Im Weißen Haus weiß man nicht ein und nicht aus
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
In einer Momentaufnahme der letzten zwei Wochen wirkt die Preisentwicklung recht undramatisch. Auch die Höhe der Rohölkontrakte lässt nicht unbedingt eine Kriegslage vermuten. Einzig das Niveau beim Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, weist auf eine außergewöhnliche Situation hin.
Das beschwichtigende Eingangsstatement folgt Meldungen über die Rohölexporte der Golfstaaten im September. Sie seien deutlich gestiegen, vor allem durch höhere Lieferungen aus Saudi-Arabien. Gründe sind unter anderem die Umleitung saudischer Exporte nach dem Ausfall der Ost-West-Pipeline sowie offenbar ein wachsendes Vertrauen in die Passage durch die Straße von Hormus. Natürlich liegen die geschätzten Exportmengen mit knapp 13 Mio. Barrel pro Tag weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau von 20 Mio. Barrel am Tag. Aber ihnen haftet eine Art stabiles Grundniveau an, das goutiert wird.
Analysten weisen allerdings darauf hin, dass ein Großteil des Exportanstiegs auf teuren Transportlösungen wie dem Umschlag von Schiff zu Schiff basiert. Bereits die Methodik sorgt für höhere Ölpreise. Von einem Normalbetrieb ist sie weit entfernt.
Ob die Erholung anhält, ist angesichts der Spannungen zwischen den USA und Iran sowie fortwährender Tankerangriffe ungewiss. Die Kontrahenten tasten sich weiter an eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus heran. Außenminister Abbas Araghtschi zufolge liegen neue Vorschläge auf dem Tisch, die über Katar an Washington weitergereicht werden sollen. Eine Antwort könnte bereits am Dienstag kommen. Nachdem Trump einen früheren iranischen Vorschlag abgelehnt hatte, laufen die indirekten Gespräche über die Vermittler Katar und Pakistan nun offenbar auf Hochtouren. Kurz gesagt: Die diplomatischen Drähte glühen, während die Straße von Hormus vorerst mit den Gefahren umgeht.
Prognostik in der Angelegenheit ist reine Spekulation und das umso mehr, wenn sie Postings von Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform folgt. Dort hat er einen Bericht der Nachrichten-Website Axios energisch ins Reich der Fake News verwiesen. Demnach soll er dem Iran für Zugeständnisse beim Atomprogramm Sanktionserleichterungen und eingefrorene Gelder angeboten haben. Die Ölmärkte hatten die vermeintliche Annäherung gestern Abend kurzzeitig mit fallenden Preisen quittiert.
Derweil schaut man am Ölmarkt besorgt einem vom Weißen Haus ins Auge gefassten Exportverbot für Diesel entgegen. Es wird als Mittel gegen hohe Preise diskutiert. Laut Goldman Sachs könnte es zu einem klassischen Eigentor werden. Diesel würde in den USA zwar zunächst billiger werden, doch volle Lager könnten Raffinerien bald darauf zur Produktionsdrosselung zwingen. Das hätte einen weiteren Anstieg der Benzinpreise zur Folge. Europa, das im regen Kraftstoffaustausch mit den USA steht, müsste gleichzeitig mit höheren Preisen rechnen. Nach Aufhebung des Verbots könnten schließlich auch die US-Dieselpreise wieder steigen. Was also an der US-Zapfsäule zunächst nach Entlastung aussieht, könnte am Ende nur die Rechnung auf eine andere Säule verschieben.
So beschwichtigend wie der Auftakt dieses Textes ist auch der Blick auf die morgendliche Börse. Dort schwingen die Rohölnotierungen um das gestern erreichte Schlussniveau. Die Gasölpreise bilden indes eine abwärts gerichtete Kurve aus, die das gestrige Tagestief bereits passiert hat. Natürlich kann das Bild in Kürze wieder ein vollkommen anderes sein. So ist sie, die Börse.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 93,07 Dollar
und das Barrel Brent zu 105,93 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.405,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8809 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1349 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise weisen zur Stunde aufwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das würde sich ändern, sobald das momentane Börsengeschehen Verlässlichkeit signalisiert. Von einer grundsätzlichen Änderung hin zu einem Abwärtstrend ist die Preisbewegung allerdings weit entfernt. Sämtliche Trendkanäle in den kaufrelevanten Zeitbereichen weisen stabil aufwärts. Im Vergleich zum Vorjahr ist Heizöl aktuell über 80 Prozent teurer. Darin enthalten ist die Erhöhung der staatlichen CO2-Abgabe. Die Preisaussichten sind leider immer noch schlecht, da sich bei den ursächlichen geopolitischen Störungen keine Besserung abzeichnet. Dennoch sollte man diese Angelegenheit nicht als Ewigkeitserscheinung ansehen. Bisher haben alle Kriege auf dieser Welt ein Ende gefunden. Das gilt übrigens auch für die extrem niedrigen Pegel auf dem Rhein. Sie halten die Frachtkosten sehr hoch. An einem Wiederanstieg der Pegel sollte man dennoch nicht zweifeln.
Im Binnenmarkt zieht die Nachfrage etwas an. Die Hoffnung auf fallende Preise gibt indes nach. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem eher schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 29. September 2026
