Hoffnung auf schnelle Lösung am Nadelöhr Hormus schwindet – Ölpreise steigen
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die zwei zentralen Meldungen für den Ölmarkt: Die Meerenge von Hormus bleibt nach Irans jüngstem Verhandlungsvorschlag blockiert. Und die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen die OPEC und damit zugleich die OPEC-Plus.
Die USA lehnten gestern einen iranischen Vorschlag zur Aufhebung der Blockade in der Straße von Hormus ab. Washington hält die Bedingungen aus Teheran trotz Verbesserungen für unzureichend. Die Lage am Persischen Golf bleibt angespannt und die USA scheinen den Druck erneut zu erhöhen. Vereinzelte Durchfahrten ändern daran nichts: Die Route bleibt faktisch gesperrt. Laut Vereinten Nationen ist der Schiffsverkehr seit Beginn des Iran-Kriegs vor zwei Monaten um über 95 Prozent zurückgegangen. Für den Weltmarkt bedeutet das ein stark eingeschränktes Ölangebot und entsprechend hohe Preise.
Auch die zweite große Nachricht ändert daran zunächst nichts. Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC hat kurzfristig kaum Auswirkungen auf das Angebot. Denn auch Abu Dhabi kämpft mit den gleichen logistischen Problemen: Solange die Straße von Hormus nicht sicher und in größerem Umfang passierbar ist, bleiben die Exportmöglichkeiten begrenzt. Vor dem Konflikt mit dem Iran hatten die Emirate als einer der größten Produzenten des Kartells rund 3,3 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert (OPEC-Monatsbericht im März).
Nach über 50 Jahren Mitgliedschaft soll zum 1. Mai Schluss sein. Hintergrund ist vor allem die langjährige Unzufriedenheit mit den Förderquoten. Künftig will Abu Dhabi seinen eigenen Weg gehen und die Förderung ohne Begrenzung ausweiten. Auch der mangelnde Zusammenhalt unter den arabischen Staaten in der aktuellen Krise dürfte die Entscheidung beeinflusst haben.
Zwar setzt die Abu Dhabi National Oil Company auf Ship-to-Ship-Transfers nahe des Hafens von Fujairah, der außerhalb der Straße von Hormus liegt und an eine Pipeline angebunden ist. Doch diese Alternative hat ihre Grenzen: Die Infrastruktur soll bereits weitgehend ausgelastet sein, zudem bleibt die Nähe zum Krisengebiet ein erhebliches Risiko – auch Fujairah war zuletzt Ziel von Angriffen. Nicht alle Reedereien dürften bereit sein, dieses Risiko einzugehen.
Dabei verfügen die Vereinigten Arabischen Emirate grundsätzlich über erhebliche Produktionskapazitäten: Mehr als 4 Millionen Barrel pro Tag sind möglich, längerfristig sind sogar über 5 Millionen geplant. Mittel- und längerfristig dürfte der Ausstieg aus den Förderquoten daher mehr Öl auf den globalen Markt bringen – vorausgesetzt, die Lieferstörungen im Nahen Osten lassen nach.
Für die OPEC bedeutet der Schritt eine Schwächung. Die Fähigkeit, Angebot und Preise über Förderquoten zu steuern, gerät zunehmend unter Druck. Bereits 2024 hatte Angola die Allianz im Streit verlassen. Auch andere Länder wie Kasachstan und der Irak überschreiten seit Jahren ihre Vorgaben. Um weiteren Austritten vorzubeugen, könnte die OPEC gezwungen sein, ihre Quoten künftig weniger strikt zu handhaben – mit entsprechend steigenden Fördermengen.
Doch das ist derzeit zweitrangig. Kurzfristig dominiert die Krise im Persischen Golf das Marktgeschehen. Das Nadelöhr Hormus steht im Zentrum und die anhaltenden Lieferstörungen treiben die Ölpreise weiter.
An den Ölbörsen geht es heute Morgen kräftig aufwärts. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht zur Stunde bei 103,50 Dollar
. Brent kostet aktuell 114,77 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1291,50 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet 0,8543 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1701 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen zum Start in die Wochenmitte an. Damit reagieren sie auf den Preisanstieg am internationalen Ölmarkt. Am Morgen liegt der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 132,90 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die Preisentwicklung folgt weiterhin eng der Nachrichtenlage rund um die blockierte Straße von Hormus. Die Lieferstörungen am globalen Ölmarkt halten an. Im Binnenland könnten ab dem 1. Mai regional zusätzliche Kosten entstehen. Grund ist die Unterbrechung von kasachischen Öllieferungen an die Raffinerie in Schwedt , die weite Teile in Ostdeutschland mit Heizöl versorgt.
Heizölkunden agierten zuletzt wieder zurückhaltender bei Bestellung. Ihre Hoffnung auf einen Preisrückgang hat sich zwar etwas erholt, bleibt jedoch gedämpft. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 57 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer kurzfristig bestellen muss, kann sich derzeit vor allem gegen weitere Aufschläge absichern oder auf kleinere Rückgänge spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 29. April 2026
