Eskalation am Persischen Golf treibt Ölpreise aufwärts
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Hoffnungen auf Waffenruhe im Nahen Osten werden, kaum dass sie geboren sind, wieder begraben. So geschah es auch in der letzten Woche. In dieser Angelegenheit gilt das Trump-Xi-Treffen als Nullnummer. Das Ergebnis ist sogar noch schlechter, denn am Persischen Golf wird schärfer geschossen als zuvor. In den Ölpreisen steckt zum Wochenauftakt mehr Kriegssorge als letzten Montag. Die Rohölnotierungen befinden sich wieder auf Gipfelkurs. Dabei sind die US-Futures dem Allzeithoch des Krieges um die Straße von Hormus näher als die europäischen Notierungen für die Sorte Brent. Der Verlauf beim Gasöl, das ist das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, könnte mit sehr viel Optimismus sogar noch als Seitwärtstrend eingeschätzt werden.
Die kriegerische Lage spitzt sich trotz möglicher Friedensgespräche zwischen dem Iran und den USA erneut zu. Die Aggressionen Teherans werden heftiger. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) meldeten neue mutmaßlich iranische Drohnenangriffe. In den VAE wurde dabei ein Atomkraftwerk getroffen und vor Ort ein Brand ausgelöst. Weitere Drohnen konnten abgefangen werden. Seit Beginn des Krieges Ende Februar greift der Iran regelmäßig Ziele in Golfstaaten mit US-Militärstützpunkten an, darunter auch zivile Einrichtungen und Energieanlagen.
Die Kontrahenten bleiben in ihren Positionen unversöhnlich. Dadurch werden die Chancen auf Friedensverhandlungen konterkariert. Gleichzeitig zeigen die neuen Angriffe, wie instabil die Waffenruhe ist. Berichten zufolge bereiten sich Washington und Jerusalem bereits auf mögliche weitere Militäreinsätze vor. US-Präsident Trump verschärft zudem den Ton gegenüber dem Iran und droht mit drastischen Konsequenzen, falls Teheran nicht nachgebe. Fazit: Der Iran warnt bereits mit Drohnenangriffen, während die USA noch mit Worten warnen. Darin zeigt sich die verzweifelte Lage der kriegsauslösenden Partei.
Auch wenn seine Kommunikation „großartig“ angelegt ist, weiß der US-Präsident, dass ein längerer Konflikt mit dem Iran die Weltwirtschaft dauerhaft belasten wird. Durch stark steigende Ölpreise drohen höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum sowie schwächeres Wirtschaftswachstum. Seit Beginn der Angriffe auf den Iran Ende Februar sind die Ölpreise im Schnitt um über 60 Prozent gestiegen. Insbesondere die Sperrung der Straße von Hormus verschärft die Lage täglich, da Förderländer ihre Produktion reduzieren müssen und globale Ölreserven sinken. All das ist das Gegenteil dessen, was Donald Trump seinen Wählern versprochen hatte.
Staaten am Persischen Golf verlassen sich allerdings mitnichten auf die USA als problemlösende Partei. Sie versuchen ihre Abhängigkeit von der Meerenge vor allem durch alternative Pipelines und Exportwege zu verringern. Saudi-Arabien transportiert Öl verstärkt über eine Pipeline zum Roten Meer, während die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Verbindung zum Hafen Fudschaira außerhalb der Meerenge nutzen und ausbauen. Auch der Irak setzt auf alternative Routen über die Türkei. Zusätzlich investieren mehrere Länder in neue Handels- und Logistikkorridore sowie in größere Lagerkapazitäten außerhalb des Persischen Golfs. Dennoch können diese Alternativen die wichtige Schifffahrtsroute bislang nur teilweise ersetzen.
Während man am Ölmarkt fast ausschließlich auf den Persischen Golf blickt, hat die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölinfrastruktur und Militärziele deutlich intensiviert. Besonders betroffen waren die Raffinerien in Astrachan und Rjasan. Die Anlage in Astrachan wurde schwer beschädigt. Ihre Reparaturen dürfte laut Industriequellen Wochen oder sogar Monate dauern. Auch die große Raffinerie in Rjasan geriet nach Drohnenangriffen in Brand. Beide Anlagen gehören zu den wichtigen russischen Kraftstoffproduzenten und wurden bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe.
An den Börsen kannten die Ölnotierungen heute Morgen nur eine Richtung. Mittlerweile hat sich der Aufwärtsdrang beruhig. Ein Teil der Gewinne wurde sogar wieder kassiert. Sämtliche Notierungen befinden sich zur Stunde aber noch über den Höchstständen des letzten Handelstags.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 106,49 Dollar
und das Barrel Brent zu 110,15 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.210,25 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8595 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1631 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich seit einer Woche so gut wie gar nicht, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit hat sich der Brennstoff von den internationalen Vorgaben zu Gunsten der Verbraucher gelöst. Er befindet sich auf dem Niveau der letzten Vierwochentiefs. Das können Gasöl- und Rohölpreise nicht für sich in Anspruch nehmen. Der Heizölhandel bietet aufgrund der dürftigen Nachfrage Preise an, die die Kosten oft nicht mehr decken. Das zeugt von einer intakten Marktfunktion.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt hat etwas Luft bekommen. Gleiches gilt für die Hoffnung auf tiefere Preise. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ordentlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematisches Tiefpreissystem weist in einigen Regionen der Republik weiterhin Handelssignale aus.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge immer eine Option zum Volltanken ist.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 18. Mai 2026
