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Dealmaker ohne Deal lässt Ölbörsen zappeln

von Klaus Bergmann

Dealmaker ohne Deal lässt Ölbörsen zappeln

Internationaler Markt

Das Hoffen und Bangen zur Lage am Persischen Golf setzt sich in den Ölpreisen als zunehmende Volatilität fort. Substantiell hat sich gegenüber gestern Früh allerdings nichts geändert. Es war wieder einmal ein Social-Media-Beitrag von Donald Trump, der eine solche Einschätzung überhaupt ermöglicht. Dieser fing die sich zuvor aufschaukelnden Ölnotierungen leidlich ein.

Der US-Präsident erklärte darin, einen geplanten Militärschlag gegen den Iran vorerst gestoppt zu haben. Das geschah angeblich auf Bitte von Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die derzeit laufenden Verhandlungen bezeichnet er in seiner Einlassung als ernsthaft und unterlässt es nicht, erneut mit kurzfristigen Militäraktionen zu drohen.

Zuvor hat Pakistan ein neues Friedensangebot des Irans an die USA übermittelt. Beide Länder bestätigten die Weitergabe, betonten jedoch, dass für eine Einigung im Konflikt nur noch wenig Zeit bleibe. Der Iran bestätigte zu später Stunde den neuen Verhandlungsvorschlag an die USA, ohne Details zu nennen. Die Märkte reagieren mittlerweile zurückhaltend, da frühere Gesprächsangebote oft schnell scheiterten. Viele Beobachter erwarten weiterhin steigende Ölpreise, solange es keine konkreten Fortschritte gibt.   

Abseits der Gespräche versucht der Iran Tatsachen zu schaffen. So hat er eine neue Behörde eingerichtet, die künftig die Schifffahrt durch die Straße von Hormus überwachen und kontrollieren soll. Ziel ist es, mehr Stabilität in der Meerenge zu erlangen und möglicherweise neue Gebühren für die Durchfahrt einzutreiben. Schiffsführer sollen künftig umfangreiche Angaben zu Eigentum, Versicherung, Besatzung und Route liefern sowie Genehmigungen beantragen. Konkrete Details zu Kosten oder Ausnahmen wurden bisher noch nicht veröffentlicht.

Indien kündigte an, weiterhin russisches Öl zu importieren. Laut dem Erdölministerium seien die Käufe vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung. Trotz früherer Spannungen mit den USA und zeitweiser Kürzungen der Importe bleibt Russland ein wichtiger Lieferant für Indien. Hintergrund sind aktuelle Engpässe bei Öl aus dem Nahen Osten, wodurch russisches Rohöl für die Versorgung des Landes weiterhin attraktiv bleibt.

Nach dieser Ankündigung haben die USA die Ausnahmeregelung für den Kauf von russischem Öl per Schiff um weitere 30 Tage verlängert. Damit dürfen auch andere betroffene Länder trotz Sanktionen weiterhin russisches Öl beziehen, sofern es sich bereits auf Tankern oder in schwimmenden Lagern befindet. Laut US-Finanzminister Scott Bessent soll die Maßnahme helfen, den Ölmarkt zu stabilisieren und die Energieversorgung gefährdeter Staaten zu sichern.

Wie prekär die Lage am Ölmarkt ist, wird am Beispiel Chinas deutlich. Das Land verzeichnete im April 2026 den niedrigsten Raffineriedurchsatz seit August 2022. Die Rohölverarbeitung sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent auf 13 Mio. Barrel pro Tag. Gleichzeitig gingen die Rohölimporte um 20 Prozent zurück, während die Auslastung der Raffinerien deutlich fiel. Ursächlich sind die stark gestiegenen Ölpreise und sinkende Raffineriemargen. Wegen bestehender Exportbeschränkungen für Kraftstoffe können chinesische Raffinerien höhere Kosten kaum weitergeben und arbeiten zunehmend mit Verlusten. In der Krise wird nur noch die Inlandsnachfrage bedient, während Exporte von Diesel, Benzin und Kerosin stark eingeschränkt sind. Man darf gespannt sein, ob die pleitegefährdeten freien Unternehmen sich selbst überlassen bleiben oder als Kompensation für die verbotenen Exporte staatliche Unterstützung erhalten.

An den Börsen sehen wir heute Morgen ein ähnliches Bild wie gestern Früh. Die Ölnotierungen steigen. Diesmal befinden sie sich allerdings noch unter den gestrigen Spitzenwerten. Hoffnung auf irgendeine Rückkehr zu tragbaren Verhältnissen in der Straße von Hormus wird die Notierungen halten. Das Bangen vor Stillstand oder mehr Krieg wird sie aufwärts treiben. Die kaum vorstellbare Zerschlagung des gordischen Knotens würde sie indes in die Tiefe reißen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 108,67 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 110,38 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.222,25 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8595 Euro Preise stagnieren. Damit kostet der Euro 1,1631 Dollar Preise stagnieren. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bewegen sich moderat aufwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das entspricht in etwa den augenblicklichen internationalen Vorgaben. Insgesamt verlief die jüngere Bewegung der Heizölpreise allerdings verbraucherfreundlicher als die des Vorprodukts Gasöl. Der Heizölhandel bietet aufgrund der dürftigen Nachfrage Preise an, die die Kosten oft nicht mehr decken. Das zeugt von einer intakten Marktfunktion.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt hat etwas Luft bekommen. Die Hoffnung auf tiefere Preise bleibt gering. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Das mathematisches Tiefpreissystem weist in einigen Regionen der Republik weiterhin Handelssignale aus.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 19. Mai 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 19. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 19. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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