Wankelmut erzeugt keinen Preistrend
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Während die Ölnotierungen in Europa in der vergangenen Woche nur geringe Preisanstiege in Kauf nehmen mussten, legten die Notierungen in den USA deutlich zu. Am härtesten traf es Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) mit einem Plus von über acht Prozent. Das üblicherweise teurer bewerte Rohöl der Sorte Brent kam mit einem Plus von gut zwei Prozent davon. Scheinbar moderater lief es bei den Mitteldestillaten, aus denen Heizöl und Diesel hergestellt werden. Das in den USA gehandelte Heating Oil legte um knapp zwei Prozent zu, während das europäische Gasöl nur ein Prozent teurer wurde. Diese Produkte haben allerdings schon lange ein sehr viel höheres Preisniveau als die Rohöle. Das stellt Wirtschaft und Verbraucher vor mehr oder weniger große Probleme. Ganz besonders trifft es kurz vor einer Zwischenwahl in den USA ihren Präsidenten, der sich gefallen lassen muss, als Verursacher der massiven Störung angesehen zu werden.
Der von ihm angezettelte Krieg am Persischen Golf hat dem Ölmarkt die größte Angebotsmenge der Geschichte entzogen. Sie ist nicht vollständig ausgefallen, aber langfristig infrage gestellt. Mit Hilfe großer Ausgleichsvolumina aus diversen Notreserven und waghalsiger Tankertransporte durch unter Feuer stehende Kriegsgebiete konnte man die Versorgung bisher erstaunlich gut aufrechterhalten. Das geschieht allerdings zu einem hohen Preis und es ist nicht beliebig lange fortsetzbar. Die Welt braucht dringend Frieden, um so zu funktionieren, wie es sich die meisten Menschen wünschen. Mit Blick auf den Ölmarkt muss der Frieden sowohl am Persischen Golf als auch in Osteuropa hergestellt werden, nicht in einer fernen Zukunft, sondern umgehend.
Absehbar ist das nicht. Im Gegenteil, die Attacken der Huthi auf die Meerenge Bab al-Mandab und auf Saudi-Arabien sowie seine Koalitionäre werden massiver, während die Tanker an der Straße von Hormus vermehrt vom Iran beschossen werden. In der letzten Woche kam es zu mindestens zehn kriegerischen Vorfällen auf die Schifffahrt bei Hormus. Die Frachten sind auf rund 9 Mio. Barrel pro Tag eingebrochen. In den Wochen zuvor lagen sie im Schnitt bei 20 Mio. Barrel pro Tag.
Die Lage treibt den unberechenbaren Präsidenten der USA in den Wankelmut. Gerade hatte er weitreichende Sanktionen gegen Russland und seine Ölabnehmer geplant. Vorgesehen waren Strafzölle von 100 Prozent auf Waren aus den fünf größten Abnehmerländern russischen Rohöls, Zölle von 500 Prozent auf russische Energieimporte sowie Sanktionen gegen zahlreiche russische Unternehmen. Nun hat Trump die Umsetzung dieser Maßnahmen vorerst ausgesetzt, offenbar um einen weiteren Anstieg der Energiepreise zu vermeiden und die hohen Dieselpreise in den USA vor den Zwischenwahlen zu senken. Die geplanten Sanktionen sollen indes frühestens in 60 Tagen greifen.
Die Entscheidung stößt in der Ukraine auf scharfe Kritik. Die Spannungen zwischen beiden Ländern nahmen bereits in der letzten Woche zu, nachdem Kiew seine Drohnenangriffe auf russische Raffinerien wieder aufgenommen hat. Präsident Trump kritisierte insbesondere den Angriff auf die Rosneft-Raffinerie in Ryasan, da solche Attacken die weltweiten Ölpreise weiter antrieben. Aktuell wünscht er wieder die Absetzung des ukrainischen Präsidenten und Neuwahlen. Zudem drohte er damit, jegliche Informationsnetze für die Ukraine zu schließen, wenn diese ihre Angriffe auf Russland nicht umgehend beenden würden.
Der Benefit, den Donald Trump für seine Wendung erwartet, besteht aus russischen Diesellieferungen in die USA und in Drittländer im Umfang von rund 2,3 Mio. Barrel in diesem Monat. Das Volumen soll danach auf etwa 7,6 Mio. Barrel steigen. Zum Vergleich, allein die USA verbrauchen im Monat knapp 120 Mio. Barrel Diesel und Heizöl. Gemessen am US-Verbrauch sind die angekündigten Mengen also sehr überschaubar. Sie dürften allein kaum ausreichen, um die Dieselpreise in den USA nachhaltig zu senken. Eine gewisse Entspannung am Weltmarkt ist dennoch möglich, insbesondere wenn die zusätzlichen Lieferungen tatsächlich verfügbar werden und andere Angebotsausfälle ausgleichen.
An den Börsen findet der Deal heute Morgen eine überschaubare Würdigung. Die Notierungen geben nach. Das betrifft Gasöl stärker als Rohöl. Zum Unterschreiten der Tagestiefs von Freitag reicht es aber in keinem Fall aus.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 99,47 Dollar
und das Barrel Brent zu 106,99 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.410,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8915 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1214 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise schwingen seit einigen Tagen ohne nennenswerten Effekt auf und ab, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Die Bewegung führt sie wieder einmal an die untere Begrenzungslinie des kurzfristigen Aufwärtstrends heran. Von dieser Linie sind sie in der vorletzten Woche schon einmal abgeprallt. Es gibt wenig Anlass, von der nächsten Begegnung ein anderes Ergebnis zu erwarten. Deshalb sollten Heizölkunden vorerst mit den kleinen Verbesserungen zufrieden sein. Hinsichtlich der Frachtkosten auf dem Rhein gibt es leider auch keine Fortschritte. Die Pegel der Wasserstraße kommen einfach nicht hoch. Die Aufschläge für die meisten Zielhäfen liegen weiterhin jenseits von 200 Prozent.
Im Binnenmarkt ist die Nachfrage angezogen, ohne Anspannung zu erzeugen. Die Hoffnung auf fallende Preise existiert, ohne einen Anschein von Euphorie zu erwecken. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem respektablen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 19. Oktober 2026
