China-Gipfel wird zum Hoffnungsträger am Ölmarkt
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Der Ölmarkt schwankt zwischen Eskalation und Hoffnung. Iran hat seinen Machtanspruch rund um die Straße von Hormus weiter ausgeweitet, nachdem die indirekten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran faktisch gescheitert sind. Das ließ die Ölpreise am Dienstag deutlich steigen. Doch zur Wochenmitte richtet sich der Blick der Märkte auf einen neuen Hoffnungsschimmer: Die Chinareise von US-Präsident Trump. Kann Peking im Konflikt vermitteln?
Auch China hat ein Interesse daran, dass die Straße von Hormus als wichtige Handelsroute für Energieexporte so bald wie möglich geöffnet wird. Nach dem Ausfallen Venezuelas war der Iran zum bedeutendsten chinesischen Öllieferanten geworden – doch seit der US-Blockade iranischer Häfen ist diese Quelle versiegt. Die Marktteilnehmer setzen nun darauf, dass Trump vieles daran setzt, Xi Jinping zu einer Vermittlerrolle zu bewegen. Chinas Staatschef könnte seinen Einfluss auf Teheran nutzt, um die Verhandlungen über ein Friedensabkommen zu akzeptablen Bedingungen voranzubringen.
Der China-Gipfel zwischen Trump und Xi am Donnerstag und Freitag ist auch darüber hinaus von zentraler Bedeutung für den Ölmarkt. Wie gut oder schlecht die Beziehungen laufen, wirkt sich wirtschaftlich auf die ganze Welt aus und damit auf die Ölnachfrage. Wichtige Wirtschafts- und Handelsfragen stehen auf der Agenda, und die Marktteilnehmer blicken gespannt darauf, ob die beiden Staatschefs sich auf eine Verlängerung des vereinbarten Handelsfriedens einigen können. Sollte das nicht gelingen, stehen auch wieder höhere Zölle im Raum.
Während die Aufmerksamkeit sich auf die anstehenden Gespräche in China richtet, bleibt die Unsicherheit im Nahen Osten hoch. Der neue Zündstoff: Iran erhebt Anspruch auf ein größeres Gebiet vor seiner Küste und will neu definieren, was alles zur Straße von Hormus zählt. Bislang war es eine Strecke von der Insel Hegam bis zur Insel Hormus. Künftig will die Marine der Islamischen Revolutionsgarde ein Gebiet kontrollieren, das rund zehn Mal so groß ist. Es soll von der Stadt Dschask im Südosten des Irans bis zur Insel Siri im Westen reichen. Aufflammende Kampfhandlungen am Persischen Golf können also jederzeit wieder zu einem Preisanstieg führen.
Ob China bereit sein wird, seinen Einfluss auf das iranische Regime geltend zu machen, dürfte für die Ölpreisentwicklung in der zweiten Wochenhälfte entscheidend sein. Die Märkte setzen stark auf Chinas Einfluss, nicht zuletzt weil den USA die Kontrolle über die Situation längst entglitten ist.
Das Wechselspiel zwischen Hoffen und Bangen wird den Börsenhandel auch in den kommenden Tagen prägen. Heute Morgen starten die Ölnotierungen unterhalb der gestrigen Höchststände. Aktuell befinden sie sich auf Richtungssuche.
Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 100,88 Dollar
. Brent kostet 106,46 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1205,25 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8526 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1727 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen leicht an. Gasöl, das Vorprodukt in der Produktion von Heizöl, hatte sich zuletzt nicht so stark verteuert wie Rohöl, wodurch die Preisbewegungen im Binnenland moderater ausfallen. Am Morgen liegt der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 128 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Am internationalen Ölmarkt wechseln sich Hoffen und Bangen derzeit in kurzen Abständen ab –mit entsprechenden Schwankungen bei den Rohölpreisen. Die vor einer Woche noch als aussichtsreich eingestuften Friedensverhandlungen im Iran-Krieg sind gescheitert. Der Optimismus auf eine baldige Einigung und damit eine Aussicht auf die Öffnung der Straße von Hormus ist deutlich zurückgegangen. Nun richtet sich der Blick auf mögliche positive Impulse vom China-Gipfel zwischen Trump und Xi.
Heizölkunden agieren aktuell zurückhaltend. Auch ihre Hoffnung auf einen Preisrückgang ist vergleichsweise verhalten. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 56 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Nur eine Öffnung der Meerenge von Hormus könnte spürbar stärkere Entlastung bringen. Ob Fortschritte in diese Richtung mit Chinas Hilfe möglich sind, bleibt abzuwarten. Wer kurzfristig bestellen muss, kann sich bislang vor allem gegen weitere Aufschläge absichern oder auf kleinere Rückgänge spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 13. Mai 2026
