Zum Seiteninhalt

US-Regierung schwadroniert über Eingriff in den Börsenhandel mit Ölpapieren

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Vor einer Woche durfte man noch glauben, dass ein weiterer Waffengang im Iran vermieden werden könnte. Das änderte sich tags darauf. Die Ölpreise wurden seitdem gewaltig bewegt. Rohöl der Sorte Brent legte bis heute 17 Prozent zu. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, schoss um 44 Prozent in die Höhe. Vorgestern betrug das Plus der beiden Kontrakte sogar 18 und 51 Prozent. Zum Vergleich, die aktuellen Rohöl- und Gasölpreise liegen 36 und 31 Prozent unter den Preisspitzen am Beginn des Ukraine-Kriegs. Diese wurden im Juni 2022 erreicht, also rund vier Monate nach Kriegsbeginn. Heute darf man als Ölkonsument noch hoffen, dass der Iran-Krieg nicht so lange dauert oder wenigstens keine vier Monate von den USA und Israel geführt wird.

Die faktische Sperrung der Straße von Hormus veranlasst das staatliche Unternehmen Saudi Aramco dazu, seine Preisaufschläge gegenüber den regionalen, börsenberechneten Durchschnittspreisen für Lieferungen im April deutlich anzuheben. Vor zwei Wochen hatte das Unternehmen die Preisaufschläge noch auf den niedrigsten Stand seit Ende 2020 gesenkt. Die Maßnahme stellt sicher ein kleineres Problem dar.

Das größere Problem im Kontext des kaum passierbaren Seewegs ist das nicht abfließende Öl auf Seiten der Produzenten. Analysten gehen davon aus, dass mehrere Ölfelder im Nahen Osten ihre Produktion bald stoppen oder stark reduzieren müssen, weil die Lagerkapazitäten für Rohöl in einigen Ländern fast ausgeschöpft sind. Besonders betroffen sind Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Im Irak könnten die Tanks bereits innerhalb einer Woche voll sein, in Kuwait etwa in 18 Tagen und in den VAE in drei bis vier Wochen, wenn die Produktion unverändert bleibt. Deshalb werden dort bereits Kürzungen eingeleitet. Zusätzlich verschärft ein Stau von rund 300 Öltankern vor der Meerenge die Situation. Da die Schiffe derzeit weder laden noch exportieren können, fehlt dem Markt Transportkapazität. Wenn sich der Stau nicht bald auflöst, könnten die Förderländer gezwungen sein, die Ölproduktion komplett einzustellen.

Ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Maßnahmen. Die mit ungebändigtem Sanktionswillen gegen Russland auftretende EU plant laut Insidern, der Ukraine bei der Reparatur einer beschädigten Pumpstation der Druschba-Pipeline finanziell und möglicherweise technisch zu helfen. Die Anlage wurde Ende Januar beschädigt. Dadurch ist der Ölfluss von Russland nach Ungarn und in die Slowakei unterbrochen. Die Ukraine kann die Reparatur wegen des Kriegs nicht allein bewältigen. Wider aller vorherigen Ansagen ist die EU nun an einer schnellst möglichen Reparatur der Pipeline interessiert und zu direkter Unterstützung bereit. Die beiden Abnehmerländer sind derzeit die letzten EU-Länder, die weiterhin stark von russischem Öl abhängen. Nach offizieller Lesart der EU-Beschlüsse sollen die russischen Ölimporte bis spätestens 2027 vollständig beendet sein, was innerhalb der Gemeinschaft umstritten ist.

Gegen ihre ursprünglich harte Linie handeln auch die USA, indem sie Indien vorübergehend von Sanktionen beim Kauf russischen Öls befreien. Hintergrund ist der starke Rückgang von Ölimporten aus dem Nahen Osten aufgrund der Schifffahrtsprobleme. Er hat indische Raffinerien bereits zu Produktionsausfällen gezwungen. Eine zeitlich begrenzte Genehmigung des US-Finanzministeriums erlaubt Indien nun wieder, mehr russisches Öl zu kaufen, wenn dieses vor dem 5. März verladen wurde und bis zum 4. April eintreffen wird. Zudem müssen die Käufe von indischen Unternehmen erfolgen. Die US-Regierung betont, dass die Maßnahme nur kurzfristig währt und Russland finanziell kaum nutzt, da sie sich lediglich auf bereits verschiffte Ölladungen bezieht.

Donald Trump muss noch mehr tun, wenn er seine Wähler nicht vollends vergrätzen will. Seine Regierung erwägt wegen der hohen Ölpreise einen möglichen Eingriff in den Handel mit Öl-Futures an den Börsen. Details zu einer möglichen Maßnahme wurden bisher nicht genannt. Ein solcher Schritt wäre ungewöhnlich. Finanzminister Scott Bessent, ein früherer Hedgefonds-Manager, traut man ihn allerdings zu. Der Mann gilt als erfahren im Rohstoffhandel. Marktteilnehmer reagieren bisher vorsichtig und warten auf konkrete Pläne. Experten betonen zudem, dass Finanzmarktmaßnahmen den Ölpreis nur begrenzt beeinflussen können, weil dieser im Kern von Angebot und Nachfrage auf dem realen Ölmarkt bestimmt wird.

An den Börsen zappeln die Ölnotierungen derweil weiter auf hohem Niveau. Sie bewegen sich heute Morgen innerhalb der gestrigen Handelsspanne von rund fünf Dollar für das Barrel Rohöl und 92 Dollar für die Tonne Gasöl. Tendenziell geht es dabei aufwärts.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 82,30 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 85,95 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1107,00 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8625 Euro Preise steigen. Damit kostet der Euro 1,1588 Dollar Preise fallen. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen weiter, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Mit kleinen Abweichungen von den internationalen Vorgaben befassen sie sich nicht. Dazu ist die Lage zu brisant und zu schnelllebig. Die Preissteigerung gegenüber Freitag der Vorwoche beträgt derzeit rund 35 Prozent. Dass der Wert geringer ausfällt als beim Gasöl, liegt an festen staatlichen Abgabegrößen für Energie und CO2-Ausstoß, die im Preis enthalten sind. Für die in der öffentlichen Echokammer aufkeimende Diskussion über raffgierige Ölhändler gibt es bei näherer Untersuchung der Preisberechnung keine Hinweise.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist zusammengebrochen. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem soliden Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 06. März 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 06. März 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 06. März 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

Lesen Sie auch: