Gut für den Ölpreis: Iran und USA wollen doch wieder verhandeln
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Selbst Börsianer scheinen tiefere Ölpreise sehen zu wollen. Üblicherweise unterstellt man dieser Zunft Preistreiberei. Derzeit gibt es indes eine große Bereitschaft, jeden Strohhalm, auf dem nicht Krieg geschrieben steht, als Friedenschance zu bepreisen. So geschah es gestern Abend, nachdem der mehr oder minder ratlose US-Präsident erneuten Kontakt mit iranischen Offiziellen vermeldete. Die Ölpreise gaben zwischen vier und sieben Prozent nach.
Noch am Wochenende schien ein Scheitern der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und eine Eskalation des Konflikts wahrscheinlich. Inzwischen signalisieren jedoch beide Seiten wieder Gesprächsbereitschaft. Sie könnten noch während der Feuerpause neue Verhandlungen aufnehmen. Aus dem Weißen Haus hört man, dass der Iran Kontakt aufgenommen habe und eine Einigung anstrebe. Auch Teheran zeigte sich offen für weitere Gespräche, betonte aber, dass die wesentlichen Konfliktpunkte, ihr Atomprogramm und die Straße von Hormus, nicht schnell lösbar seien. Konkrete Pläne für neue Verhandlungen gibt es noch nicht, allerdings könnten Länder wie die Türkei, Ägypten oder Pakistan als Vermittler und mögliche Austragungsorte eine Rolle spielen. Ob eine Einigung gelingt, ist weiterhin ungewiss.
Momentan reicht die Aussicht auf Friedengespräche noch, um die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau zu halten. Die reale Verknappung von Öl wird diese Genügsamkeit aber bald beenden. Die vollständige Öffnung der Straße von Hormus ist für die Verhinderung einer Eskalation der Ölpreise von essenzieller Bedeutung. Die USA wollen die freie Durchfahrt nun mit der Blockade iranischer Häfen erzwingen. Dazu stoppen sie heranfahrende Schiffe bereits auf offener See. Erste Auswirkungen zeigen sich bereits in umkehrenden Tankern und weiter sinkendem Schiffsverkehr in der Meerenge. Experten erwarten, dass der wirtschaftliche Druck auf den Iran dadurch steigt. Sie warnen jedoch zugleich vor den globalen Folgen, wenn ein schneller Erfolg ausbleibt. Bei den anstehenden Verhandlungen scheint Teheran dem Land mit der größten Streitmacht der Welt also auf Augenhöhe gegenüber zu sitzen.
Wie dramatisch die reale Versorgungslage tatsächlich ist, macht die OPEC in ihrem gestern erschienenen Monatsbericht deutlich. Darin ist von einem historischen Einbruch der Ölproduktion die Rede. Die Fördermenge der Mitgliedsländer sank im März so stark wie noch nie. Sie fiel sogar stärker als während der Corona-Krise. Besonders betroffen ist die Produktion im Irak, in Saudi-Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emirate und in Kuwait. Es sind gemeinsam mit dem Iran die Hauptnutzer der Straße von Hormus. Die Nachfrage wurde indes nur leicht und vorübergehend nach unten angepasst, während langfristige Prognosen unverändert blieben. Insgesamt deutet der Bericht auf eine extrem angespannte Angebotslage hin, die in erster Linie der Sperrung der Meerenge geschuldet ist.
Heute Morgen wird der gestrige Rückgang der Ölnotierungen an den Börsen bereits wieder infrage gestellt. Rohöl- und Gasölpapiere weisen im Gleichtakt aufwärts. Bisher fällt das Ergebnis noch in den Spielraum der in diesen Tagen außerordentlich hohen Volatilität.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 96,70 Dollar
und das Barrel Brent zu 98,69 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.194,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8487 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1780 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen dabei dem späten Preisrückgang im gestrigen Börsenhandel. Auf mehr als ein Tagesereignis sollte man sich hier nicht einstellen. Insgesamt ist die Preisaussicht alles andere als freundlich. Im besten Fall halten die Preise, Stand heute, das aktuelle Niveau.
An den Tankstellen ist es nicht viel besser, auch wenn die Regierung nun für zwei Monate auf die Einnahmen der CO2-Abgabe verzichtet. Das entspricht ungefähr dem gegenständlichen Wert der beschlossenen Minderung von 17 Cent pro Liter. Auf die Einnahmen der etwas größeren Treibhausgasabgabe (THG-Quote), die dem gleichen Ziel dient wie die CO2-Abgabe, verzichtet man in Berlin indes nicht. Diese Abgaben sind der wesentliche Grund für die Spitzenposition, die die deutschen Kraftstoffpreise im EU-Vergleich innehaben.
Immerhin adressiert die Bundesregierung mit dem gestrigen Beschluss nun ihre eigene Verantwortung in der Preisentwicklung. Das ist nur folgerichtig, denn eine erneute Prüfung der deutschen Tankstellenpreise durch das Bundeskartellamt bestätigt weder den Vorwurf missbräuchlicher Preiserhöhungen noch den sogenannten Rakete-Feder-Effekt, nach dem Preiserhöhungen aufgrund äußerer Umstände schneller umgesetzt werden sollen als Preissenkungen.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt bekommt etwas Luft. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt den Realpreisen in umgekehrtem Sinn mit einer Verzögerung von circa einem Tag. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in vielen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die extreme Volatilität im Markt. Darin eine Kaufempfehlung im klassischen Sinn zu erkennen, fällt allerdings nicht leicht.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen kann und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 14. April 2026
