Ölpreise steigen. Noch immer kein Waffenstillstand in Sicht. Straße von Hormus bleibt geschlossen
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Zwei Fragen bewegen im Moment den globalen Ölmarkt: Hält der zweiwöchige Waffenstillstand am Persischen Golf? Und wann öffnet Teheran die Straße von Hormus? Gestern machte sich vorübergehend Optimismus breit und die Rohölpreise sanken bis auf 90 Dollar je Barrel.
Doch in den letzten 24 Stunden ist die Lage unübersichtlich geworden. Die Straße von Hormus bleibt weiter geschlossen und die Waffen schweigen noch immer nicht. Iranische Drohnen griffen gestern die strategisch wichtige saudische Ost-West-Pipeline an, die Ölexporte über das Rote Meer möglich macht. Anscheinend wurde eine Pumpstation getroffen.
Auch Kuwait, Bahrain und die Emirate (VAE) meldeten heftige Angriffe des Iran. Niemand weiß im Moment, wer dort das Sagen hat. Erfolgten die Angriffe auf Anweisung Teherans oder hat die Staatsführung die Kontrolle über regionale IRGC-Kommandeure verloren?
Aber auch Teheran meldete Angriffe auf industrielle Anlagen im eigenen Land, vermutlich aus Israel. Angeblich greifen nun aber auch die VAE und Bahrain Stellungen im Iran an. Gleichzeitig intensiviert Israel seine Angriffe im südlichen Libanon, vor allem auf Stützpunkte der irantreuen Terrormilizen der Hisbollah.
Die USA wirken kopflos. Im Moment scheint es so, dass US-Präsident Trump möglichst rasch aus dem Konflikt aussteigen will. Gestern schwadronierte er abwechselnd über Wegezölle in der Straße von Hormus, die den USA und Iran gleichermaßen zustünden; über US-Journalisten, die wegen ihrer Berichterstattung über die US-iranischen Verhandlungen hinter Gitter gehörten; und natürlich über den geplanten Ballsaal des Weißen Hauses, der ihn mehr zu beschäftigen scheint als der Irankrieg. Sein völlig überforderter Verteidigungsminister verkündete unterdessen ein weiteres Mal den vollständigen Sieg über den Iran, doch gleichzeitig wird die Truppen- und Flottenstärke in der Region weiter erhöht.
Weitgehend unbeachtet blieb im Vergleich dazu die übliche Wochenübersicht über den amerikanischen Ölmarkt. Ein leichter Lageraufbau beim Rohöl wurde durch einen Lagerabbau von Heizöl/Diesel und Benzin ausgeglichen. Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,0 Mio. Barrel (API)
In Europa kommen in diesen Tagen die letzten Tanker aus der Krisenregion an. Wie es weitergeht, weiß im Moment niemand. Das Chaos in Washington und die unklare politische Situation im Iran und in der gesamten Region sind denkbar schlechte Voraussetzungen für die geplanten Friedensverhandlungen. Der Optimismus ist zum Teil verflogen. Die Rohölpreise steigen am Morgen wieder Richtung 100 Dollar je Barrel.
Brent-Rohöl kostet am Morgen 98,10 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 97,44 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1336,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8572 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1662 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise stabilisieren sich im Moment auf dem Niveau vom Mittwoch. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 140 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Das liegt 13 Euro unter dem Jahreshoch vom Dienstag, aber noch meilenweit von den Vorkriegspreisen im Februar von 85-95 Euro entfernt. Entsprechend gering ist die Nachfrage. Die Zahl der Bestellungen bleibt auf einem sehr niedrigen Niveau.
Doch dafür verbessert sich die Stimmung. In der täglich erhobenen Lesereinschätzung haben die Preisoptimisten jetzt klar die Oberhand. Vier von fünf Voten erwarten weiter fallende Heizölpreise.
Die Euphorie könnte jedoch verfrüht sein. Der Waffenstillstand am Persischen Golf wirkt brüchig. Auch wenn sich der Tankerverkehr normalisieren sollte, wird es mehrere Wochen dauern, bis sich die Lage auf den Produktmärkten für Diesel oder Heizöl wieder normalisiert hat.
Im Moment gilt daher nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 09. April 2026
