Kaum hat der Beschuss im Nahen Osten ein Ende, fallen die Ölpreise.
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Ölmärkte senden derzeit widersprüchliche Signale. Während der Krieg im Nahen Osten die Preise für Rohöl Brent in der letzten Woche wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel und für Gasöl nahe 1.300 Dollar pro Tonne getrieben hat, erwarten viele Analysten bereits in den kommenden Monaten einen deutlichen Preisrückgang. Für Verbraucher stellt sich deshalb die Frage, ob sich das Warten auf günstigere Heizölpreise lohnt oder ob die hohen Preise noch länger anhalten werden.
Der aktuelle Preisanstieg ist von multiplen Kriegsereignissen geprägt. Die Sorge vor Lieferausfällen aus der Region am Persischen Golf treibt die Ölpreise aufwärts. Gleichzeitig verschärfen Angriffe auf russische Raffinerien die Lage bei Heizöl, Diesel und Benzin. Denn selbst wenn ausreichend Rohöl verfügbar ist, können beschädigte Raffinerien weniger Brenn- und Kraftstoffe produzieren. Deshalb steigen die Preise für Ölprodukte oft stärker als der Rohölpreis selbst. Die größte Preisrelevanz unter allen Einflüssen wird in diesen Tagen der Sicherheit des Transports durch die Straße von Hormus und die Meerenge von Bab el-Mandeb zugeschrieben, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird. Schon die Möglichkeit einer Unterbrechung reicht aus, um die Märkte nervös werden zu lassen.
Umso überraschender wirken kursierende Prognosen über eine bevorstehende Entspannung am Ölmarkt. So hat J.P. Morgan seine Erwartungen zuletzt deutlich gesenkt und rechnet für Rohöl Brent bis September mit einem Durchschnittspreis von rund 86 Dollar pro Barrel. Im vierten Quartal könnte der Preis nach Einschätzung der Analysten sogar auf etwa 56 Dollar fallen. Auch andere Marktbeobachter gehen davon aus, dass die derzeit hohen Preise nur vorübergehend sind.
Diese Einschätzung beruht vor allem auf den Fundamentaldaten des Ölmarktes. Die OPEC-Plus nimmt ihre bisherigen Förderkürzungen vollständig zurück, während Länder außerhalb des Kartells ihre Produktion weiter ausbauen. Vor allem die USA, Guyana und Brasilien steigern ihre Fördermengen erheblich. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Exporte ausweiten. Auf der Nachfrageseite zeigt sich darüber hinaus eine gegenläufige Entwicklung. Die US-Energiebehörde EIA erwartet nur noch ein schwaches Wachstum oder sogar einen leichten Rückgang des weltweiten Ölverbrauchs. Ursachen dafür sind unter anderem eine schwächere Weltkonjunktur, effizientere Motoren sowie der zunehmende Einsatz alternativer Antriebe.
Sollten diese Erwartungen eintreffen und sich die militärische Lage im Nahen Osten entspannen, könnte bereits in den kommenden Monaten wieder mehr Rohöl auf dem Weltmarkt verfügbar sein, als tatsächlich benötigt wird. Ein solches Überangebot würde den Rohölpreis deutlich unter Druck setzen und ihn langfristig unter 60 Dollar pro Barrel drücken.
Verbrauchern bringt das allerdings nicht automatisch deutlich günstigere Preise für Heizöl oder an der Tankstelle. Die Kriegsschäden an Raffinerien im Nahen Osten und in Russland dürften die Versorgung mit Brenn- und Kraftstoffen noch längere Zeit einschränken. Selbst wenn Rohöl billiger wird, könnten Ölprodukte deshalb vergleichsweise teuer bleiben. Hinzu kommt, dass die Erwartungen eines künftigen Überangebots auf unsicheren Annahmen beruhen, kein längerer Krieg, keine neue Sanktionen und keine Blockaden wichtiger Schifffahrtsrouten. Jede unerfüllte Bedingung kann die Versorgungslage erneut verschärfen. Zudem bremst die Erwartung sinkender Preise notwendige Investitionen in neue Förderkapazitäten. Dadurch würde die Auskömmlichkeit des zukünftigen Angebots ebenfalls infrage gestellt.
Die wahrscheinlichste Entwicklung aus heutiger Sicht ist daher eine allmähliche Entspannung beim Rohölpreis, sofern sich die geopolitische Lage nicht weiter verschärft. Für Heizöl, Diesel und Benzin dürfte der Preisrückgang indes langsamer verlaufen. Der gesamte Ölkomplex wird einen deutlich volatilen Verlauf zeitigen.
Nachdem sich die USA und der Iran seit ein paar Tagen mit Beschuss und Bombardement zurückhalten, reagieren die Ölbörsen tatsächlich mit sinkenden Preisen. Der Abgang begann letzten Freitag und setzt sich heute Morgen fort. Rohöl- und Gasölnotierungen verlieren gleichermaßen an Wert.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 84,41 Dollar
und das Barrel Brent zu 91,09 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.207,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8769 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1401 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise drehen abwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Angesichts der geopolitischen Umstände sollte die Bewegung als Tagesgeschehen und nicht als Trendwechsel verstanden werden. Beim Trend dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Zeitbereiche.
Ein weiterer Grund für die hohen Heizölpreise ist die Lage auf den deutschen Wasserstraßen. Viele von ihnen leiden an Niedrigwasser. Das führt zu hohen Frachtkosten. Auf dem Rhein sind sie seit Monatsbeginn zwischen 80 und 100 Prozent für Passagen in westdeutsche Häfen und zwischen 155 und 180 Prozent für Passagen in südwestdeutsche Häfen gestiegen.
Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise ist auch blass. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem minimalistischen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 27. Juli 2026
