Mehr Tanker durch Hormus: Ölpreise geben zum Monatsende deutlich nach
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Ölpreise geben zum Ende einer volatilen Handelswoche nach. Dennoch steuert der Juli auf den stärksten Preisanstieg seit März zu.
Brent-Rohöl kostet am Morgen 88 Dollar je Barrel. Das sind fünf Dollar weniger als gestern. Dafür gibt es zwei Auslöser: Trotz der militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran können offenbar wieder mehr Tanker die strategisch wichtigen Meerengen der Region passieren. Auch blieb es in der Krisenregion in den letzten Stunden vergleichsweise ruhig.
Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Mittwoch 14 Tanker die Straße von Hormus in beide Richtungen, deutlich mehr als in der Vorwoche. Auch im Roten Meer scheint der Tankertransit nicht vollständig zum Erliegen gekommen zu sein. Mehrere Schiffe liefen zuletzt in den Golf von Aden ein, vermutlich mit Ziel Yanbu, obwohl die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz erst vergangene Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt hatte.
Saudi-Arabien beriet am Donnerstag mit Vertretern aus 43 Staaten über eine internationale Koalition zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer, in der Bab-al-Mandab-Straße und im Golf von Aden. Huthi-Chef Abdulmalik al-Houthi drohte in einer TV-Ansprache jedoch mit einer weitreichenden Eskalation und mehr militärischen Attacken. Die Miliz reklamiert zudem jüngste Angriffe auf saudische Ölanlagen für sich.
Auch wenn Tanker weiterhin durch beide Meerengen fahren, bleiben Fracht- und Versicherungskosten aufgrund der Sicherheitsrisiken auf einem hohen Niveau. Damit bleibt ein geopolitischer Risikoaufschlag in den Ölpreisen. Die politische Bilanz dieses Monats fällt in der Tat nicht gut aus: Die ohnehin fragile Feuerpause zwischen den USA und dem Iran zerbrach endgültig, die jemenitischen Huthi-Milizen griffen aktiv in den Konflikt ein und saudische Streitkräfte beteiligten sich erstmals gemeinsam mit den USA an Angriffen auf iranisch unterstützte Gruppen im Irak.
Zusätzliche Unsicherheit kommt vom Schwarzen Meer: Das russische Exportterminal, das einen großen Teil der Ölexporte aus Kasachstan abwickelt, musste gestern bereits zum dritten Mal in diesem Monat schließen, nachdem ukrainische Drohnen zwei Tanker nahe des russischen Hafens Noworossijsk getroffen hatten.
Nutznießer der Konflikte und Versorgungsprobleme sind wie üblich die Ölkonzerne. Die aktuellen Quartalszahlen von Shell weisen den zweithöchsten Quartalsgewinn der Firmengeschichte aus. Heute legen die amerikanischen Vertreter von „Big Oil“ Quartalszahlen vor.
An den Terminbörsen setzt sich am Morgen die Abwärtsbewegung fort. Brent-Rohöl kostet aktuell 87,88 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 82,26 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1283,50 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8682 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1515 Dollar
.
Nationaler Markt
Auch im deutschen Heizölmarkt geben die Preise zum Monatsende nach. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 133,00 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist immerhin ein Euro weniger als gestern. Trotzdem fällt die Monatsbilanz mit einem Preisanstieg von 20 Euro stark negativ aus.
Die Kaufbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt wohl auch aus diesem Grund gering. Die Zahl der Bestellungen ist nach wie vor niedrig. In der täglichen Lesereinschätzung überwiegt im Moment der Pessimismus: 52 Prozent der Stimmen rechnen mit weiter anziehenden Notierungen, 48 Prozent mit fallenden Preisen.
Die Entspannung an den Ölbörsen bringt heute zwar eine kurze Verschnaufpause, an den Preisrisiken hat sich jedoch wenig verändert. Solange der Irankonflikt andauert, die kasachischen Exporte über das Schwarze Meer immer wieder ausfallen und die Spannungen im Dieselmarkt andauern, können die Heizölpreise jederzeit wieder nach oben drehen.
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Heizölpreise-Chart vom 31. Juli 2026
