Trump redet die Ölpreise mit Wucht in die Höhe
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
In den letzten Tagen wuchs die Hoffnung auf ein bevorstehendes Ende des Iran-Kriegs. An den Börsen machte sie sich durch eine Beruhigung der Ölnotierungen und einen Aufschwung an den Aktienmärkten bemerkbar. Diese Hoffnung wurde heute Nacht durch Donald Trumps Rede an die Nation jäh durchkreuzt.
Der US-Präsident hat keinen klaren Plan oder Zeitrahmen für den Konflikt mit dem Iran geliefert, sondern seinen widersprüchlichen Kurs fortgesetzt. Statt eines schnellen Endes stellte er nun neue, deutlich schärfere Drohungen in den Raum, insbesondere Angriffe auf Energie- und Ölinfrastruktur. Die Aussagen deuten eher auf eine weitere Eskalation als auf eine Beruhigung hin, zumal es keine Anzeichen für Verhandlungen gibt. Eine Umsetzung der Drohungen könnte schwere Folgen für die Region und die Ölversorgung haben.
Tatsächlich verstärken die USA ihre Militärpräsenz im Nahen Osten erneut. Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush ersetzt den durch Beschuss beschädigten und abgezogenen Flugzeugträger USS Gerald R. Ford. Zusätzliche auf Bodenkampf spezialisierte Einheiten sowie A-10 Flugzeuge werden verlegt. Das deutet auf eine Vorbereitung möglicher Bodeneinsätze hin. Dabei wird als konkretes Ziel immer wieder über die Ölinsel Kharg spekuliert.
Am Ölmarkt reagiert man rasant bullisch auf Trumps Rede, da Händler eine mögliche Eskalation ernst nehmen. Aus Sorge vor Angebotsengpässen und explodierenden Preisen bauen Trader Long-Positionen auf. Das sind Papiere auf steigende Preise, mit denen die aktuellen Preise abgesichert werden sollen. Allein dieser Run treibt die Realpreise in die Höhe.
Derweil versucht der Irak, eine Überfüllung seiner Öllager abzuwenden, indem er vorübergehend Heizöl auf dem Landweg nach Syrien transportiert und von dort exportiert. Diese Lösung ist jedoch teuer, ineffizient und nur kurzfristig tragfähig. Das Land ist besonders hart von den eingeschränkten Exportmöglichkeiten durch die Straße von Hormus betroffen. Seine Produktion wurde bereits drastisch reduziert. Langfristig reicht der Transport per TKW (Tankkraftwagen) nicht aus, um das Problem zu lösen.
Für das Regime in Teheran könnte sich die Lage indes kaum besser entwickeln, wenn man konzediert, dass das Befinden des eigenen Volks nicht von Interesse ist. Die Mullahs erkennen, dass es im Kampf gegen ihre Feinde keiner Atombombe bedarf. Die Störung in der Meerenge vor der Haustür reicht vollkommen aus, um sie wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Den Anrainern böte sich längerfristig zwar die Möglichkeit, die Energieexporte durch den Bau von Pipelines über das Rote Meer in die Welt zu verschiffen. Aber dort sorgen bereits die mit Teheran verbündeten Huthi-Milizen für ähnliche Zustände wie in der Meerenge von Hormus.
Vor diesem Hintergrund sind die Mitte der Woche erscheinenden Berichte über die Entwicklung der Ölvorräte in den USA kaum der Erwähnung wert, obwohl sie aus Verbrauchersicht positiv ausgefallen sind. American Petroleum Institute (API) und US-Energieministerium (DOE) nennen als Veränderung der Hauptprodukte gegenüber der Vorwoche Gesamtaufbauten von 6,1 Mio. Barrel und 2,8 Mio. Barrel.
Die Raffinerieauslastung ist leicht auf 92 Prozent gefallen. Eine Börsenreaktion blieb aus.
Die gab es aber heute Morgen als Reaktion auf die Trump-Rede mit satten Pluswerten von acht Prozent bei den Notierungen für Rohöl Brent und zwölf Prozent bei den Notierungen für Gasöl. Hier sei erneut darauf hingewiesen, das nicht Rohöl, sondern Gasöl das Vorprodukt für Heizöl und Diesel ist. Zwar wird es aus Rohöl hergestellt. Die Preisfestsetzung erfolgt aber im eigenständigen Börsenhandel. Er richtet sich durchaus am Rohöl aus, hat aber eine weitere wesentliche Komponente in der globalen Raffinerie- und Produktverfügbarkeit. Wenn es hier zu Störungen durch Wetter- oder Kriegsereignisse kommt, entkoppeln sich die Preise bisweilen drastisch. Gleiches gilt für die Benzinpreise.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 106,94 Dollar
und das Barrel Brent zu 108,46 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.495,00 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8668 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1529 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen wieder, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Im Vergleich zu den Börsenvorgaben fällt der Anstieg mit drei Prozent moderat aus. Eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung liegt deshalb nahe. Die Dämpfung ist nicht zuletzt der eingebrochenen Nachfrage zu verdanken. Der Handel ist bereit, auf Marge zu verzichten, um überhaupt Beschäftigung zu haben. Das ist ein Indiz für die korrekte Funktion des heimischen Markts. In den kaufrelevanten Zeitbereichen liegen durchgängig Aufwärtstrends vor, die sich sobald nicht bändigen lassen. Deshalb lädt jeder Rücksetzer zu Spontankäufen ein.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist wieder am Boden. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt weiterhin der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 02. April 2026
