Tanklager in den USA werden immer voller. Ölpreise fallen
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Nach der Entschärfung der Grönland-Krise gaben die Ölpreise gestern wieder nach und sanken unter 64 Dollar je Barrel. Den Europäern steckt allerdings noch immer der Schreck in den Gliedern. Trump schloss zwar eine militärische Besetzung der dänischen Insel vorerst aus, hielt aber in Davos eine aggressive und in weiten Teilen beleidigende Rede, gespickt mit offensichtlichen Lügen und Unterstellungen.
Der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt verstärkte dann am Nachmittag den Abwärtstrend bei den Ölpreisen. Ob nun Rohöl, Benzin oder Diesel/Heizöl: In allen Kategorien meldete das Energieministerium einen kräftigen Lageraufbau. Die Zahlen fielen damit ähnlich aus wie in der letzten Woche. Besonders deutlich wird das beim Benzin. Die Tanklager sind so voll wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2021.
Hier zusammenfassend die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. ±0,0 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +6,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,2 Mio. Barrel (API)
Die vollen Tanklager bestätigen die Einschätzung, dass auch in diesem Jahr zu viel Öl auf dem Markt angeboten wird. Die Nachfrage ist zwar nicht schwach und steigt sogar an, aber sie kann mit dem rasch wachsenden Ölangebot nicht Schritt halten. Die Preise bleiben daher in der Nähe des Fünfjahrestiefs.
Daran konnte dann auch Trump nicht mehr viel ändern. Am Abend holte er zum nächsten verbalen Schlag aus und sprach von seiner „Armada“, die Richtung Iran unterwegs sei. Damit meinte er offenbar die Flottenverbände, die bereits seit einiger Zeit in die Region unterwegs sind. Brent-Rohöl legte daraufhin wieder leicht zu und steht mit aktuell 64,7 Dollar je Barrel auf demselben Niveau wie vor 24 Stunden.
Das amerikanische Eingreifen in Venezuela zieht derweil immer mehr Probleme nach sich. Das Land hat in den letzten Jahren große Kredite bei chinesischen Geldgebern aufgenommen, die über Öllieferungen zurückgezahlt werden sollen. Doch die fallen jetzt aus, da Trump die Erlöse aus den Ölexporten über ein Konto in Katar selbst kontrollieren will. Ohne die Kooperation mit China wird es für das verarmte lateinamerikanische Land jedoch schwierig werden, Zugang zu den Finanzmärkten zu erhalten und einen Staatsbankrott abzuwenden.
Die Spannungen in Venezuela und am Persischen Golf können die Ölbörsen jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Gute Konjunkturdaten für die EU stabilisieren die Preise am Morgen. Brent-Rohöl kostet aktuell 64,71 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 59,99 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 667,50 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8517 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1738 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.
Nationaler Markt
Heizöl wird zum Wochenausklang etwas billiger. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittswert von 90,9 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Unter dem Strich haben sich die Preise in dieser Woche kaum von der Stelle bewegt.
Der starke Euro und fallende Preise für Rotterdamer Gasoil, das Vorprodukt der Raffinerien für Heizöl und Diesel, sorgen heute für Entspannung. Kaufdruck ist nicht zu spüren: Die Zahl der Bestellungen bleibt auf einem niedrigen Niveau. Dafür wächst der Optimismus. In der täglichen Lesereinschätzung setzen aktuell drei Viertel der Stimmen auf fallende Heizölpreise. Gestern waren es nur zwei von drei Voten.
In der Tat spricht im Moment wenig für steigende Preise. Doch die nächste geopolitische Krise wird wohl nicht lange auf sich warten lassen, solange Trump und Putin an der Macht sind. Wer solchen Risiken aus dem Weg gehen will, kann sich schon heute zu sehr moderaten Preisen mit Heizöl versorgen.
Trotzdem gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 23. Januar 2026
