Der Ölmarkt atmet auf – der Heizölmarkt nur bedingt
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Während sich die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA zäh gestalten, normalisiert sich der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus offenbar zügiger als gedacht. Das positive Signal für die globale Versorgungslage hält die Ölpreise auf dem zuletzt erreichten niedrigeren Niveau. Brent-Rohöl eröffnet heute bei 73 Dollar je Barrel.
Hunderte Öltanker hatten sich mit der Blockade der Straße von Hormus seit Anfang März im Persischen Golf gestaut. Den ölproduzierenden Anrainerstaaten gingen die Lagerkapazitäten aus, alternative Exportmöglichkeiten konnten den Ausfall der wichtigen Handelsroute nicht ausgleichen, die Ölproduktion musste heruntergefahren werden. Mit dem Abbau des Tankerstaus sind nun immer mehr Ölexporte auf dem Weg an ihre Zielorte.
Besonders im Irak, der seine Produktion in der Krise massiv drosseln musste, zeichnet sich laut Trackingdaten eine Trendwende ab. Die Tanker, die durch die Blockade aufgehalten worden waren, haben die Meerenge inzwischen passiert und sind unterwegs nach Asien, Europa und in die USA. Am Exportterminal in Basrah sollen im Juni zudem rund 6 Millionen Barrel Rohöl neu verladen worden sein. Ein weiterer Tanker wartet derzeit auf seine Ladung. Auch wenn die irakischen Ölausfuhren noch deutlich unter ihrem Vorkrisenniveau liegen, läuft die Erholung schneller als zuletzt erwartet.
Am Markt wächst deshalb der Optimismus. Analysten blicken bereits weiter nach vorn und gehen für 2027 wieder von einen Überangebot am Ölmarkt aus. Goldman Sachs rechnet mit einem möglichen Angebotsüberschuss von knapp 2 Millionen Barrel pro Tag.
Auch wenn die Entspannung bei den Ölexporten die geopolitischen Risiken überlagern, bleibt eine diplomatische Annäherung zwischen Teheran und Washington Voraussetzung für einen nachhaltigen Abwärtsdruck bei den Ölpreisen. Die aktuellen Verhandlungen in Doha gehen nicht direkt, sondern über Vermittler weiter. Die 60-tägige Frist für eine Einigung, während der die Öffnung der Meerenge „garantiert“ ist, läuft. Doch bei den zentralen Themen – dem Atomprogramm, der dauerhaften Beendigung der Kämpfe im Libanon und Irans Plan, Transitgebühren für die Straße von Hormus zu erheben – scheint es keine Fortschritte zu geben.
Anders als die Rohölpreise sind die Preise für Gasöl und Produkte wie Diesel und Heizöl zuletzt gestiegen. Hier stützen Angebotsengpässe den Markt: In Russland sorgen Schäden an der Energieinfrastruktur für Einschränkungen bei der Kraftstoffversorgung und die Regierung plant ein Verbot von Dieselexporten. Gleichzeitig gibt es eine hohe saisonale Nachfrage nach Kühlung und Raffineriestreiks in Europa.
An der Ölbörse stehen die Rohölpreise zur Stunde weiter unter Druck, während Gasöl auf höherem Niveau bleibt. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 68,57 Dollar
. Brent kostet 71,98 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 939,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8779 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1388 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen wieder etwas an. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt am Morgen in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 113,45 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Im Binnenland macht sich der gestrige Preisanstieg bei Gasöl bemerkbar. Gasöl ist ein wichtiges Vorprodukt für Heizöl und verteuert sich derzeit auf dem internationalen Markt. Ursache ist eine Angebotsknappheit, die vor allem durch den Ausfall von Energieinfrastruktur in Russland aufgrund von Drohnenangriffen ausgelöst wird.
Damit wirkt sich die Preisentspannung, die wir bei Rohöl wegen höherer Exporte durch die Straße von Hormus sehen, hierzulande nur begrenzt aus.
Die Kaufbereitschaft der Heizölkunden steht auf der zweithöchsten Stufe. Gleichzeitig ist die Hoffnung auf günstige Kaufgelegenheiten zurückgegangen: In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen nur 69 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer kurzfristig Nachschub benötigt, ist mit einer Teilbestellung derzeit weiterhin auf der sicheren Seite.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 01. Juli 2026
