Ölpreise klettern weiter nach oben. Kriegsende ist nicht in Sicht
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Der Irankrieg ging am Samstag in seine dritte Woche. In den ersten Kriegstagen blieb der Ölmarkt noch relativ entspannt. Die Rohölpreise (Brent) kletterten von 70 auf knapp über 80 Dollar je Barrel. Heute vor einer Woche herrschte bereits Panik. Rohöl verteuerte sich schlagartig auf über 120 Dollar je Barrel, aber der Markt beruhigte sich wieder.
In den letzten Tagen hielt sich die Nervosität in Grenzen, aber die Preise kennen nur noch eine Richtung: nach oben. Brent-Rohöl kostet heute kurz vor Börsenstart 106 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Stand seit dem Sommer 2022, wenige Monate nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine.
Die Analyse des Ölmarkts ist im Moment relativ simpel: Solange die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, werden die Preise immer höher klettern. Weltweit schrumpfen die Lagerbestände Tag für Tag. Die einzigen Länder, die ihre Ölproduktion kurzfristig stark ausweiten könnten, sind von der Tankerblockade betroffen: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Auch die in der letzten Woche verkündete Freigabe der nationalen Ölreserven kann die Stimmung nicht herumreißen. Ganz im Gegenteil: Wenn jetzt auch noch die Notbestände dahinschmelzen, könnten die importabhängigen Staaten in Europa und Asien eines Tages völlig blank dastehen, so die Befürchtung pessimistischer Marktteilnehmer.
Der US-Präsident, der offenbar auf einen schnellen Sieg und einen Regimewechsel im Iran gesetzt hatte, wirkt ratlos. Jetzt sollen Kriegsschiffe aus aller Welt die US-Marine bei der Sicherung der Straße von Hormus unterstützen. Aber aus der internationalen Solidarität wird wohl nicht viel werden, nachdem die USA einen Verbündeten nach dem anderen vor den Kopf gestoßen haben. Das hatte selbst sein Amtsvorgänger George W. Bush nicht geschafft, als er die Irak-Invasion im Jahr 2003 mit fingierten Beweisen vom Zaun brach.
Inzwischen sind auch in den USA die Tankstellenpreise auf ein Mehrjahreshoch geklettert. Trump und die Republikanische Partei, die im Wahlkampf niedrige Energiepreise und ein Ende außenpolitischer Abenteuer garantiert hatten, kommen immer stärker unter Druck. Doch ein Ende des Konflikts ist noch nicht in Sicht: Auf der einen Seite ein jihadistisches Regime, das anscheinend noch immer fest im Sattel sitzt; auf der anderen Seite ein kurzsichtig agierender Narzisst, der über den größten Militärapparat des Planeten verfügt. Der Konflikt kann morgen enden oder sich noch lange hinziehen.
Auch an den Ölbörsen ist die Stimmung nicht heiter. Die Preise ziehen weiter an. Brent-Rohöl kostet im Moment 105,98 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 100,52 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1175,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8747 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1430 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum Handelsstart am Freitag.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise sind am frühen Morgen noch relativ stabil. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt im Moment einen landesweiten Durchschnittspreis von 134 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Der steile Anstieg der Preise für Rohöl und Gasoil wird also noch nicht voll weitergegeben.
Trotzdem ist das Kaufinteresse gering. Die Zahl der Bestellungen bleibt seit zwei Wochen auf einem extrem niedrigen Niveau. Die meisten Ölheizer können den Kauf einige Monate verschieben. Das ist im Tankstellenmarkt anders. Wegen der hohen Spritpreise tagt heute die Taskforce der Koalitionsfraktionen. Die Heizölpreise sind jedoch kein Thema.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher blicken weiterhin pessimistisch in die Zukunft. Jede zweite Stimme erwartet in der täglich erhobenen Lesereinschätzung weiter steigende Heizölpreise. Das ist ein ungewöhnlich hoher Anteil.
Kein Wunder, denn die Tankvorräte schwinden, während die Preise nicht nachgeben wollen. Jetzt nachbestellen oder warten? Die Kriegsdauer ist nicht vorhersehbar, da auf beiden Seiten irrationale Akteure am Ruder sind. Wer große Reserven hat, sollte jedoch abwarten. Alle anderen sollten nicht bis zum letzten Tropfen abwarten und eventuell nur eine Teilmenge ordern.
In diesen Wochen gilt mehr denn je: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 16. März 2026
