Beendet Trump die Waffenruhe mit Iran? – Ölpreise ziehen an
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Lage im Nahen Osten verschärft sich just in dem Moment, da sich der monatelange Stau von Ölexporten aus dem Persischen Golf auflöst und Prognosen für ein wachsendes globales Überangebot die Ölpreise eigentlich belasten sollten.
Doch die geopolitische Realität holt den Ölmarkt abrupt ein: Die USA flogen in der Nacht Vergeltungsschläge auf iranische Ziele, nachdem zuvor mehrere Tanker rund um die Straße von Hormus angegriffen worden waren. Gleichzeitig nimmt Washington die im vorläufigen Friedensabkommen vereinbarte Ausnahmeregelung für iranische Ölexporte zurück. Am Morgen erklärt US-Präsident Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Ankara schließlich den Waffenstillstand mit dem Iran für beendet. Er tut das in seiner gewohnten Art: „Für mich, ich denke er ist vorbei.“ Brent-Rohöl steigt daraufhin auf 78,60 Dollar je Barrel.
Für den Ölmarkt bedeutet die Situation vor allem eines: neue Unsicherheit. Noch gestern hatte die US-Energiebehörde EIA ein massives Überangebot von 5,03 Millionen Barrel pro Tag für 2027 prognostiziert. Neben der Angebotserholung am Persischen Golf und der jüngsten OPEC-Plus-Förderanhebung hatte auch die drastische Preissenkung der Saudi Aramco für Öllieferungen nach Europa und Asien ein wachsendes Angebot auf dem Weltmarkt signalisiert. Analysten bezweifelten bereits, dass die Nachfrage damit Schritt halten kann.
Heute müssen diese Erwartungen zumindest hinterfragt werden. Mit der aktuellen Eskalation steigt das Risiko von Versorgungsstörungen erneut. Hinzu kommt, dass Marktteilnehmer ihre Wetten auf fallende Ölpreise zurücknehmen könnten, was den Preisauftrieb zusätzlich verstärken würde.
Auf dem NATO-Gipfel in Ankara dürfte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran heute ein zentrales Thema sein. Für den Ölmarkt steht dabei vor allem eine Frage im Raum: Machen die USA ihre Ankündigung wahr oder handelt es sich um eine der für Donald Trump typischen Drohkulissen, die schon wenig später wieder relativiert werden? Sollte die Waffenruhe tatsächlich beendet sein, würde das die Tankerpassage durch die Meerenge von Hormus wieder deutlich gefährlicher – wenn nicht sogar unmöglich – machen. Genau darauf werden die Marktteilnehmer in den kommenden Stunden und Tagen ihren Blick richten und ihre Reaktion entsprechend anpassen.
Die Ölpreise haben bereits deutlich zugelegt. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 74,58 Dollar
. Brent kostet 78,57 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1008,50 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8763 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1411 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise legen zu und folgen damit dem Preissprung am internationalen Markt. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 117,50 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die erneute Eskalation im Nahen Osten und die von US-Präsident Donald Trump für beendet erklärte Waffenruhe mit dem Iran stützt die Preise. Wie ernst die Ereignisse zu nehmen sind und wie nachhaltig die Marktreaktion ausfällt, wird sich in den kommenden Stunden und Tagen zeigen.
Auf dem Heizölmarkt geht es ruhig zu. Wer ausreichend Vorräte im Tank hat, wartet weiterhin ab. Die Hoffnung auf günstige Kaufgelegenheiten ist zwar noch vorhanden, dürfte durch die jüngste Entwicklung jedoch einen Dämpfer erhalten. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen derzeit 68 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Krise im Nahen Osten verschärft sich. Damit schwindet die Aussicht auf bald sinkende Heizölpreise. Wer kurzfristig Nachschub benötigt, kann auf eine Teilbestellung setzen.
Heizölpreise-Chart vom 08. Juli 2026
