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Wie funktioniert eine Ölheizung? Einfach erklärt

Techniker arbeitet an einer Ölheizung im Heizungskeller

Rund 4,1 Millionen Ölheizungen laufen aktuell in deutschen Haushalten. Trotzdem wissen die wenigsten Eigentümer genau, was im Heizraum eigentlich passiert. Wer das Prinzip versteht, trifft bessere Entscheidungen bei Wartung, Modernisierung und Brennstoffkauf.

Das Grundprinzip: So läuft der Kreislauf

Eine Ölheizung arbeitet nach einem einfachen Prinzip: Heizöl verbrennt im Kessel und gibt dabei Wärme ab. Diese Wärme überträgt sich auf Wasser, das durch ein Rohrsystem im ganzen Haus zirkuliert. An den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung gibt dieses Wasser seine Wärme an die Raumluft ab, kühlt dabei ab und fließt zurück zum Kessel. Dort beginnt der Kreislauf von vorn.

Den Unterschied zwischen verschiedenen Modellen macht nicht das Grundprinzip, sondern die Frage, wie viel Energie aus dem Heizöl tatsächlich genutzt wird. Genau daran haben sich Ölheizungen in den vergangenen Jahrzehnten stark weiterentwickelt.

Die Bauteile und ihre Aufgaben

Eine Ölheizung besteht aus mehreren Komponenten, die zusammenspielen:

Öltank: Hier lagert der Brennstoff. Der Tank befindet sich je nach Gebäude im Keller, in einem Außenbereich oder als Erdtank im Garten.

Ölleitung und Pumpe: Eine Pumpe transportiert das Heizöl vom Tank zum Brenner. Die Leitungen müssen dicht und regelmäßig auf Undichtigkeiten geprüft sein.

Brenner: Im Brenner wird das Öl zunächst vorgewärmt, dann über eine Einspritzdüse fein zerstäubt und in den Brennraum gesprüht. Dort entzünden Zündfunken das Gemisch. Moderne Modelle, sogenannte Blaubrenner, vergasen das Öl vor der Verbrennung vollständig. Das sorgt für eine besonders saubere, rußarme Verbrennung mit blauer Flamme.

Wärmetauscher: Die bei der Verbrennung entstehende Hitze überträgt der Wärmetauscher auf das Heizungswasser. Brennstoff und Heizwasser kommen dabei nicht in Berührung.

Umwälzpumpe: Sie verteilt das erwärmte Heizungswasser gleichmäßig durch das Rohrsystem im Haus. Hocheffizienzpumpen verbrauchen dabei deutlich weniger Strom als ältere Modelle.

Steuerung und Regelung: Die Heizungsregelung bestimmt, wann und wie stark der Brenner läuft. Witterungsgeführte Regler messen die Außentemperatur und passen die Vorlauftemperatur automatisch an.

Ausdehnungsgefäß: Heizungswasser dehnt sich beim Erwärmen aus. Das Ausdehnungsgefäß nimmt dieses Volumen auf und schützt das Rohrsystem vor zu hohem Druck.

Abgasleitung: Die Verbrennungsrückstände verlassen das System über eine Abgasleitung. Je nach Technik führt diese zum gemauerten Schornstein oder zu einem modernen Kunststoff- oder Edelstahlrohr.

Drei Technologien im Vergleich

Nicht jede Ölheizung ist gleich effizient. Man unterscheidet drei Generationen der Technik:

Konstanttemperaturkessel: Diese Modelle stammen aus den 1970er Jahren und gelten heute als veraltet. Der Kessel läuft dauerhaft bei Temperaturen zwischen 70 und 90 Grad Celsius, unabhängig davon, ob im Haus gerade Wärme gebraucht wird oder nicht. Zwischen 35 und 60 Prozent der erzeugten Wärme gehen dabei ungenutzt über den Schornstein verloren. Seit 2015 dürfen Konstantkessel in der EU nicht mehr produziert werden.

Niedertemperaturkessel: Ab den 1980er Jahren setzte sich diese effizientere Technik durch. Die Kesseltemperatur passt sich dem tatsächlichen Wärmebedarf an und bleibt möglichst niedrig. Gegenüber Konstantkesseln spart das bis zu 30 Prozent Primärenergie. Auch Niedertemperaturkessel gelten heute nicht mehr als Stand der Technik und werden nicht mehr neu verbaut.

Öl-Brennwertheizung: Sie ist heute der Standard und die einzige Technologie, die neu eingebaut wird. Der entscheidende Unterschied: Der Brennwertkessel nutzt nicht nur die direkte Verbrennungswärme, sondern gewinnt zusätzlich Wärme aus den Abgasen zurück. Wie das genau funktioniert, erklärt der nächste Abschnitt.

TechnologieWirkungsgradStatus
Konstantkessel60 bis 75 %Veraltet, nicht mehr erlaubt
Niedertemperaturkesselbis ca. 85 %Veraltet, nicht mehr neu verbaubar
Öl-Brennwertkesselbis ca. 104 %Aktueller Standard

Der Brennwerteffekt erklärt

Bei jeder Verbrennung entstehen neben Wärme und Kohlendioxid auch Wasserdampf. Ältere Heizungen leiteten diesen Wasserdampf einfach mit den Abgasen nach draußen, ohne seine Energie zu nutzen. Dort kondensiert er und gibt dabei Wärme an die Umgebung ab. Diese Wärme ist verloren.

Der Brennwertkessel macht genau das anders: Er kühlt die heißen Abgase gezielt ab, bevor sie das Gebäude verlassen. Dazu leitet er das kühle Rücklaufwasser aus den Heizkörpern durch einen zweiten Wärmetauscher, direkt im Abgasweg. Der Wasserdampf im Abgas kondensiert dabei, gibt seine Wärme ab und erwärmt damit das Heizungswasser vor. Der Brenner muss entsprechend weniger leisten.

Dieser Effekt funktioniert nur, wenn das Rücklaufwasser kühl genug ist. Die Taupunkttemperatur bei Heizöl liegt bei etwa 47 bis 49 Grad Celsius. Nur wenn das Rücklaufwasser kühler als dieser Wert zurückkommt, setzt die Kondensation ein. Fußbodenheizungen und moderne Flächenheizkörper sind dafür besonders gut geeignet, weil sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten.

Das entstehende Kondensat ist leicht sauer. Bei schwefelarmem Heizöl fällt es in so geringen Mengen an, dass es über das Abwassernetz entsorgt werden darf. Brennwertkessel verfügen dafür über eine eingebaute Neutralisationseinheit.

Warmwasser aus der Ölheizung

Die meisten Ölheizungen übernehmen auch die Warmwasserbereitung. Dazu gibt es zwei Wege: Entweder erhitzt die Heizung das Trinkwasser indirekt über einen separaten Warmwasserspeicher, oder ein integrierter Wärmetauscher im Kessel gibt die Wärme direkt weiter.

Wer Zapfstellen weit entfernt vom Heizraum hat, sollte die Länge der Warmwasserleitungen im Blick behalten. Lange ungedämmte Leitungen kühlen das Wasser auf dem Weg ab und kosten unnötig Energie. In solchen Fällen kann ein dezentraler Durchlauferhitzer die bessere Lösung sein.

Im Sommer, wenn keine Raumheizung nötig ist, läuft der Brenner ausschließlich für die Warmwasserbereitung. Wer die Ölheizung mit einer Solarthermieanlage kombiniert, kann diesen Betrieb in den Sommermonaten vollständig auf die Solaranlage verlagern und die Ölheizung abschalten.

Der Öltank: Lagerung und Varianten

Ohne Tank läuft keine Ölheizung. Die Wahl des richtigen Tanks hängt von den räumlichen Gegebenheiten und dem jährlichen Verbrauch ab.

Kellertanks bestehen heute größtenteils aus Kunststoff und lassen sich als Batterietank aus mehreren Einzelbehältern zusammenschalten. Ältere Stahltanks im Keller sollten regelmäßig auf Korrosion geprüft und bei Bedarf durch moderne Kunststoffmodelle ersetzt werden.

Wer keinen Heizraum hat oder diesen anderweitig nutzen möchte, kann auf einen Erdtank ausweichen. Dieser wird im Garten eingegraben und nimmt im Haus keinen Platz weg. Für hochwassergefährdete Gebiete gibt es Spezialtanks, die auch bei Überschwemmung lagestabil und dicht bleiben.

Was bedeutet das für den Alltag?

Die Funktionsweise einer Ölheizung ist technisch überschaubar. Der Kessel, der Brenner und die Pumpen arbeiten weitgehend selbstständig und melden sich erst, wenn etwas nicht stimmt. Wer jedoch ein paar Grundlagen kennt, erkennt Auffälligkeiten früher und kann besser einschätzen, wann eine Wartung oder Modernisierung sinnvoll ist.

Steigt der Heizölverbrauch spürbar an, ist die Anlage hörbar lauter als gewohnt oder schaltet der Brenner häufiger ein und aus als üblich, sind das Zeichen, dass die Anlage nicht mehr optimal arbeitet. Ein jährlicher Wartungstermin hält die Heizung in Form, verlängert ihre Lebensdauer und sichert einen effizienten Betrieb.

Wer noch einen alten Konstantkessel oder Niedertemperaturkessel betreibt, verschenkt jeden Winter einen erheblichen Teil seines Heizöls. Der Wechsel auf eine moderne Öl-Brennwertheizung amortisiert sich durch die Einsparungen beim Brennstoff in vielen Fällen innerhalb weniger Jahre.