Ölpreise unter Druck: Iran-Signale entspannen den Markt
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Entspannungssignale rund um den Iran-Konflikt haben die Rohölpreise in der ersten Wochenhälfte sinken lassen. Brent-Rohöl startet heute unter 76 Dollar je Barrel.
Der Schiffstracking-Dienst Kpler verzeichnet wieder mehr Passagen durch die Straße von Hormus. Die USA haben die Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor am Montag gelockert. Damit ist der Verkauf von Öl und Ölprodukten aus dem Iran während der Friedensverhandlungen für 60 Tage erlaubt. Die Marktteilnehmer hoffen auf eine baldige Verbesserung der globalen Ölverfügbarkeit.
Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings, dass die wichtige Handelsroute stark vermint und aktuell nur ein schmaler Streifen passierbar ist. Wie bald die große Zahl wartender Öltanker und neue Ladungen das Nadelöhr durchfahren können, hängt davon ab, wie schnell die Minenräumung vorschreiten wird. Derzeit sollen die Schiffspassagen bei gut einem Drittel der vor dem Krieg üblichen täglichen Passagen liegen.
Wie gut die bisherigen Übereinkünfte zwischen Iran und den USA den Schiffsverkehr schützen und steigern können, bleibt abzuwarten. Die Kämpfe im Libanon, die trotz einer vereinbarten Waffenruhe immer wieder aufflammen, bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Iran hat ein Ende israelischer Angriffe mehrfach zur Bedingung für weitere Verhandlungen mit den USA gemacht.
Was den Marktteilnehmern Hoffnung macht, ist, dass Präsident Trump wegen des Iran-Konflikts innenpolitisch unter Druck steht und die USA aus wirtschaftlichen Gründen an einer Einigung interessiert sind.
Der Blick richtet sich heute zudem auf die anstehenden wöchentlichen Ölbestandsdaten aus den USA. Die landesweiten Rohölvorräte sind zuletzt auf ein so niedriges Niveau gesunken, das einen normalen Betrieb im zentralen Öllager in Cushing erschwert. Analysten erwarten weitere Rückgänge sowohl bei Rohöl als auch bei den Ölprodukten. Sollte sich dies bestätigen, wäre das einpreisstützender Impuls. Die in der vergangenen Nacht veröffentlichten Umfrageergebnisse des Branchenverband API zeichnen hingegen bei den Produkten (Diesel, Heizöl, Benzin) ein anderes Bild und gehen von Lageraufbauten aus.
In Russland gibt es Überlegungen, den Export von Diesel komplett zu verbieten. Hintergrund sind Angebotsengpässe nach zahlreichen ukrainischen Drohnenangriffen auf die russische Energieinfrastruktur. Dies hat gestern die Preise für Gasöl in die Höhe getrieben. Gasöl ist Vorprodukt in der Produktion von Diesel und Heizöl. Der Preisanstieg macht sich heute Früh im Binnenland bemerkbar. Die Rohölpreise hingegen bewegten sich zu Tagesbeginn nahe an ihren gestrigen Tiefstwerten.
Zur Stunde geben die Notierungen an der Ölbörse nach. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 71,97 Dollar
. Brent kostet 75,70 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 875,50 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8805 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1355 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise pausieren ihre Abwärtsbewegung und setzen zunächst eine Preissteigerung bei Gasöl um, dem Vorprodukt von Heizöl. Dieser Impuls kommt vom internationalen Ölmarkt. Dort drehen die Preis bereits wieder nach unten, sodass sich die Entlastung im Tagesverlauf auch bei den Heizölpreisen hierzulande bemerkbar machen dürfte. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt heute Morgen in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 108,90 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Mit den positiven Signalen aus den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA hat sich die Krise im Nahen Osten etwas entspannt. Der aktuell zunehmende Schiffsverkehr durch die Meerenge von Hormus stärkt die Hoffnung auf eine verbesserte Ölversorgungslage. In den letzten zweieinhalb Wochen sind die Heizölpreise deutlich gesunken.
Das macht Heizölkunden optimistischer. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen inzwischen 85 Prozent der Befragten mit weiter sinkenden Preisen. Entsprechend abwartend agieren viele Kunden aktuell beim Kauf.
Gleichzeitig liefert das esyoil Tiefpreissystem in den meisten Regionen Deutschlands Kaufsignale.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Heizölpreise sind im Juni deutlich gesunken. Bis sie jedoch wieder ihr Ausgangsniveau von vor Beginn des Iran-Krieges erreichen, dürfte noch Zeit vergehen. Voraussetzung dafür ist, dass die Situation rund um die Straße von Hormus länger stabil bleibt und die Friedensverhandlungen positiv verlaufen. Wer kurzfristig Nachschub für den Öltank benötigt, sollte die Preisentwicklung eng beobachten. Eine Teilbestellung bleibt weiterhin eine Option.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 24. Juni 2026
