Drohung trifft auf Strategie
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und Iran legte die Ölpreise seit Eröffnung der Börse am Montag um 0:00 Uhr tiefer. Mit aufkommenden Zweifeln an der Verhandlungsgeschichte verschwand der Druck auf die Preise wieder. Das macht sich bei den Rohölkontrakten stärker bemerkbar als bei den Gasölkontrakten. Während Rohöl zur Stunde nur noch ein Minus von rund vier Prozent aufweist, steht Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, mit gut zehn Prozent im Minus. Die einzig naheliegende Begründung für eine derartige Diskrepanz ist die der spekulativen Übertreibung. Wahrscheinlich werden die Gasölpreise in Kürze wieder steigen.
Für diese Annahme gibt es einige Gründe. Die stichhaltigste lautet wie folgt: Die ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur, insbesondere auf Raffinerien, wurden deutlich intensiviert und zeigen spürbare Wirkung. Im Juli sank die Rohölverarbeitung in Russland auf rund 3,6 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der niedrigste Stand seit über 20 Jahren. Er liegt rund ein Drittel unter dem Niveau der Jahre 2020 bis 2025, als im gleichen Zeitraum üblicherweise 5,3 bis 5,6 Millionen Barrel pro Tag verarbeitet wurden. Gleichzeitig erreichten die Angriffe auf Raffinerien, Öltanker, Pipelines und Hafenanlagen ein Rekordniveau. Die daraus resultierenden Versorgungsprobleme zwingen Russland dazu, die Exportverbote für Benzin und Diesel zu verlängern. Die Regierung räumt inzwischen selbst Schwierigkeiten bei der Inlandsversorgung ein.
Größere Beachtung als die russischen Probleme findet derzeit nur die Lage am Persischen Golf. Dabei geht es mehr um die qualitative Frage nach Krieg oder Frieden als um die quantitative Frage nach der Menge von Öl, das durch die Straße von Hormus verschifft werden kann. So bezeichnet US-Präsident Trump sein jüngstes Gesprächsangebot an den Iran als dessen letzte Chance und droht unverhohlen mit weiteren Martialitäten wie diesen: Sollte Teheran nicht einlenken, wird der Iran enthauptet. Man plane dafür den größten Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig zeigt Trump sich überzeugt, dass die Straße von Hormus kurzfristig wieder vollständig geöffnet werde. Der Iran wies laufende Gespräche mit den USA zurück und erklärte, derzeit lediglich mit Oman über die Schifffahrt in der Meerenge zu verhandeln. Zudem forderte Teheran, Washington müsse zunächst sein Verhalten ändern.
Die Kontrahenten setzen auf eine kontrollierte Eskalation zur Durchsetzung ihrer Ziele. Eine Verhandlungslösung ist nicht in Sicht. Am Ölmarkt kann man daher keine echte Entspannung, sondern allenfalls gute Hoffnung handeln. Das führt in erster Linie zur Erhöhung der Preisvolatilität.
An den Börsen wird die gegenläufige Bewegung der Rohöl- und Gasölnotierungen heute Morgen fortgesetzt. Diesmal setzen die Bullen auf Rohöl und die Bären auf Gasöl. Es ist gut möglich, das das relativ teure Gasöl wieder näher an die Rohölpreise heranrückt- in anderen Worten, dass die extrem hohen Raffineriemargen etwas nachgeben.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 80,77 Dollar
und das Barrel Brent zu 84,95 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.154,25 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8686 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1510 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben weiter nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Angesichts der geopolitischen Umstände sollte die Angelegenheit im Rahmen der gültigen Trends und nicht als beginnender Trendwechsel verstanden werden. Unter den Trends für die verschiedenen Zeitbereiche dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Zeitansichten.
Ein weiterer Grund für die hohen Heizölpreise ist die Lage auf den deutschen Wasserstraßen. Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein treibt die Frachtraten für Binnenschiffe auf Rekordniveau. Innerhalb eines Monats sind sie zwischen 142 und 192 Prozent für Passagen zu den Niederrheinhäfen und über 300 Prozent für Passagen zu den Oberrheinhäfen gestiegen. Gestern lagen die Anstiegswerte noch zwischen 117 und 121 Prozent für Passagen in westdeutsche Häfen und zwischen 240 und 250 Prozent für Passagen in südwestdeutsche Häfen. Am Oberrhein wird die Versorgung der Industrie zunehmend schwieriger. Ausweichmöglichkeiten über Bahn oder Lkw sind aufgrund begrenzter Kapazitäten und hoher Kosten nur eingeschränkt vorhanden.
Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise wirkt indes übertrieben. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 04. August 2026
