Am Ölmarkt wird man sich wieder um Angebot und Nachfrage kümmern
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Welle der geopolitischen Unruhe, die die Ölpreise in den letzten Wochen erfasst hatte, sollte langsam auslaufen. Weder im Iran, noch in Venezuela und schon gar nicht auf Grönland sind Raketen und Bomben zu erwarten. Vergangenheit und Gegenwart werden wahrscheinlich ohne revolutionäre Umbrüche in der Zukunft aufgehen. Dort erwartet die Marktteilnehmer bereits die Erzählung von der großen Ölschwemme. Das lässt sinkende Preise erahnen. Auf ebendiese würde auch eine neue Debatte über irgendwelche Strafzölle hinauslaufen.
Die USA bemühen sich aktuell, die Kontrolle über Venezuelas Ölindustrie zu übernehmen und verändern dabei die Handels- und Exportströme. Das Handelshaus Vitol versucht bereits mit günstigen venezolanischen Öl in China und Indien ins Geschäft zu kommen. Große internationale Ölkonzerne bleiben jedoch vorsichtig. Sie verlangen rechtliche Änderungen, die es ihnen erlauben würden, Öl direkt zu exportieren und Zahlungen selbst zu erhalten, statt über den staatlichen Konzern PDVSA gehen zu müssen. Das Vertrauen in den Regierungsbetrieb ist irreparabel beschädigt, weil sein System unter den Sanktionen kollabierte und Milliardenschulden gegenüber Partnern wie Chevron, ENI und Repsol angehäuft wurden.
Die US-Regierung signalisiert Bereitschaft, auf solche Forderungen einzugehen. Washington will mit Venezuela Abkommen abschließen, um dessen Wirtschaft zu stabilisieren. Dabei sollen Exporte möglichst nicht mehr nach China gehen. Das Umfeld für Ölgeschäfte soll insgesamt planbarer werden. Angesichts der wirtschaftlichen Lage in Venezuela ist die Übergangsregierung möglicherweise bereit, Gesetzesänderungen zum Aufbau von Liquidität und Investitionen zu akzeptieren.
Vollkommen unausgestanden ist indes der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Er sorgt weiterhin für eine Risikoprämie in den Ölpreisen. Solange der russische Ölstrom aufrecht gehalten werden kann, ist diese Prämie allerdings gering. Höher sind die Mehrkosten für das russische Öl, wenn es bedingt durch die EU-Sanktionen nicht direkt, sondern über diverse Zwischenhändler zu uns kommt. Über den Schaden, den Russland dabei trägt, gibt es gegenläufige Darstellungen. Die Nachrichtenagentur Reuters schätzt ihn hoch ein. Die Staatseinahmen aus Öl- und Gasverkäufen sollen im Januar 46 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen. Grund dafür sind die niedrigeren Rohölpreise und die Rubelstärke. Schon 2025 sind die Einnahmen um 24 Prozent gesunken. Der weitere Rückgang treibt sie nun auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2020. Zwar rechnet Moskau 2026 wieder mit einem leichten Plus, doch bleiben die Erlöse mit Blick auf die Kriegskosten und die Bedeutung von Öl und Gas für den Staatshaushalt angespannt.
Dass die Ölpreise unter Druck stehen, ist hierzulande aufgrund der EU-Sanktionen und der CO2-Bepreisung weniger sichtbar als am Weltmarkt. Dort herrscht ein für viele Marktteilnehmer harter Wettbewerb. So kaufen asiatische Raffinerien derzeit kaum noch das beliebte, leicht zu verarbeitende Öl aus den Vereinigen Arabischen Emiraten. Im Vergleich zu anderen Sorten gilt es mittlerweile als zu teuer. Stattdessen greifen Händler verstärkt zu saudischem Öl, das durch höhere Verfügbarkeit und gesunkene Preise deutlich günstiger ist. Obwohl saudisches Rohöl schwerer und schwefelhaltiger ist und daher nicht überall gleich flexibel eingesetzt werden kann, sind die Preisvorteile inzwischen so groß, dass viele Raffinerien lieber saudisches Light- und Medium-Rohöl verarbeiten als das teure Murban-Rohöl aus den Emiraten. Die Endverbraucher in Asien dürften das auch goutieren.
Nachdem Öl gestern noch mit einem Tagesgewinn aus dem Handel ging, geben die Notierungen an den Börsen heute Morgen nach. Dabei verliert Rohöl erneut schneller an Wert als Gasöl (Vorprodukt für Heizöl). Diese Tendenz sollte sich bald wieder als Trend zeigen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 58,95 Dollar
und das Barrel Brent zu 63,89 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 653,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8528 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1712 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen homöopathisch an, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit liegen sie auf Kurs mit den internationalen Vorgaben. Prognosen sind angesichts der unberechenbaren US-Politik zwar schwierig, aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Umfeld die Hoffnung auf günstigere Preise wieder erlaubt. Der Blick auf die verschiedenen Preischarts unterstützt eine solche Haltung, da die Trendkanäle in allen Zeitbereichen abwärts weisen. Leider basiert die gesamte Information hinter diesen Grafiken nur auf Vergangenheitsdaten. Die Zukunft muss sich keinesfalls daran halten.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist leidlich belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise bleibt hoch. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen gerade noch auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, kann zu diesen Preisen immer noch kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, sollte gegebenenfalls nicht vollgetankt werden.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 20. Januar 2026
