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Ölpreise: Von Frieden noch keine Spur

von Klaus Bergmann

Ölpreise: Von Frieden noch keine Spur

Internationaler Markt

Die Ölpreise gaben in der letzten Woche spürbar nach. Sie setzten gestern noch ein Ausrufezeichen hinter die Serie. Das war es dann wohl bis auf Weiteres. Ein neues Preistief im laufenden Irankrieg wurde nicht markiert. Das gab es am 17. April. Heute liegen die Notierungen deutlich darüber. Elf Prozent sind es beim Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel. 15 und 16 Prozent über dem Tief befinden sich die Rohölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI). Entgegen dem Eindruck, den die Washingtoner Verlautbarungen während des Pfingstwochenendes erweckten, stehen die Zeichen nicht auf Preisverfall.   

Donald Trump zufolge machen die Gespräche über eine Verlängerung der Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus Fortschritte. Geplant ist offenbar eine 60-tägige Übergangslösung, während weiter über ein endgültiges Abkommen verhandelt wird. Im Gegenzug könnten US-Sanktionen schon kurzfristig gelockert und eingefrorene iranische Gelder freigegeben werden. Die Aussicht auf eine Einigung sorgte an den Ölmärkten gestern für Hoffnung auf mehr Angebot und sinkende Risiken im Nahen Osten, auch wenn noch keine endgültige Vereinbarung unterschrieben wurde.

Trotz der laufenden Gespräche und einer vorläufigen Waffenruhe haben die USA neue Angriffe auf Ziele im Iran durchgeführt. Dabei wurden laut US-Militär unter anderem Schiffe und Raketenstellungen attackiert, um eigene Truppen zu schützen. Der Iran bestätigte Explosionen nahe Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Die Angriffe könnten die Verhandlungen über eine Verlängerung der Waffenruhe und die Öffnung der wichtigen Handelsroute erschweren. Analysten gehen jedoch weiterhin davon aus, dass eine Einigung grundsätzlich möglich bleibt. An den Märkten sorgen die Ereignisse dennoch für Unsicherheit und dämpfen die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung.

Saudi-Arabien, Katar und nun auch die Vereinigten Arabischen Emirate drängten und drängen die USA dazu, weitere Eskalationen mit dem Iran zu vermeiden. Die Golfstaaten befürchten, dass ein andauernder militärischer Konflikt die gesamte Region wirtschaftlich und politisch weiter destabilisieren würde. Trotz unterschiedlicher Ansichten über mögliche Friedensbedingungen verfolgen sie gemeinsam das Ziel eines schnellen Endes der Auseinandersetzungen. Die Folgen des Konflikts belasten Infrastruktur, Energiemärkte und die Weltwirtschaft derzeit schwer. Die laut den US-amerikanischen und iranischen Medien erzielten Fortschritte bei den Verhandlungen dürfen nicht gefährdet werden, auch wenn diese derzeit weder konkret noch kohärent sind.

Die globalen Versorgungsprobleme mit Öl werden im Wesentlichen in der Straße von Hormus verortet. Es gibt allerdings auch andere, nicht minderbedeutende Regionen, die Element der gesamten Störung sind. So liegen Chinas Treibstoffexporte wegen des Nahostkonflikts heute bei lediglich zehn Prozent der üblichen Mengen vor dem Konflikt. Die Regierung hatte Anfang März viele Exporte gestoppt, um die eigene Versorgung zu sichern. Zwar wollten Unternehmen zuletzt wieder stärker exportieren, um von hohen Weltmarktpreisen zu profitieren, doch wurden entsprechende Anträge offenbar nur teilweise genehmigt. Daher fällt die erwartete Erholung der chinesischen Kraftstoffausfuhren bislang sehr gering aus. Das betrifft dezidiert Flugzeugkraftstoffe, deren Knappheit nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Urlaubssaison auch hierzulande kommuniziert und diskutiert wird.

Russland und die Ukraine haben sich über das Pfingstwochenende erneut schwere Angriffe geliefert, vor allem mit Mittel- und Langstreckendrohnen. Es wird erwartet, dass die Ukraine ihre Attacken auf russische Energieanlagen und möglicherweise auf Moskau verstärkt. Auswirkungen auf die Ölexporte gelten zwar als möglich, werden an den Märkten aber mittlerweile relativ gelassen gehandelt.

An den Börsen verzeichnen die Ölnotierungen heute Morgen deutliche Gewinne. Rohöl legt um knapp vier Prozent zu, Gasöl um gut zwei Prozent. Das ist der aktuelle Preis der US-Attacken und seiner hoffentlich geringen Folgen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 93,38 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 99,87 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.085,75 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8591 Euro Preise steigen. Damit kostet der Euro 1,1638 Dollar Preise fallen. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise legen heute Morgen ein wenig zu, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das entspricht in der Richtung den internationalen Vorgaben. In der Höhe handelt es sich allerdings um Peanuts. Im Vergleich zum Vorprodukt Gasöl ist der Heizölpreis gut, denn er liegt unter dem oben genannten Tief vom 17. April. Heizöl erreichte sein Tief übrigens erst am 21. April. Die abwartende Haltung des Handels resultiert aus der extremen Unsicherheit der Preisbildung im Krieg. Mittlerweile geht es etwas kalkulierbarer zu. Zudem bietet der Heizölhandel aufgrund der dürftigen Nachfrage Preise an, die die Kosten oft nicht mehr decken. Das zeugt von einer intakten Marktfunktion.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt hat etwas Luft bekommen. Die Hoffnung auf tiefere Preise wirkt sogar übermütig. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 26. Mai 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 26. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 26. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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