Ölpreise auf Sechsmonatshoch. Eskaliert die Lage am Golf nach den US-Wahlen?
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Ölpreise setzen ihren Höhenflug zum Wochenschluss fort. Brent-Rohöl stieg heute Morgen bis auf knapp 115 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Stand seit Anfang Mai. Die US-Sorte WTI liegt knapp über der Marke von 100 Dollar.
Die Ursachen sind dieselben wie in den letzten Tagen. Die jemenitische Huthi-Miliz hat ihre Angriffe auf Saudi-Arabien verschärft. Nach dem Ölfeld Shaybah und dem Flughafen Dammam reklamiert sie jetzt auch Angriffe auf den Ölhafen Yanbu am Roten Meer. Gestern ließ Saudi Aramco seine Konzernzentrale in Dhahran räumen. Zuvor hatten bereits die USA einen Teil ihres Personals und Familienangehörige aus dem Königreich abgezogen.
Einige Ölhändler sehen in den Evakuierungen ein mögliches Vorzeichen für einen neuen US-Angriff auf den Iran. Nach einem Bericht der New York Times haben die USA und Israel Pläne für weitere Militärschläge nach den amerikanischen Kongresswahlen Anfang November ausgearbeitet. Die Seeblockade gegen iranische Häfen soll auf absehbare Zeit aufrechterhalten werden. Die iranischen Revolutionsgarden teilten gestern mit, dass sie sieben Schiffe im Persischen Golf angegriffen oder durch Minen beschädigt hätten. Allerdings gibt es dafür keine unabhängige Bestätigung.
Dabei fließt das Rohöl derzeit erstaunlich stabil. Die Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass die Rohölexporte aus dem Nahen Osten nur knapp unter den Vorkriegswerten liegen. Bei Diesel und Kerosin sieht es dagegen weniger gut aus. Die Risiken kosten jedoch bares Geld: Der Transport mit einem Supertanker vom Persischen Golf nach China kostet im Moment fast 35 Dollar je Barrel. In Friedenszeiten sind es weniger als zwei Dollar.
Hinter den Kulissen laufen daher harte Verhandlungen. Wer übernimmt die Frachtkosten? Exporteure wie der Irak oder die Raffinerie im Bestimmungsland? Oder können die höheren Preise auf die Verbraucher abgewälzt werden? Das Tauziehen fällt je nach Marktlage, Risikoszenario und Reaktion der Verbraucher aus.
Heute geht es zum Börsenstart in Europa weiter nach oben. Brent-Rohöl kostet aktuell 114,34 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 100,77 US-Dollar je Barrel
. ICE-Gasoil wird zu 1.486,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8921 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1206 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Auch die Heizölpreise ziehen spürbar an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von über 173 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Bis zum Jahreshoch fehlen jetzt nur noch fünf Euro.
Der Preissprung bei Gasoil, dem Vorprodukt von Heizöl und Diesel, ist in den aktuellen Preisen noch nicht vollständig enthalten. Es könnte also noch weiter aufwärts gehen.
Auch vom Rhein kommt vorerst keine Entlastung. Die Frachtraten für Tankschiffe bleiben vor dem Wochenende unverändert hoch. Ab Sonntag sollen die Pegel zwar steigen, aber nur für kurze Zeit. Danach erwarten die Prognosen wieder sinkende Wasserstände.
Der Heizölmarkt bleibt trotz der hohen Preise lebendig. Die Zahl der Bestellungen und die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegen im oberen Mittelfeld. Die Stimmung ist unverändert trüb. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen nur 53 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen. Das liegt unter dem Durchschnitt.
Fazit: Trotz der derzeit stabilen Versorgung mit Rohöl blickt der Ölmarkt pessimistisch auf die nächsten Wochen. Die Huthi-Angriffe, die Spekulationen über eine militärische Eskalation nach den US-Wahlen und die extrem hohen Frachtkosten halten die Preise auf einem hohen Niveau. Wer diesen Risiken aus dem Weg gehen will, sollte sich spätestens jetzt für den Winter mit Heizöl versorgen.
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Heizölpreise-Chart vom 23. Oktober 2026
