Größte Freigabe von Öl aus westlichen Lagerbeständen kann den Preis nicht bändigen
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Internationale Energieagentur (IEA) und ihre Mitgliedsstaaten haben gestern eine koordinierte Freigabe von insgesamt 400 Mio. Barrel Rohöl aus den strategischen Reserven beschlossen. Es handelt sich um die größte Maßnahme dieser Art in der Geschichte der Organisation. Damit sollen die durch den Konflikt im Nahen Osten und die Störungen wichtiger Transportwege entstandenen Angebotsrisiken abgefedert und der Ölpreis gesenkt werden. Ein erheblicher Teil der Freigabe wird aus den US-Reserven stammen, während weitere Beiträge von anderen IEA-Mitgliedern angekündigt wurden. Auch Deutschland hat signalisiert, Teile seiner nationalen Notfallreserven zur Stabilisierung der Versorgung bereitzustellen.
Viele Marktteilnehmer bezweifeln allerdings, dass die Rekordfreigabe die Angebotsausfälle nachhaltig kompensieren kann. Selbst große Freigabemengen könnten die aktuell erwartete Versorgungslücke nur für einen begrenzten Zeitraum überbrücken. Harte Kritiker halten die Maßnahme sogar für kontraproduktiv, da sie die mangelhafte Handlungsfähigkeit des Westens offenbare. Die Bedenken finden an den Ölbörsen Gehör. Die Preise knicken nicht ein. Anleger sind weiterhin auf mögliche Lieferausfälle und die Unsicherheit rund um wichtige Transportwege im Nahen Osten fokussiert.
Die westliche Öl-Bazooka kontert der Iran mit der Ankündigung eines lang angelegten globalen Wirtschaftsschocks. Teheran weitet die Angriffe auf Energieinfrastruktur und Öltanker im Nahen Osten offenbar aus. Berichten zufolge wurden zwei Treibstofffrachter vor der irakischen Küste mit Sprengstoffbooten attackiert und in Brand gesetzt, wobei ein Besatzungsmitglied ums Leben kam. In Reaktion darauf stellt der Irak den Betrieb seiner wichtigsten Ölterminals vorübergehend ein. Teheran droht mit einem massiven Anstieg des Ölpreises auf bis zu 200 Dollar pro Barrel, indem die regionale Sicherheit und der Ölhandel weiter destabilisiert werden.
Die zunehmenden iranischen Angriffe haben auch den Oman erreicht. Nach Drohnenattacken auf Hafenanlagen und Treibstofftanks ordneten die Behörden die Evakuierung des wichtigen Ölterminals Mina Al Fahal an. Schiffe mussten den Hafen verlassen, und der Export wurde vorerst gestoppt. Über den Hafen werden normalerweise rund eine Million Barrel Öl pro Tag exportiert. Da er außerhalb der Straße von Hormus liegt und direkten Zugang zum Arabischen Meer hat, zeigt der Exportstopp eine neue Eskalationsstufe der Krise. Sollte die Störung länger anhalten, könnten die Sorgen über das regionale Ölangebot deutlich zunehmen.
Nach zwölf Tagen Krieg kann man die Lage am Ölmarkt nicht mehr als neu bezeichnen. Gleichwohl ist sie in den Monatsberichten von EIA (Statistikbehörde im US-Energieministerium), OPEC (Organisation Ölexportierender Länder) und IEA ein Novum. Im vorgestern erschienenen EIA-Bericht bekommt dieser Krieg bereits einen Preisaufschlag. Die prognostizierten durchschnittlichen Preise für das Barrel Brent werden für das erste Quartal 2026 um 24 Prozent gegenüber der Vorkriegsschätzung erhöht. Im zweiten Quartal wird das Plus bei 58 Prozent gesehen, im dritten Quartal bei 36 Prozent und im vierten Quartal bei 30 Prozent. Die Teuerung wird ins Folgejahr fortgeschrieben. Von der lange kolportierten Geschichte eines umfangreichen Angebotsüberschusses im Verlauf dieses Jahres ist keine Rede mehr.
Dienstags und Mittwochs erscheinen üblicherweise die Zahlen zu den US-Lagerbeständen, die bisweilen zu deutlichen Preisreaktionen an den Ölbörsen führen. Die Zahlen der berichtenden Institutionen, American Petroleum Institute (API) und US-Energieministerium (DOE) sind erschienen. Sie erblassten aber angesichts der Kriegswirren, so dass eine Preisreaktion ausblieb. Zur wöchentlichen Veränderung der Hauptprodukte des Ölmarkts in den USA wurde Folgendes zu Protokoll gegeben:
Rohöl: +3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
In Summe ermittelte das DOE einen Abbau von 1,2 Mio. Barrel. Das API errechnete sogar ein Minus von 5,8 Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 91 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit sechs Wochen.
Nachdem die Ölpreise gestern kräftig zulegten, geht es an den Ölbörsen heute Morgen weiter aufwärts. Die Rohölnotierung gewinnen seit gestern Früh 8:00 Uhr zwölf Prozent an Wert, die Gasölnotierungen steigen um 17 Prozent. Es sind keine nachhaltigen Umstände in Sicht, die kurzfristige Besserung versprechen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 92,41 Dollar
und das Barrel Brent zu 97,86 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1187,00 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8659 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1546 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen wieder, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Prinzipiell folgen sie damit den internationalen Vorgaben. De facto laufen sie ihnen aber weit hinterher, denn das Plus beträgt lediglich gut zwei Prozent. Dieser Umstand wird die öffentlichen Verdächtigungen gegen die Ölbranche im Inland kaum verstummen lassen, denn sie haben einen emotionalen und keinen sachlichen Hintergrund. Das Kartellamt wurde mit der Regelmäßigkeit von Hochpreisphasen auf den Plan gerufen, um Wettbewerbsverstöße zu sanktionieren. Es konnte bisher aber keine Verstöße feststellen. Für den Heizölhandel ist die Lage in solchen Phasen besonders bitter, weil die Umsätze ausfallen, denn verständlicherweise deckt sich kaum jemand zu diesen Preisen ein.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist zusammengebrochen. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem moderaten Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 12. März 2026
