Eskalationsrisiken am Persischen Golf halten Ölpreise hoch
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Während US-Präsident Trump zwischen Russland und der Ukraine lieber heute als Morgen Frieden sehen würde und dafür jedwede Hygieneansprüche über Bord zu werfen bereit ist, orakelt er für den Nahen Osten über ein mögliches Ende des iranischen Volkes, natürlich erst nach den bevorstehenden Zwischenwahlen in der Heimat. Seine Armada vor Ort ließ er indes schon erweitern.
Die Ölpreise unterließen es, auf die deplatzierte Anbiederung an Wladimir Putin und den Diesel-Deal nachhaltig zu reagieren. Das geschah dafür umso deutlicher hinsichtlich des Säbelrasselns im Nahen Osten. Die Risikoaufschläge wurden ausgebaut. Ende letzter Woche lagen die Rohölnotierungen beim europäischen Brent 61 Prozent und beim amerikanischen WTI 54 Prozent über den Werten vor Beginn des Angriffs auf den Iran. Beim europäischen Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, waren es 98 Prozent und beim amerikanischen Heating Oil 87 Prozent.
Auch nach dem Wochenende bleibt offen, welchen Kurs die USA im Iran-Konflikt einzuschlagen gedenken. Während das Weiße Haus sowohl eine erneute militärische Offensive als auch eine diplomatische Einigung mit Teheran in Betracht zieht, präzisierte es mittlerweile, dass kein unmittelbarer Militärschlag bevorstünde. Die Zwischenwahlen finden übrigens am 3. November statt. Mindestens bis dahin währt also das zugesagte Stillhalten.
Experten bewerten die Lage unterschiedlich. Während einige eine erneute und möglicherweise groß angelegte Eskalation für wahrscheinlich halten, sehen andere weiterhin Chancen auf eine Verhandlungslösung. Allerdings haben die wiederholten Rückschläge bei diplomatischen Bemühungen das Vertrauen in eine nachhaltige Einigung geschwächt.
Für die Ölmärkte bleibt die Situation damit äußerst angespannt. Die Ausweitung der Kampfhandlungen seitens der Huthi und des Iran erhöhen das Risiko von Produktionsausfällen, Angriffen auf Energieinfrastruktur und Störungen wichtiger Transportwege, insbesondere der Straße von Hormus. Bereits die Aussicht auf neue Militärschläge hält die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis hoch und begünstigt kurzfristig starke Preisschwankungen. Eine glaubwürdige diplomatische Annäherung würde dagegen für Entspannung sorgen, denn die Rohölpreise am Persischen Golf sind zuletzt tatsächlich gesunken.
Das war möglich, weil sich die Transporte durch die Straße von Hormus erholt haben und ein stark gestiegenes Angebot den Wettbewerb unter den Verkäufern verschärft. Die zuvor hohen Preisaufschläge für Oman-Dubai-Öl gegenüber Brent von zeitweise über 25 Dollar je Barrel sind nahezu vollständig verschwunden und teilweise sogar in Abschläge übergegangen. Besonders irakisches Rohöl wird inzwischen deutlich günstiger angeboten. Damit wird deutlich, dass derzeit vor allen Dingen Risiken und Transportaufschläge zu den hohen Weltmarktpreisen führen. Der Ausfall von Schiffen und ihr Untergang, die Zerstörung von Raffinerien und anderer Ölinfrastruktur sind keine fiktiven Aspekte. Sie finden statt und bekommen einen spekulativen Preis. Man kann ihn auch Versicherungspreis nennen.
Man findet derzeit aber auch andere lokale Bedingungen am Weltmarkt. So haben russische Ölhändler die Preisaufschläge für ein sehr beliebtes ostsibirisches Rohöl gegenüber Brent aufgrund der hohen Nachfrage aus China und der geopolitischen Spannungen deutlich angehoben. Je nach Liefertermin liegen die Aufschläge derzeit bei 25 bis über 30 Dollar je Barrel. Allerdings stoßen diese hohen Preise zunehmend auf Widerstand bei chinesischen Raffinerien, deren Wirtschaftlichkeit dadurch unter Druck gerät. Gleichzeitig sind die zuvor stark gestiegenen Frachtraten von Ostrussland nach China wieder deutlich gesunken. Marktbeobachter rechnen daher mit einer baldigen Korrektur der russischen Ölpreise nach unten.
An den Börsen geben die Ölpreise zu Wochenbeginn nach. Unter die Tiefststände von Freitag haben es die Rohöl- und Gasölnotierungen allerdings noch nicht geschafft. Der Bewegungstyp dürfte eher zur Kategorie Volatilität als zum Typ geopolitische Entspannung gehören.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 100,72 Dollar
und das Barrel Brent zu 114,31 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.480,25 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8917 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1212 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben ein wenig nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie in allen kaufrelevanten Zeitbereichen tendenziell aufwärtsstreben. Angesichts der geopolitischen Umstände gibt es wenig Anlass, ein anderes Verhalten zu erwarten. Deshalb sollten Heizölkunden vorerst mit kleinen Preisverbesserungen zufrieden sein. Hinsichtlich der Frachtkosten auf dem Rhein gibt es leider auch keine nennenswerten Fortschritte. Die Pegel der Wasserstraße kommen allenfalls in homöopathischen Dosen hoch. Die Aufschläge für die meisten Zielhäfen liegen weiterhin jenseits von 200 Prozent.
Im Binnenmarkt zeigt sich die Nachfrage mittlerweile saisontypisch. Das Angebot ist im Großen und Ganzen ausreichend vorhanden. Partielle Versorgungsprobleme sind allerdings möglich. Hoffnung auf fallende Preise gibt es kaum noch. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem selten gesehenen Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
So funktioniert's:
- Auf den Button „Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen" klickentippen.
- Im Google-Fenster „Bevorzugte Quellen" bei esyoil den Haken setzen.
- Fertig – esyoil erscheint nun bei passenden Suchen weiter oben.
Sie benötigen ein Google-Konto und müssen angemeldet sein. Die Auswahl können Sie jederzeit in den Google-Sucheinstellungen ändern.
Heizölpreise-Chart vom 26. Oktober 2026
