vermutlich das geringste Interesse gewidmet.
Aktuell ist der Iran noch mit dem Problem der Einlagerung seines nicht mehr exportierbaren Öls beschäftigt. Die verbleibenden Speicherkapazitäten reichen nur noch für wenige Wochen, weshalb das Land seine Ölproduktion senken muss. Der wirtschaftliche Druck beginnt dadurch zwar zu steigen, aber die finanziellen Auswirkungen zeigen sich erst deutlich später, da Transport und Zahlungsabwicklung mehrere Monate dauern.
Da die USA auf dem Verhandlungsweg im Augenblick ausgebremst sind, greifen sie wieder einmal zur Sanktionskeule. Die richtet sich gegen die chinesische Hengli-Raffinerie, weil sie angeblich iranisches Öl nutzt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, während China die Maßnahmen kritisiert. Die Sanktionen treffen nicht nur Hengli selbst, beispielsweise durch Ausschluss vom Dollar-Zahlungssystem und Auftragsstornierungen, sondern setzen auch andere unabhängige Raffinerien in China unter Druck. Zudem verschärfen sie die Lage auf dem ohnehin angespannten Ölmarkt. Ein derartiger Kollateralschaden ist kaum vermeidbar und richtet sich oft gegen die sanktionierende Partei selbst.
Für die Weltwirtschaft im Allgemeinen und für Donald Trump im Speziellen drängt die Zeit. Die Versorgungslage verschärft sich von Tag zu Tag, weil Puffer dahinschmelzen. Noch besteht die Erwartung, dass sich die Lieferströme im Mai und Juni schrittweise normalisieren. Das hält die Preise dort, wo sie derzeit sind. Es droht aber der Moment, an dem sie zu laufen und zu springen beginnen.
An den Börsen wird uneinheitlich gehandelt. Die Rohölnotierungen legen spürbar zu. Aufwärts geht es zwar auch bei den Gasölnotierungen. Diese befinden sich aber noch klar unter den gestrigen Preisspitzen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 99,03 Dollar
und das Barrel Brent zu 111,20 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.266,00 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8543 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1702 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich kaum, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die seit Freitag moderat verlaufende Bewegung folgt den internationalen Vorgaben. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass die extremen Börsenbewegungen zumindest temporär überwunden sind oder, in anderen Worten, dass die Volatilität sinkt. Das heißt leider nicht, dass damit auch die Heizölpreise sinken. Die Trendkanäle für die verschiedenen Zeitbereiche weisen in den preisrelevanten Ansichten in Gänze aufwärts. Damit ist nicht die Wahrheit aber eine Wahrscheinlichkeit festgestellt.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt befindet sich im Notlaufmodus. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist hingegen noch vorhanden. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Die Heizölpreise laden definitiv nicht zum Kauf ein. Man wird sich allerdings für längere Zeit an das erhöhte Niveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge immer eine Alternative zum Volltanken ist.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 28. April 2026
