Am Ölmarkt versucht man ein Abkommen zwischen USA und Indien zu deuten
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Ölpreise gaben gestern nach. Dabei schnitt Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, aus Verbrauchersicht besser ab als Rohöl, da sein Preis bis zum Handelsschluss stetig fiel. Beim Rohöl endete der Abgang bereits am frühen Morgen. Gegen Mitternacht betrug der Verlust der Gasöl-Futures über vier Prozent, während die Rohöl-Papiere kaum drei Prozent verloren hatten.
Die freundlichere Entwicklung der Gasölpreise ist der nachlassenden Kälte in Teilen Europas zu verdanken und einem erhöhten Heizölexport aus Kuwait. Von dort strömte im Januar so viel schwefelarmes Heizöl auf den Markt wie nie zuvor. Grund dafür ist die vollständige Wiederinbetriebnahme der Al-Zour-Raffinerie. Sie konnte nach einem Brand über lange Zeit nur gedrosselt betrieben werden. Die Anlage ist eine der größten Raffinerien im Nahen Osten und von zentraler Bedeutung für Kuwaits Strategie, sich als wichtiger Exporteur von schwefelarmen Heizölprodukten zu etablieren. Analysten zufolge können die stark gestiegenen Exportmengen im ersten Quartal für erheblichen Druck auf die Gasölpreise sorgen.
Ein deutlicher Anstieg wird auch für Venezuelas Ölgeschäft gemeldet. Der Rohölexport stieg im Januar um 61 Prozent gegenüber dem Vormonat. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine strategisch getriebene Entwicklung. Dahinter stecken die USA mit ihrem Bestreben, venezolanische Ölexporte und Einnahmen zu kontrollieren. So gelangten die größten Mengen über den US-Konzern Chevron auch in die USA. Weitere Mengen wurden über Trafigura und Vitol in die Karibik geliefert, von wo sie möglicherweise ganz anderen Destinationen zugeführt werden, zum Beispiel indischen Raffinerien.
Die USA und Indien haben offenbar ein Rahmenabkommen für ihren Handel verabschiedet, wie Präsident Trump nach einem Gespräch mit Premierminister Modi verkündete. Demnach sollen US-Zölle auf indische Produkte gesenkt werden, während Indien im Gegenzug seine Importe von US-Öl, -Gas und anderen Gütern ausweitet. Nach Trumps Worten sei Modi bereit, russische Ölkäufe zu reduzieren und stattdessen stärker US- und möglicherweise venezolanisches Öl zu beziehen. Offiziell bestätigt ist diese Vereinbarung von indischer Seite bislang nicht. Es ist auch nicht klar, ob das Prozedere der US-Sanktionen gegenüber Venezuela in diesem Zuge bereits geändert werden soll. Fakt ist indes, dass die Lieferungen russischen Rohöls nach Indien bereits auf ein Dreijahrestief gesunken sind. Damit einher geht ein wachsendes Angebot unverkaufter, sanktionierter Ware, die auf den Weltmeeren gelagert wird.
Vor Chinas Küste sind diese Vorräte, so sie aus Venezuela und Iran stammen, allerdings deutlich gesunken. Venezolanisches Öl lässt sich in China seit den US-Sanktionen nicht mehr verkaufen, weil es zu teuer ist. Chinas private Raffinerien nehmen stattdessen lieber iranisches Rohöl ab, das aktuell mit dem größten Preisabschlag angeboten wird. Russisches Öl gilt als etwas teurere Alternative. Deshalb wachsen diese schwimmenden Vorräte vor Chinas Küste noch. Es handelt sich dabei um Irrläufer, die nicht mehr von Indien und der Türkei abgenommen werden.
Alles in allem ist es um das Ölangebot gut bestellt. Das muss man nicht allein den undifferenzierten Beteuerungen einer Angebotsschwemme entnehmen. Es kann auch aus den hier dargestellten Umständen abgeleitet werden. Dass die Ölpreise sich dennoch gefühlt unzureichend senken, ist unter anderem dem spekulativen Treiben an den Finanzmärkten geschuldet, das von Angst und Gier getrieben und von einer diese Instinkte adressierenden US-Politik befeuert wird.
Heute Morgen setzt sich der gestern begonnene Abgang der Ölpreise an den Börsen immerhin fort. Rohöl- und Gasölnotierungen haben die Tagestiefs bereits unterboten, wobei Gasöl erneut die Nase vorn hat.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 61,56 Dollar
und das Barrel Brent zu 65,63 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 673,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8470 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1804 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich heute Morgen gegen den internationalen Strom, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie steigen ein wenig. Das dürfte sich im Tagesverlauf ändern, sofern die Börsen die eingeschlagene Richtung beibehalten. Die Hoffnung auf weiteren Abgang hat nun eine realistische Grundlage. Sie muss sich nicht mehr allein auf freundliche Preischarts mit abwärts weisenden Trendkanälen beziehen.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist noch etwas flau. Das könnte sich bald ändern. Die Hoffnung auf tiefere Preise wird situativ von der Preisentwicklung geprägt. Sie ist daher immer änderungsbereit. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, sollte zu diesen Preisen kaufen. Spekulativ eingestellte Kunden sollten die Preise indes eng verfolgen und sich reaktionsbereit halten.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 03. Februar 2026
