Bomben, Drohnen und Raketen am Persischen Golf bringen Ölpreise in Wallung
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Vor einer Woche befanden sich die Rohölpreise noch nahe dem Tiefpunkt eines Abwärtstrends, während die Preise für Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, bereits aufwärtsstrebten. Für die Produktenpreise war die zu der Zeit entspannte Lage am Persischen Golf nur ein Einflussfaktor unter anderen, beispielsweise dem Zustand der russischen Raffinerien, die durch die andauernden ukrainischen Drohnenangriffe erheblich demoliert wurden. Wenig später war der Frieden an der Straße von Hormus ebenfalls vorbei. Nun wurden alle Preise auf ein höheres Niveau gehoben.
Die völlige Eskalation blieb der Welt in den letzten Tagen immerhin erspart. Das gilt auch für die Ölpreise. Sie befinden sich in einer außerordentlich volatilen Phase, in der heute Morgen Auftrieb angezeigt ist. Hierin offenbart sich die wellenartig auftretende Ausübung militärischer Gewalt durch die beiden Kontrahenten, die eigentlich einen Friedensvertrag auszuhandeln vorgeben. Man könnte meinen, Washington und Teheran brauchten solche Einlagen wie die Luft zum Atmen.
Die Chronik des Unsinns vermerkt erneute Angriffe der USA auf militärische Ziele im Iran, die die Fähigkeit des Landes schwächen soll, Attacken auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus durchzuführen. Genau das sei tags zuvor geschehen. Während das Weiße Haus die wichtige Meerenge für weiterhin offen erklärt, bestreitet der Iran dies unter Verweis auf die US-Bombardements. Als Reaktion hat der Iran nach eigenen Angaben Drohnen und Raketen auf mehrere US-Militärstützpunkte und von den USA genutzte Einrichtungen im Persischen Golf abgefeuert. Zudem soll erstmals seit Wochen eine kuwaitische Offshore-Ölbohranlage getroffen worden sein. Teheran bezeichnet die Angriffe als legitime Selbstverteidigung nach internationalem Recht.
Unabhängige Beobachter notierten gestern übrigens nur sechs Schiffe, die die Passage bei Hormus absolvierten. Das wäre der geringste Schiffsverkehr seit fünf Wochen.
Wäre die Lage friedlicher, könnten wir uns auf fallende Ölpreise freuen. Das geht zumindest aus dem aktuellen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Darin meldet sie für Juni einen deutlichen Anstieg des globalen Rohölangebots. Auf dieser Basis erwartet die IEA bereits zum Jahresende einen überversorgten Markt. Zugleich warnt sie, dass die persistenten Kampfhandlungen diese positive Prognose schnell zunichtemachen können.
Nun gut, die technischen Gespräche zwischen USA und Iran werden trotz der jüngsten militärischen Eskalationen fortgesetzt. An den diplomatischen Lösungen wird festgehalten. Am Ölmarkt rechnet man weiterhin mit einer Eindämmung des Konflikts und praktikablen Lösungen für die Ölexporte. Das vermag die preislichen Eskapaden derzeit noch zu begrenzen.
Derweil setzt die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölanlagen fort. Zuletzt wurden dabei die Raffinerie in Ilski nahe der Krim sowie mehrere Öllager in der Region Rostow getroffen. Die Raffinerie, die für die Treibstoffversorgung im Südwesten Russlands von großer Bedeutung ist, wurde seit Beginn des Krieges bereits mehrfach angegriffen. Das Ausmaß der jüngsten Schäden und mögliche Auswirkungen auf den Betrieb sind bislang unklar.
Analysten zufolge wird die Versorgung mit Kraft- und Brennstoffen angesichts ausbleibender russischer Lieferungen, unsicherer chinesischer Exporte und der Konflikte im Nahen Osten vorerst angespannt bleiben. Die daraus folgenden knappen Produktvorräte und Russlands angekündigtes Dieselexportverbot haben die Raffineriemargen auf ein Vierjahreshoch getrieben.
Die Börse eröffnete heute Morgen mit einem Sprung von vier Prozent deutlich über den Freitagshochs. Während die Rohölnotierungen mittlerweile etwas nachgeben, halten die Gasölnotierungen das Niveau.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 73,31 Dollar
und das Barrel Brent zu 78,15 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.048,25 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8740 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1439 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen wieder einmal, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben und ihren eigenen Trendkanälen. Positiv anzumerken ist, dass die beiden kurzfristigen Trends abwärts zeigen. Das schürt natürlich die Hoffnung auf fallende Preise. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit kann sich das Blatt allerdings schnell in die andere Richtung wenden. Das droht nach wie vor sehr konkret, weil die Preisbewegung in der 3-Monats-Ansicht wieder am oberen Rand des Trendkanals angekommen ist und diesen zu durchbrechen bzw. zu verschieben scheint.
Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise ist auch nicht gerade berauschend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem relativ starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Das vollständige Ende des erhöhten Preisniveaus ist noch fern. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, kann sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt deutlich tieferen Preisen entgegensehen.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass das Ende des Heizungsgesetzes der Ampelregierung letzten Freitag im Bundestag beschlossen wurde. Es wird durch ein Gesetz ersetzt, dass den Einbau von Ölheizungen auch zukünftig erlauben wird. Näheres zum Thema gibt es morgen.
Heizölpreise-Chart vom 13. Juli 2026
