Hormus-Diplomatie kommt voran. Rohölpreise stabil, aber Heizöl wird wieder teurer
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Brent-Rohöl kostet am Morgen knapp 87 Dollar je Barrel und damit gut sieben Prozent weniger als zu Wochenbeginn. Treiber ist weiterhin die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
Iran und Oman kommen bei ihren Gesprächen offenbar voran und haben sich nach iranischen Angaben darauf verständigt, wie die Meerenge künftig gemeinsam verwaltet und wie die geplanten Transitgebühren aufgeteilt werden sollen. Heute reist zudem der katarische Ministerpräsident nach Teheran, um die festgefahrenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen.
Die USA stehen im Moment an der Seitenlinie, was den diplomatischen Fortschritten offenbar guttut. Washington setzt inzwischen vor allem auf Sanktionen, um Iran zur Lösung der Hormus-Krise zu zwingen. Der eigentliche Streitpunkt und Auslöser des Konflikts, also das iranische Nuklearprogramm, ist weit in den Hintergrund gerückt.
Unabhängig davon fließt bereits wieder deutlich mehr Öl durch die Meerenge. Händler schätzen die aktuellen Mengen auf sieben bis acht Mio. Barrel täglich. Zusammen mit den Mengen aus den Umgehungspipelines könnten also im Moment bis zu zwei Drittel der Vorkriegsmengen die Weltmärkte erreichen. Risikofrei ist die Route damit allerdings noch lange nicht.
Am zweiten Brennpunkt des Ölmarkts verschärft sich die Lage dagegen. Präsident Putin erklärte die Friedensgespräche mit der Ukraine für aussichtslos und will den Krieg anscheinend weiter eskalieren. Im eigenen Land steht die Kraftstoffversorgung allerdings unter Druck.
Die ukrainischen Drohnenangriffe senken das russische Rohölangebot aktuell um etwa zehn Prozent, bei den Ölprodukten wie Diesel oder Benzin noch stärker. Das ist bis nach Indien zu spüren: Die Rohölimporte aus Russland brechen im August um etwa 30 Prozent ein. Indiens Raffinerien decken sich nun verstärkt in Afrika und Amerika ein, also auf Märkten, über die sich auch Europas Raffinerien versorgen.
Der gestrige Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt fiel wenig spektakulär aus. Die gewerblichen Rohölbestände bleiben nahezu unverändert, während die nationalen Ölreserven um knapp 4 Mio. Barrel sanken. Die Lager der Mitteldestillate (Diesel, Heizöl u.a.) sanken ebenso wie die Benzinvorräte, trotz der hohen Auslastung der Raffinerien. Die Lage verschärft sich also, aber das Tempo des landesweiten Lagerabbaus hat sich verringert.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,2 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -3,7 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten heute erst einmal wenig verändert. Brent-Rohöl kostet aktuell 86,66 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 81,05 US-Dollar je Barrel
. ICE-Gasoil wird zu 1219,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8578 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1655 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Die kurze Phase mit etwas schwächeren Preisen endete gestern. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am heutigen Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 131,42 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Dafür ist vor allem der kräftige Anstieg der Preise für Gasoil verantwortlich, das Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl.
Die Kaufbereitschaft ist etwas gesunken, aber die Zahl der Bestellungen bleibt sehr hoch. Das Tiefpreissystem, das Preistrends auswertet, gibt eine neutrale Kaufempfehlung aus.
In der täglichen Lesereinschätzung dominieren die Preisoptimisten so deutlich wie schon lange nicht mehr: 79 Prozent der Stimmen rechnen mit fallenden Preisen, nur 21 Prozent erwarten einen Anstieg.
Fazit: Im Rohölmarkt deutet sich eine Entspannung an; im Diesel/Heizöl-Markt bleibt die Lage schwierig. Der September steht bereits vor der Tür. Wer sich nicht bereits im Sommer mit Brennstoff eingedeckt hat, muss sich trotz der immer noch sehr hohen Preise in den nächsten Wochen entscheiden.
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Heizölpreise-Chart vom 27. August 2026
