Heizölpreise stabil. Preisrisiken unverändert hoch
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Nach dem steilen Anstieg Anfang der Woche haben sich die internationalen Rohölpreise etwas beruhigt. Seit Dienstag bleiben sie in der Nähe von 84-85 Dollar je Barrel. Am heutigen Morgen kostet ein Barrel der Sorte Brent 84,6 Dollar je Barrel.
Weniger entspannt geht es am Persischen Golf zu. Auch in der letzten Nacht bombardierten die USA militärische und industrielle Ziele im Iran. Ein Öltanker, der auf dem Weg zu einem iranischen Hafen war, wurde stark beschädigt. Teheran drohte seinerseits mit neuen Angriffen auf den Schiffsverkehr und griff US-Militärbasen in der Region an. Größere Schäden gab es dadurch offenbar nicht.
Gleichzeitig verzeichnet die Ukraine Erfolge bei ihren Angriffen auf die russische Ölindustrie. Zahlreiche Öl- und Gastanker im Schwarzen Meer sowie Ölraffinerien weit im russischen Hinterland waren das Ziel. Zahlreiche russische Regionen können offenbar nicht mehr ausreichend mit Kraftstoffen versorgt werden.
Die Stimmung an den Ölbörsen bleibt trotzdem relativ entspannt. Die Tanker, die in der letzten Woche die Meeresenge unbehelligt passieren konnten, werden in den nächsten Wochen die Absatzmärkte in Asien und Europa versorgen. Auch in diesen Tagen riskieren immer wieder einzelne Öltanker die Durchfahrt.
Die Trader setzen offenbar darauf, dass die Lage ähnlich wie im Juni nicht weiter eskaliert und sich über kurz oder lang wieder beruhigt. Die Analysten stochern dagegen im Dunkeln. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht den Ölpreis im vierten Quartal irgendwo zwischen 60 und 110 Dollar je Barrel.
Die Mineralölkonzerne sind in dieser Krisensituation die lachenden Dritten. Gestern meldete BP, dass die Aktionäre trotz der Produktionsausfälle in der Krisenregion ein deutlich besseres Ergebnis erwarten können. Die Gewinnmargen der Raffinerien sind im Vergleich zum Vorjahr um 149 Prozent gestiegen.
Unterdessen geht der weltweite Lagerabbau weiter. Der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt zeigt, dass die gewerblichen Rohölbestände trotz der Freigabe von weiteren drei Millionen Barrel aus der staatlichen Reserve geschrumpft sind.
Die Veränderungen fallen allerdings weniger dramatisch aus als in den Wochen zuvor. Im Bereich Heizöl/Diesel gab es sogar einen kräftigen Lageraufbau. Ein starker Rückgang der Exporte hat den US-Markt entlastet.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +4,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -3,0 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen in Europa gehen in einer abwartenden Stimmung in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 84,46 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 79,40 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1140,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8715 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1471 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise liegen am Morgen nur noch knapp unter der Marke von 130 Euro. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 129,2 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Die Preise sind damit wieder auf dem Niveau der ersten Maihälfte.
Zwar ist der internationale Rohölpreis in den letzten Monaten stark gesunken, aber die Preise für Gasoil (Diesel/Heizöl) stiegen in den letzten Tagen kräftig an. Die Margen der Ölraffinerien haben das Rekordniveau der ersten Krisenwochen bereits wieder erreicht. Das zieht nun auch die Heizölpreise (und die Tankstellenpreise) mit nach oben.
Der plötzliche Preisanstieg hat die Verbraucherinnen und Verbraucher offenbar verschreckt. Die Kaufbereitschaft ist gering. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass die Preispessimisten wieder knapp in der Überzahl sind.
Wer noch Reserven hat, wartet offenbar ab und hofft auf bessere Preise bis zum Herbst oder Winter. Doch das ist ein riskantes Spiel. Die Lage im Persischen Golf spitzt sich wieder zu. Gleichzeitig fallen immer mehr russische Ölexporte aus.
Sollten die USA oder China beschließen, den Ölmarkt nicht weiter durch hohe Exporte bzw. niedrige Ölimporte zu entlasten, könnten die Heizölpreise im Spätsommer oder Herbst auf neue Rekordwerte steigen.
Heizölpreise-Chart vom 16. Juli 2026
