Der Ölmarkt blickt nach Davos
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Brent-Rohöl steht knapp über 64 Dollar je Barrel. Die Ölpreise präsentieren sich zum Auftakt der Wochenmitte orientierungslos. Politische Risiken, konjunkturelle Erwartungen und fundamentale Angebotsfaktoren liefern derzeit widersprüchliche Signale.
Das Weltwirtschaftsforum in Davos rückt heute auch für den Ölmarkt in den Mittelpunkt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Grönland-Konflikt und den Zoll-Drohungen von Donald Trump gegenüber acht europäischen Staaten, die sich zuletzt gegen seinen Griff nach der größten arktischen Insel positioniert hatten. Wenn der US-Präsident am frühen Nachmittag in Davos an die Mikrofone tritt, interessiert die Marktteilnehmer vor allem, ob es einen irgendwie gearteten „Grönland-Deal“ geben kann, der die Lage entspannt, und ob es bei den angekündigten Zusatzzöllen von zehn Prozent bleibt.
Die EU hat bereits einen Sondergipfel für Donnerstag angesetzt, um sich auf mögliche Gegenmaßnahmen bis hin zu Vergeltungszöllen zu verständigen. Neue Zollängste belasten den US-Dollar. Das wiederum ist ein Faktor, der Rohöl in anderen Währungen tendenziell vergünstigt. Die Sorge vor einer schwächeren Konjunkturentwicklung durch einen wieder aufflammenden Handelsstreit ist zurück und wirkt preisdämpfend an den Ölbörsen. Zölle trüben die Aussichten für die Weltkonjunktur und damit für die globale Ölnachfrage.
Gerade jetzt richtet sich der Blick der Marktteilnehmer einmal mehr auf den weltweiten Rohölüberschuss im laufenden Jahr: Die Internationale Energiebehörde (IEA) rechnet in ihrem soeben vorgelegten Monatsbericht mit einem Überangebot von 3,7 Millionen Barrel pro Tag (B/T). Das ist noch einmal spürbar mehr als der Angebotsüberschuss von 2,83 Millionen B/T, den die US-Energiebehörde EIA in ihrem aktuellen Bericht prognostiziert hat. Auch das wirkt preisdämpfend.
Im Hintergrund bleiben die geopolitischen Unsicherheiten präsent, verlieren aber teilweise an Schärfe: Das Risiko eines US-Militärschlags gegen den Iran hat zuletzt nachgelassen. Auch wenn die USA inzwischen einen siebten Tanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt haben, können die Lieferausfälle bislang vom weltweit starken Angebot problemlos kompensiert werden.
Gestern hatten mehrere stützende Impulse die Ölpreise angeschoben. Neue Fördermaßnahmen für Chinas Wirtschaft ließen die Marktteilnehmer auf ein stärkeres Wirtschaftswachstum hoffen, das zu einer höheren Ölnachfrage führen dürfte. China ist der weltweit wichtigste Ölimporteur und damit ein zentraler Preistreiber.
Auch Indien gilt als einer der Wachstumsmotoren für die asiatische Ölnachfrage. Aktuelle Daten belegen, dass die indischen Raffinerien ihren Durchsatz im Kalenderjahr 2025 um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigerten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für 2026 und 2027 ein Konjunkturwachstum von 6,4 Prozent.
Ein temporärer Produktionsausfall im Tengiz-Ölfeld in Kasachstan stützt die Ölpreise kurzfristig. Das Feld zählt zu den größten weltweit und soll über geschätzte Reserven von rund 3,1 Tonnen verfügen. Die Produktion soll jedoch bereits Anfang Februar wieder anlaufen.
Heute Morgen sind die Rohölpreise unterhalb ihrer gestrigen Tageshochs gestartet und befinden sich auf Richtungssuche. Gasöl testet sein Aufwärtspotenzial. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 59,88 Dollar
. Brent kostet 64,34 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 676,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8542 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1704 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen zögerlich an. Damit setzt sich die seit rund einer Woche zu beobachtende minimale Preisbewegung fort. Zur Stunde liegt der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 90,65 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die Bestellaktivität im Binnenland bewegt sich auf einem mittleren Niveau. Gleichzeitig hoffen viele Heizölkunden auf einen Preisrückgang. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 76 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, sichert sich mit einer Bestellung zu weiterhin moderaten Preisen ab. Wer dabei etwas Platz im Tank lässt, kann auf mögliche Rückgänge spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 21. Januar 2026
