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USA eskalieren im Persischen Golf und nötigen die Ölpreise zum Anstieg

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

In der letzten Woche gaben die Ölpreise infolge des Waffenstillstands an der Straße von Hormus sturzartig nach. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr sogenannter normaler Umstände war groß. Aus charttechnischer Sicht konnte man allerdings schon ahnen, dass die Dinge nicht so schnell laufen werden. Beim Preisabsturz entstand eine Kurslücke zwischen 102,71 und 97,22 Dollar pro Barrel für Rohöl Brent, die übersprungen wurde. Beim Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl, tat sich ebenfalls so eine Kurslücke auf. Für Chartisten ist das ein nicht nachhaltiger Vorgang. Nachhaltig wird er erst, wenn die Kurslücke durch eine kontinuierliche Entwicklung der Börsennotierungen geschlossen ist. Das kann im Nachgang auch von unten nach oben erfolgen.

Genau das findet nun stand. Der kleine Ausflug in den Chartismus soll selbstverständlich nicht insinuieren, dass der politische Dilettantismus der US-Regierung eine Erscheinung allmächtiger Kräfte wäre. Gegenteiliges ist der Fall. Charttechnik ist eine Glaubensangelegenheit und politische Fehlleistungen werden von real handelnden Personen erbracht.     

Die Verhandlungen des US-Vizepräsidenten mit dem Iran sind also gescheitert. Der Ölmarkt befindet sich nach den Verhandlungen zunächst einmal in keiner anderen Lage als vor den Verhandlungen. Den Stillstand akzeptiert der Kriegsherr im Weißen Haus aber nicht. Er will Bewegung, gerne auch ohne Ziel und ohne Richtung. Auf dieser Grundlage verkündet das Weiße Haus nun ihre eigene Blockade der Straße von Hormus. Dadurch sollen alle Schiffe unabhängig von ihrer Nationalität daran gehindert werden, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen. Zusätzlich wollen die USA gegen eine vom Iran eingeführte Gebühr für die Durchfahrt durch die Meerenge vorgehen. Dabei sollen laut Donald Trump alle Schiffe, die die illegale Maut zahlen, auf den Weltmeeren gejagt und gestellt werden.

Markteilnehmer wähnen die Waffenruhe am Persischen Golf angesichts der martialischen Worte bereits am Ende. Aus ihrer Sicht wird die Eskalationsspirale unablässig vorangetrieben. Die Meinung schlägt sich in einem erneuten Preissprung nieder. Diesmal treibt er die Rohölpreise wieder über die 100-Dollar-Markte.

Eine neue Dimension ist die Blockade der chinesischen Ölkäufe im Iran. Man mag sie aus westlicher Sicht als gerechtfertigt empfinden. Unabhängig vom Empfänger der Ware stellt sie aber eine weitere Reduzierung des globalen Ölangebots dar. Gleiches gilt für die Zerstörung der russischen Ölindustrie im Verlauf des Ukraine-Krieg. Hier durchkreuzen kriegsstrategische Maßnahmen das Streben nach globalem Wohlstand. Diesen Umstand dürften allenfalls erklärte Krieger gegen den Klimawandel goutieren. Ihrem Anliegen wird durch die entgrenzte Materialvernichtung im Krieg aber keinesfalls Genüge getan.

Seit dem zeitverlustfreien Preissprung bei Eröffnung der Ölbörsen um Mitternacht dümpeln die Rohöl- und Gasölnotierungen seitwärts dahin. Broker warten, offenkundig in Erwartung neuer Impulse, auf den Beitritt der US-Kollegen und ihres Präsidenten am Nachmittag unserer Zeit.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 104,57 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 102,66 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.261,50 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8557 Euro Preise stagnieren. Damit kostet der Euro 1,1683 Dollar Preise stagnieren. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Angesichts des wilden Börsengeschehens verhalten sich die Heizölpreise außerordentlich ruhig, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie halten ihren Abstand von den Spitzen der Kriegspreise noch mit Bravour, während Gasöl schon wieder teurer wird. Zur Stunde werden offensichtlich noch Preise der letzten Woche beigemischt. Auch das ist ein Zeichen für einen intakten Markt. Die geringe Nachfrage verhindert den schnellen Wiederanstieg. Seit dem Preisfall wird zwar wieder etwas mehr Heizöl gekauft als zuvor. Die Menge ist aber immer noch vergleichsweise homöopathisch.   

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt bekommt etwas Luft. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt den Realpreisen in umgekehrtem Sinn. Sie steigt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 13. April 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 13. April 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 13. April 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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