Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien treiben Ölpreise Richtung Jahreshoch. USA geben Heizölreserve frei
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Im Ölmarkt ist weit und breit keine Entspannung in Sicht. Die Rohölpreise bleiben jetzt schon seit über einem Monat über der 100-Dollar-Marke. Brent-Rohöl kostet am heutigen Morgen über 111 Dollar je Barrel und damit fast drei Dollar mehr als gestern Abend.
Die jemenitische Huthi-Miliz hat gestern erneut Ziele in Saudi-Arabien angegriffen. Eine Drohne traf das Ölfeld Shaybah von Saudi Aramco, das nahezu eine Million Barrel pro Tag fördern kann. Zwei Menschen kamen ums Leben. Beim Angriff auf den Flughafen von Dammam gab es einen Toten und acht Verletzte. Seit September greift die Miliz fast täglich an. Gleichzeitig rücken ihre Kämpfer in Richtung der Meerenge Bab el-Mandeb vor, das zweite Nadelöhr neben der Straße von Hormus.
Auch in der Straße von Hormus bleibt die Lage gefährlich. Die iranischen Revolutionsgarden melden Treffer auf mehrere Tanker. Mehrere Schiffe sollen auf Minen gelaufen sein. Dafür gibt es allerdings keine unabhängigen Bestätigungen.
Trotzdem scheint wieder mehr Rohöl aus der Region zu fließen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, dass die Exportmengen nahe dem Vorkriegsniveau liegen. Das gilt allerdings nur für Rohöl. Bei Diesel und Kerosin kommt der Nachschub aus dem Golf nicht in Fahrt.
Damit bleibt Diesel der wunde Punkt des globalen Ölmarktes. Zwar soll heute der erste Tanker mit 300.000 Barrel Diesel aus Russland in Richtung USA auslaufen. Aber die Mengen sind viel zu klein. Analysten halten Trumps „Diesel-Deal“ mit Moskau für wirkungslos. Nach Berechnungen von Kpler wären zusätzlich 400.000 Barrel pro Tag nötig, um die Preise spürbar zu drücken. Dazu wird es aber nicht kommen, denn noch immer ist nahezu die Hälfte der russischen Raffineriekapazität nach den ukrainischen Angriffen außer Betrieb oder ernsthaft beeinträchtigt.
Washington greift unterdessen zu Notmaßnahmen. Das Energieministerium gab bis zu 315.000 Barrel aus der Heizölreserve im Nordosten der USA frei. Dort heizt rund ein Drittel der Haushalte mit Öl. Experten erwarten davon jedoch keine Preiswirkung.
Der gestrige Wochenbericht zum US-Ölmarkt brachte ein gemischtes Bild. Die Rohöl- und Benzinbestände sanken deutlich. Bei Heizöl und Diesel gab es dagegen überraschend einen Aufbau. Ein Grund ist die schwächere Nachfrage, die wohl unter den hohen Preisen leidet.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,9 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -0,3 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten heute mit kräftigen Aufschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 111,62 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 99,57 US-Dollar je Barrel
. Gasoil wird zu 1.458,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8892 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1244 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 172,4 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist immerhin ein guter Euro weniger als gestern um diese Uhrzeit. Das Jahreshoch bleibt damit aber in Sichtweite.
Grund ist der Rückgang bei Gasoil, dem Vorprodukt von Diesel und Heizöl, am gestrigen Nachmittag. Der überraschende Anstieg der Diesel/Heizöl-Bestände in den USA sorgte für Gewinnmitnahmen an den Ölbörsen. Heute Morgen ziehen die Preise allerdings schon wieder an.
Die Zahl der Bestellungen bleibt wie in den letzten Wochen über dem Durchschnitt. Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt im oberen Mittelfeld. Die Stimmung hellt sich sogar etwas auf. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen jetzt 55 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen, mehr als gestern.
Fazit: Die Ölmärkte bleiben im Krisenmodus. Die Angriffe auf Saudi-Arabien und in der Straße von Hormus sorgen dafür, dass die Ölpreise nicht fallen. Auch beim Diesel und damit auch beim Heizöl ist keine Entspannung in Sicht. Wer vor einem fast leeren Tank steht, sollte daher nicht zu lange abwarten. Ein Preisrutsch ist nicht in Sicht.
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Heizölpreise-Chart vom 22. Oktober 2026
