Ölpreise steigen. Huthi drohen mit Seeblockade gegen saudische Ölexporte
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Rohölpreise sind wieder deutlich gestiegen. Brent-Rohöl eröffnet die Wochenmitte bei 95 Dollar je Barrel. Mehrere Angebotsrisiken treiben die Notierungen an den Ölbörsen nach oben. Mit Abstand der wichtigste Faktor bleibt die Eskalation im Nahen Osten. Hinzu kommen die Gefahr wetterbedingter Produktionsausfälle in den USA sowie ein möglicher längerer Exportstopp in Kasachstan.
Die gegenseitigen Angriffe am Persischen Golf zwischen den USA und dem Iran sind die 11. Nacht in Folge weitergegangen. Ein Vermittlungsvorschlag aus Pakistan und Katar konnte die Ölpreise gestern nur kurz beruhigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt stark eingeschränkt und das Risiko einer Blockade der wichtigen Alternativroute durch die Meerenge Bab el-Mandeb im Roten Meer steigt.
Die Huthi-Rebellen, die aus dem Jemen heraus agieren und an der Seite Irans stehen, richten ihre Drohungen vor allem gegen Saudi-Arabien, das die südliche Ausfahrt aus dem Roten Meer seit dem Iran-Krieg als Alternative für seine Ölexporte nutzt. Sollte es zu einer Blockade kommen, hätte das Auswirkungen auf die Versorgungslage und die Ölpreise. Tanker müssten auf die Ausfahrt durch den Suez-Kanal im Norden ausweichen. Das würde die Fahrzeiten nach Asien erheblich verlängern und den Export deutlich teurer machen. Analysten halten einen Ölpreis über 100 Dollar für wahrscheinlich, sollte der Zugang zum Roten Meer tatsächlich gesperrt werden.
Analysten der Investmentbank Goldman Sachs halten sogar einen Anstieg auf mehr als 120 Dollar je Barrel im vierten Quartal für möglich, wenn die Schifffahrt durch die Straße von Hormus länger eingeschränkt bleibt.
Neben den Krisenherden im Nahen Osten richtet sich der Blick der Händler kurzfristig auch auf den Golf von Mexiko. Dort gefährdet Tropensturm Bertha die US-Ölförderung auf See sowie die Infrastruktur an der Küste. Heute Abend (Ortszeit) soll Bertha im Bundesstaat Louisiana auf Land treffen. Das Hurrikan Center stuft den Sturm zwar als vergleichsweise schwach und eher langsam ein. Doch gerade seine langsame Zuggeschwindigkeit macht ihn besonders gefährlich. Denn je länger der Tropensturm auf dem Gebiet verharrt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit für Schäden und damit längere Produktionsunterbrechungen.
Während in den USA wetterbedingte Ausfälle drohen, könnte auch aus Kasachstan weniger Öl auf den Markt gelangen. Nachdem es im Zuge des Ukraine-Kriegs zu wiederholten Angriffen auf russische Tanker nahe des CPC-Terminals im Schwarzmeerhafen von Noworossijsk kam, ist es Tankerunternehmen zu riskant geworden, ihre Schiffe dort beladen zu lassen. Kasachstan hat seine Ölexporte über den Hafen nach Insiderinformationen deshalb bereits vorübergehend ausgesetzt. Ein längerer Exportstopp scheint möglich. Betroffen sind rund 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag.
Unter dem Strich addieren sich damit gleich mehrere Angebotsrisiken. Entsprechend setzen die Ölpreise ihre Aufwärtsbewegung fort, nachdem sie gestern bereits neue Fünf-Wochen-Hochs erreicht hatten.
Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 88,16 Dollar
. Brent kostet 95,05 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1236,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8763 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1409 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise legen zu und folgen damit dem internationalen Markt. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt heute Morgen in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 132,10 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die Sorge um die weltweite Ölversorgung ist zurück – vor allem wegen der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten. Aber auch das Niedrigwasser auf den Wasserstraßen hierzulande trägt durch steigende Frachtkosten zu den höheren Heizölpreisen bei. Die Kaufbereitschaft der Heizölkunden ist entsprechend gering. Gleiches gilt für die Hoffnung auf günstige Kaufgelegenheiten: In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen nur 57 Prozent der Befragten mit sinkende Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Krise im Nahen Osten hält an. Damit schwindet die Aussicht auf bald sinkende Heizölpreise. Wer kurzfristig Nachschub benötigt, ist mit einer Teilbestellung derzeit weiterhin auf der sicheren Seite.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
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Heizölpreise-Chart vom 22. Juli 2026
