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Steiler Preisanstieg an den Ölbörsen. USA planen neue Angriffe auf den Iran

von Steffen Bukold

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Brent-Rohöl kostet aktuell über 122 Dollar je Barrel. Das ist ein neues Jahreshoch. Der Preis gilt für den heute auslaufenden Terminkontrakt, der für Öllieferungen im Juni gilt. Ab morgen gilt der neue Terminkontrakt, der die Preise für Juli widerspiegelt. Auch hier geht es steil aufwärts. Er steht bereits bei über 112 Dollar je Barrel.

Wie erwartet kommt die größte Ölkrise seit dem Zweiten Weltkrieg in Wellen auf die Märkte zu. Nach der ersten Preiswelle sorgte der Waffenstillstand zunächst für etwas Ruhe. Optimismus machte sich breit. Die Ölpreise sanken zeitweise sogar unter 100 Dollar je Barrel, obwohl die Straße von Hormus weiterhin blockiert war.

Die Zuversicht ist inzwischen verflogen. Washington plant offenbar neue militärische Angriffe auf den Iran. Doch das gilt mittlerweile als ein Zeichen strategischer Hilflosigkeit. Niemand glaubt, dass zusätzliche Bomben das iranische Regime in die Knie zwingen können. 

Auch die Medien in den USA werden immer kritischer. Das Pentagon meldet, dass der Feldzug inzwischen 25 Milliarden Dollar gekostet hat. Das sind umgerechnet über 300 Dollar für jede amerikanische Familie. Selbst beim Militär rumort es. Die politisch motivierten oder völlig willkürlichen Entlassungen von Führungskräften sowie der peinliche Abzug des größten Flugzeugträgers aus der Region lädieren den Ruf der US-Streitkräfte.

Kein Wunder also, dass die globalen Ölmärkte jetzt wieder nervös werden. Eine rasche Öffnung der Straße von Hormus wirkt im Moment noch unwahrscheinlicher als vor einem Monat. Die Lagerbestände schwinden. Engpässe in der Petrochemie, bei Diesel und vor allem bei Kerosin werden immer stärker sichtbar. Voraussichtlich müssen im Sommer viele Flüge wegen Kerosinmangel gestrichen werden. Brüssel mahnt zur Vorsorge, Berlin beschwichtigt. 

In den USA lieferte gestern der Wochenbericht des Energieministeriums (DOE) eine Momentaufnahme der Probleme. Die kommerziellen Rohölbestände schrumpften um über sechs Millionen Barrel im Vergleich zur Vorwoche. Rechnet man den Abbau der nationalen Ölreserve dazu, waren es sogar über 13 Millionen Barrel. Bei den Ölprodukten sieht es nicht besser aus. Der Lagerabbau bei Diesel/Heizöl und Benzin summierte sich auf knapp 11 Mio. Barrel.

Die USA produzieren zwar genug Öl, um sich selbst versorgen zu können, aber für die Raffinerien sind Exporte nach Übersee attraktiver. Deshalb steigen auch dort die Benzinpreise auf den höchsten Stand seit Jahren.

Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: -6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -4,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -6,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -8,5 Mio. Barrel (API) 

Kurz nach Börsenstart bleiben die Ölpreise leicht unter den Rekordwerten der letzten Nacht. Brent-Rohöl kostet im Moment 122,16 US-Dollar je Barrel Preise steigen. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 108,24 US-Dollar je Barrel Preise steigen. Rotterdamer Gasoil wird zu 1.348,25 Dollar je Tonne gehandelt Preise steigen. Der US-Dollar ist 0,8564 Euro wert Preise steigen. Der Euro steht bei 1,1675 Dollar Preise fallen. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.

Nationaler Markt

Auch bei den Heizölpreisen geht es jetzt wieder nach oben. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 136 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind drei Euro mehr als vor einem Tag.

Die Panikpreise von Anfang April, mit Werten von über 150 Euro, sind allerdings noch weit entfernt. Das liegt auch an den Raffineriemargen für Diesel/Heizöl, die zwar immer noch hoch sind, aber mittlerweile nicht mehr auf dem extremen Niveau der ersten Kriegswochen liegen. Daher bleiben auch die Preise für Gasoil, das Vorprodukt der Raffinerien für Heizöl/Diesel, unter den Rekordwerten.

Aber das kann die Verbraucherinnen und Verbraucher offenbar nicht motivieren. Der Markt ist immer noch ruhig. Wer noch ausreichende Vorräte im Tank hat, verschiebt die Bestellung in die Zukunft. 

Der Blick in die Zukunft fällt gemischt aus. In der täglichen Lesereinschätzung halten sich Preisoptimisten und Preispessimisten die Waage. Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, rät allerdings wieder zum Kauf.

Wie geht es weiter? Die globale Ölkrise spitzt sich immer mehr zu, auch wenn das politische Berlin immer noch den Kopf in den Sand steckt. Eine Rückkehr zu den Vorkriegspreisen ist auch im besten Fall nicht vor dem Herbst möglich; wahrscheinlicher sind im Moment weiter steigende Preise.

In der aktuellen Situation gilt daher mehr denn je: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit. 

Heizölpreise-Chart vom 30. April 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 30. April 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 30. April 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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