Der Ölmarkt handelt die Sorge, nicht die Zahlen
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Drohgebärden zwischen den USA und dem Iran nehmen erneut zu, und der Ölmarkt preist wieder mehr Risiko ein. Donald Trumps Aussage, er wolle möglicherweise einen weiteren Flugzeugträger in den Nahen Osten verlegen, sorgt für Nervosität – ebenso wie die Frage, ob der Iran seinerseits mit einer Blockade der Straße von Hormus reagieren könnte. Dabei hatten die am vergangenen Freitag aufgenommenen Atomgespräche zwischen Teheran und Washington kurzzeitig Hoffnung auf Entspannung geweckt.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch den aktuellen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Washington, der um eine Woche vorgezogen wurde. Hinter verschlossenen Türen dürfte dabei der Umgang mit dem Iran ganz oben auf der Agenda stehen. Am Ölmarkt wächst einmal mehr die Unsicherheit, ob es doch zu einem militärischen Schlag gegen iranische Ziele kommen könnte. Das dürfte spürbare Folgen für den Handel haben.
Dass das US-Verkehrsministerium bereits zu Wochenbeginn eine Warnung an Schiffe unter US-Flagge herausgegeben hat, die in der Nähe der Straße von Hormus unterwegs sind, unterstreicht die fragile Lage. Die Meerenge ist das Nadelöhr für rund 20 Prozent der globalen Öltransporte auf dem Seeweg. Jede Eskalation hier hätte daher unmittelbare Folgen für den Ölhandel. Der Markt preist damit ein, was er ansonsten oft lieber ignoriert: die geopolitischen Risiken mit potenziell starken Auswirkungen auf Angebot und Preise.
Fundamental betrachtet spricht derzeit zwar vieles für ein deutliches Überangebot, was entsprechend preisdämpfend wirken müsste. Der aktuelle Monatsbericht der US-Energiebehörde EIA schätzt die globale Ölproduktion 2026 auf 107,85 Millionen Barrel pro Tag und damit um 190.000 Barrel höher als noch im Januar-Report. Der weltweite Verbrauch wurde um 30.000 Barrel auf 104,79 Millionen Barrel pro Tag nach unten korrigiert. Damit ergibt sich rechnerisch ein Angebotsüberschuss von 3,06 Millionen Barrel täglich. Doch diese Zahlen verhallen bislang weitgehend ungehört. Der Markt folgt eher seiner Furcht vor einer geopolitischen Eskalation als den nüchternen Prognosen.
Brent-Rohöl startet heute Vormittag fester bei 69,73 US-Dollar das Barrel
. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) legt deutlicher zu und steht aktuell bei 64,86 Dollar
. Gasöl hatte sich gestern abwärts orientiert, richtet sich heute Morgen aber wieder aufwärts. Eine Tonne Gasöl wird zu 669,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar ist für 0,8390 Euro
zu haben. Der Euro kostet 1,1917 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise treten zur Stunde auf der Stelle. Gasöl, das Vorprodukt in der Herstellung von Heizöl, war gestern im Börsenhandel günstiger geworden, was sich bis in den frühen Morgen auch im Binnenland in Form leichter Preisnachlässe bemerkbar machte. Mit dem Richtungswechsel am internationalen Markt heute Morgen ist diese Bewegung jedoch wieder zum Stillstand gekommen. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 92,50 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Heizölkunden verhalten sich derzeit entspannt. Die Preise sind weiterhin moderat. Die Bestellungen befinden sich auf durchschnittlichem Niveau, während die Hoffnung auf sinkende Preise schwankt. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten lediglich 76 Prozent der Befragten einen Preisrückgang. Das ist ein vergleichsweise niedriger Wert.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, sichert sich mit einer Bestellung zu noch immer moderaten Preisen ab. Wer dabei etwas Platz im Tank lässt, kann auf mögliche Preisrückgänge zu einem späteren Zeitpunkt spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 11. Februar 2026
