Zum Seiteninhalt

Iran und Kasachstan halten die Ölpreise hoch

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Iran ist wie Russland. Wenn der äußere Druck zu groß wird, bewegt man sich an den Verhandlungstisch. Dort eine neue Situation zu erschaffen, die das zukünftige Zusammenleben friedfertiger gestaltet, ist allerdings nicht das Ziel. Es geht nur darum, den mächtigen Kontrahenten milde zu stimmen. Die Anwendung von Gewalt gegen Unterlegene wird unverändert fortgesetzt.

Am Ölmarkt sieht man in solchen Momenten immerhin die totale Eskalation vermieden. Das reicht, um die Risikoprämie einer Krise abzumildern. Dem Preis wird die Spitze geschliffen und der Handel kehrt zum alltäglichen Geschäft zurück. Dort wird der Ukraine-Krieg oder der Nahost-Konflikt, die Belagerung Venezuelas oder die Sanktionierung Russlands, die Förderpolitik von OPEC und OPEC-Plus oder Strafzölle der USA, Produktionsprobleme in Kasachstan oder Stürme im Golf von Mexiko, streikende Ölarbeiter oder eine erneute Drohung gegen den Iran gehandelt.

Aktuell bleibt der Iran eingepreist. Dafür sorgen die USA mit ihrer Warnung für Schiffspassagen durch die Straße von Hormus. US-Flaggschiffe sollen iranische Gewässer möglichst meiden, sich Richtung Osten nahe an Oman halten und ihre Durchfahrt vorab bei der britischen Seefahrtsbehörde melden. Grund dafür sind dort patrouillierende iranische Revolutionsgarden, die kürzlich einen Tanker bedrängt haben. Die Warnung verdeutlicht, dass trotz diplomatischer Gespräche weiterhin Risiken für den Öltransport bestehen.

Nach einem vollständigen Produktionsstopp läuft das kasachische Tengiz-Ölfeld seit Ende Januar nur langsam wieder an und erreicht bislang lediglich rund 60 Prozent der üblichen Fördermenge. Entgegen früherer Regierungsankündigungen verzögert sich der Hochlauf deutlich, was spürbare Folgen für die Ölexporte hat. Davon ist auch Europa betroffen, das auf Lieferungen aus Kasachstan angewiesen ist. Eine Stellungnahme des Betreibers oder des Energieministeriums liegt weiterhin nicht vor. Die Angelegenheit nicht noch nicht ausgepreist.

Die EU plant, ihre Russland-Sanktionen auszuweiten und erstmals auch Häfen in Drittstaaten zu erfassen, die russisches Öl umschlagen. Konkret könnten die Häfen Kulevi in Georgien und Karimun in Indonesien Teil des 20. EU-Sanktionspakets werden, das noch einstimmig beschlossen werden muss. Zudem erwägt die EU, die G7-Preisobergrenze aufzugeben und stattdessen wieder ein vollständiges Verbot maritimer Dienstleistungen einzuführen. Diese Ankündigung ist in der EU zwar medientauglich aber kaum preiseingängig. Wenn ein Beschluss eines Tages dazu führen sollte, dass dem Markt russisches Öl fehlt, wird der Preis steigen.

Es handelt sich bei den skizzierten Umständen um angebotsseitige Risiken in einem üppig ausgestatteten Umfeld. Sie sind allerdings bedeutend, weil sie große Angebotsströme betreffen.

Auf der Nachfrageseite geht es derzeit ruhiger zu. Ein Beispiel dafür ist Indien. Das Land ist der drittgrößte Ölverbraucher der Welt nach den USA und China. Es bemüht sich derzeit, die günstige Versorgung aus Russland anderen Länder zu übertragen, ohne dabei nennenswerte Preissteigerungen hinnehmen zu müssen. Da hilft es, dass der Verbrauch an Mineralölprodukten etwas nachgibt. Der Jahresverbrauch stieg zwar um knapp drei Prozent. Im Januar fiel er aber um gut drei Prozent gegenüber dem Vormonat. Absehbar wird der Ölverbrauch des aufstrebenden Landes natürlich steigen.

Den kurzfristigen Aufwärtstrend der Ölpreise können die Börsen aktuell nicht abschütteln. Gestern legten sie nach anfänglichen Verlusten wieder zu. Heute Morgen halten die Notierungen das gestrige Schlussniveau.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 64,35 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 69,10 Dollar Preise fallen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 690,75 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8489 Euro Preise fallen. Damit kostet der Euro 1,1917 Dollar Preise steigen. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bewegen sich nur mäßig. Dabei halten sie das Niveau, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die internationalen Vorgaben werden weitgehend abgebildet. Die durch Erzählungen über eine anrollende Ölschwemme genährte Hoffnung auf günstigeres Heizöl bleibt aber unerfüllt. Und selbst die bisher so freundlich wirkenden Preischarts zeigen sich mittlerweile fade. In den kaufrelevanten Zeitansichten weisen die Trendkanäle eher seitwärts als abwärts.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist recht flau. Die Hoffnung auf tiefere Preise wirkt hingegen stärker als es die Preisentwicklung erwarten lässt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, kann zu diesen Preisen beherzt kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, sollte gegebenenfalls nicht vollgetankt werden.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 10. Februar 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 10. Februar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 10. Februar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

Lesen Sie auch: