Iran stellt neue Bedingungen für die Hormus-Passage. Öl wird teurer
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Hoffnung auf eine rasche Öffnung der Straße von Hormus hat sich innerhalb weniger Stunden wieder zerschlagen. Noch am Mittwoch schien eine Einigung zwischen Iran und Oman über eine sichere Route greifbar.
Doch nun wurden die Bedingungen bekannt, die Teheran daran knüpft: Schiffe aus den USA und Israel sollen die Meerenge überhaupt nicht mehr passieren dürfen. Von Staaten, die der Iran als „feindlich» einstuft, will Teheran Transitgebühren von fünf bis sieben Prozent des Frachtwerts verlangen.
Washington lehnt jede Form von Abgaben ab und besteht auf freier Durchfahrt. Die Positionen liegen also weit auseinander. Vor den Zwischenwahlen in den USA im November wäre ein Entgegenkommen gegenüber Teheran innenpolitisch nur schwer zu vermitteln. Ein Kompromiss ist wieder in weiter Ferne.
Gerade einmal sechs Rohöltanker haben die Meerenge in dieser Woche verlassen, trotz der hohen Profitmargen. Irakische Ölexporteure bieten offenbar Rabatte von fast 30 Dollar je Barrel an. Doch bisher fand sich kein Reeder, der das Risiko eingehen wollte, in den Persischen Golf zurückzukehren.
In der Nacht zum Freitag griff der Iran nach eigenen Angaben erneut Ziele in der Meerenge an, nachdem es zuvor anscheinend Explosionen nahe der Insel Qeschm gegeben hatte. Auch die Huthi-Miliz meldete einen Angriff auf saudisch unterstützte Truppen im Jemen. Von Deeskalation kann also im Moment keine Rede sein.
Zusätzliche Probleme kommen aus Fernost. Chinas Rohölimporte stiegen im Juli um 22 Prozent auf 8,45 Mio. Barrel pro Tag, nachdem sie in den Monaten davor den globalen Ölmarkt entlastet hatten.
Vor der omanischen Küste droht unterdessen eine Umweltkatastrophe. Aus dem havarierten Tanker „Caroline Bezengi», der Russlands Schattenflotte zugerechnet wird, tritt immer mehr Öl aus. Der Ölteppich ist laut Greenpeace inzwischen rund 600 Quadratkilometer groß und bedroht Flora und Fauna in einem Schutzgebiet. Der Flaggenstatus des Schiffes ist ungeklärt, ein verantwortlicher Eigner nicht greifbar. Oman könnte am Ende auf den ökologischen und finanziellen Folgen sitzen bleiben.
Die Ölbörsen reagieren auf die neuen Unsicherheiten mit deutlichen Aufschlägen. Brent-Rohöl kostet aktuell 83,36 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 77,84 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1198,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8675 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1523 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Der Preisanstieg an den Ölbörsen kommt auch im deutschen Heizölmarkt an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 127 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Zusätzlich zur Hormus-Krise kämpft der westeuropäische Ölmarkt mit der schwierigen Lage der Rheinschifffahrt. Die Frachtraten haben sich vor dem Wochenende zwar nicht weiter verändert, aber das Rekord-Niedrigwasser besteht fort.
Gestern gab es dazu ein Krisentreffen. Das Mittelrheinprojekt, also die Vertiefung der Fahrrinne in einem besonders kritischen Abschnitt, soll nun Vorrang bekommen. Bis zur Umsetzung werden allerdings noch Jahre vergehen. Kurzfristig sieht es eher schlechter aus: Ab dem Wochenende steht die nächste Hitzewelle an, noch höhere Frachtraten sind durchaus möglich. Entlang der Rheinschiene wird die Versorgungslage damit immer komplizierter. Einige Regionen sind überversorgt, andere sind unterversorgt.
Damit ist die kurze Entspannungsphase bei den Heizölpreisen schon wieder beendet. Die Kaufbereitschaft ist wieder gesunken. Die Lesereinschätzung zeigt trotzdem einen ausgeprägten Optimismus: Drei von vier Stimmen rechnen mit demnächst wieder fallenden Preisen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die den Preisrückgang der letzten Tage verpasst haben, warten nun auf die nächste Gelegenheit.
Fazit: Die Ölmärkte haben in dieser Woche eine Achterbahnfahrt hinter sich. Wer auf eine schnelle Lösung im Hormus-Streit gesetzt hat, wurde enttäuscht. Die Preisrisiken bleiben hoch.
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Heizölpreise-Chart vom 07. August 2026
