Hurrikan und Angriffe im Persischen Golf. Ölpreise springen nach oben
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Ölpreise ziehen an. Brent-Rohöl kostet am Morgen über 103 Dollar je Barrel und damit über zwei Dollar mehr als gestern Abend. Gleich drei Faktoren treiben die Notierungen: neue Spekulationen über einen US-Militärschlag gegen den Iran, die wieder zunehmenden Angriffe auf Tanker am Persischen Golf und ein Hurrikan, der einen Teil der amerikanischen Ölförderung im Golf von Mexiko lahmlegt.
Die in der letzten Woche beschlossene Freigabe strategischer Ölreserven ist schon wieder Schnee von gestern. Mittlerweile ist klar, dass die zusätzlichen Mengen gering bleiben und das Preisniveau kaum beeinflussen können. Die Europäer waren von der Idee ohnehin nicht begeistert. Trump wiederum wollte vor allem Schlagzeilen, die im Wahlkampf Eindruck machen.
Für neue Nervosität sorgt ein Bericht des US-Magazins The Atlantic. Demnach hat das Weiße Haus das Pentagon aufgefordert, Optionen für Militärschläge gegen den Iran vorzulegen, die noch vor den Kongresswahlen am 3. November durchgeführt werden könnten. Bislang war der Markt davon ausgegangen, dass Trump eine Eskalation vor dem Urnengang scheut.
Auch vor Ort wird die Lage gefährlicher. Die britische Seehandelsbehörde UKMTO zählt im Oktober bereits neun Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus. Gestern wurde ein Tanker nördlich von Katar von mehreren Geschossen getroffen. Nach Angaben der UKMTO gab es dabei mehrere Opfer. Es war der erste Angriff weit im Inneren des Persischen Golfs seit rund einem Monat. Bei Angriffen der Huthis auf die Flughäfen in Riad und Abha starben drei Menschen.
Die neuen Angriffe bremsen offenbar den Ölfluss vom Persischen Golf, der in der letzten Woche fast wieder das Vorkriegsniveau erreicht hatte. Und sie verteuern die Versorgung: Die Frachtraten für Supertanker springen in dieser Woche auf neue Rekordwerte. Ein Tankertransport aus den USA nach Asien kostet nach Marktberichten 77 Mio. Dollar. Im letzten Jahr waren es durschnittlich nur 9 Mio. Dollar.
Hinzu kommen Produktionsausfälle vor der Küste der USA. Der Sturm Isaias hat sich über dem Golf von Mexiko zu einem Hurrikan der Kategorie 1 entwickelt. Ölkonzerne wie Shell und Chevron haben zahlreiche Plattformen evakuiert. Etwa 500.000 Barrel pro Tag der Offshore-Förderung stehen still. Das ist etwa ein Viertel der Produktion in dieser Region. Kritisch würde es vor allem dann, wenn auch die Raffinerien an der Küste getroffen werden.
Der gestrige Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt fiel ebenfalls preistreibend aus. Die Rohölbestände sanken deutlich. Die Bestände bei den Hauptprodukten veränderten sich nur wenig. Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: ±0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -0,8 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten am heutigen Morgen mit kräftigen Aufschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 103,33 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 90,78 US-Dollar je Barrel
. ICE-Gasoil wird zu 1.450,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8932 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1194 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Auch Heizöl wird von den internationalen Preisvorgaben nach oben gezogen. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 166 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Der Hauptgrund ist wieder einmal Gasoil, das Vorprodukt von Diesel und Heizöl. Die Notierungen legten gestern um sieben Prozent zu und steigen heute weiter.
Gute Nachrichten kommen dagegen vom Rhein. Die Niederschläge der letzten Tage lassen die Pegel steigen. Die Tankschiffe können wieder mehr laden und die Frachtraten sinken. Eine vollständige Unterbrechung der Schifffahrt ist damit vorerst abgewendet.
Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt im oberen Mittelfeld. Auch die Zahl der Bestellungen ist aktuell sehr hoch. Die Stimmung hat sich eingetrübt. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen nur noch 62 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen. Gestern lag der Anteil der Optimisten noch bei 77 Prozent.
Fazit: Die Ölmärkte bleiben nervös. Angriffe am Persischen Golf, der erste Hurrikan der Saison im Golf von Mexiko und die Spannungen im Dieselmarkt deuten auf anhaltend hohe Heizölpreise. Wer demnächst Brennstoff braucht, sollte daher den Tank rechtzeitig vor dem Winter auffüllen.
So funktioniert's:
- Auf den Button „Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen" klickentippen.
- Im Google-Fenster „Bevorzugte Quellen" bei esyoil den Haken setzen.
- Fertig – esyoil erscheint nun bei passenden Suchen weiter oben.
Sie benötigen ein Google-Konto und müssen angemeldet sein. Die Auswahl können Sie jederzeit in den Google-Sucheinstellungen ändern.
Heizölpreise-Chart vom 08. Oktober 2026
