Ölpreise im Höhenflug. Brent-Rohöl nähert sich der 70-Dollar-Marke
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Ölpreise steigen weiter und nähern sich der 70-Dollar-Marke. Brent-Rohöl kostet aktuell 69,7 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Stand seit September.
Der Ausbruch der Preise hat viele Marktteilnehmer überrascht, denn bis zur letzten Woche sah es eher danach aus, dass die 60-Dollar-Marke nach unten durchbrochen wird. Zahlreiche Trader, die auf fallende Ölpreise spekuliert hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt und müssen nun rasch nachkaufen. Das beschleunigt den Preisanstieg noch zusätzlich.
Dabei hat sich die Lage auf dem Ölmarkt nicht grundsätzlich verändert. Die Winterstürme haben die Ölproduktion in den USA einige Tage lang gebremst. Erste Einschätzungen sprechen aber nur von 4-5 Prozent der Förderanlagen, die ihren Betrieb vorübergehend einstellen mussten. Die Lage hat sich inzwischen normalisiert. Das gilt auch für die technischen Probleme, die das große Ölfeld Tengiz in Kasachstan immer wieder heimsuchen. Die Produktion soll in den nächsten Tagen wieder anlaufen.
Größeren Einfluss hat der sehr schwache Dollar, der den Ölkauf in allen anderen Währungsräumen billiger macht. Gegenüber dem Euro hat die US-Währung in den letzten Tagen drei Prozent an Wert verloren. Für den Ölhandel in Europa fällt der Ölpreisanstieg daher weniger steil aus.
In den Medien dominiert allerdings das Thema Iran die Schlagzeilen. Präsident Trump verschärfte in den letzten Tagen seine Drohungen gegen das Regime in Teheran. Schon seit einiger Zeit sind zusätzliche US-Flottenverbände in die Region unterwegs.
Das Säbelrasseln sorgt auch an den Ölbörsen für Unruhe, ist aber schwer einzuschätzen. Selbst die Bombenangriffe auf iranische Atomanlagen im letzten Jahr hatten keinen nachhaltigen Einfluss auf die Ölpreise. Der Tankerverkehr durch den Persischen Golf lief ungestört weiter. Auch Teheran ist auf die Einnahmen aus den Ölexporten angewiesen, die hauptsächlich in Richtung China unterwegs sind.
Eher entspannt wirken dagegen aktuelle Zahlen zum amerikanischen Ölmarkt. Nach dem kräftigen Lageraufbau in den Vorwochen meldete die amerikanische Energiebehörde EIA nur geringe Veränderungen. Die Auswirkungen der Winterstürme sind hier allerdings noch nicht zu sehen.
Die Zahlen zeigen einen leichten Abbau der Rohöllager und nahezu unveränderte Bestände bei den Hauptprodukten Benzin und Diesel/Heizöl. Der Bericht wurde an den Ölbörsen schnell abgehakt. Er stand dem Ölpreisanstieg nicht im Weg, beschleunigte ihn aber auch nicht.
Hier zusammenfassend die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
Kurz nach Eröffnung der Ölbörsen geht der Höhenflug der Ölpreise weiter. Brent-Rohöl kostet aktuell 69,74 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 64,54 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 704,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8352 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1970 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.
Nationaler Markt
Die internationalen Ölbörsen ziehen auch die Heizölpreise in Deutschland mit nach oben. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittswert von 92,2 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Das liegt allerdings noch weit unter den Preisen vom November. Damals waren extrem hohe Raffinerieprofite dafür verantwortlich, dass die Heizölpreise nach oben sprangen. Doch die Lage hat sich inzwischen normalisiert. Zusammen mit dem starken Euro sorgt die entspannte Versorgungslage jetzt dafür, dass der Anstieg der Rohölpreise nur abgeschwächt im deutschen Heizölmarkt ankommt.
Die Verbraucher bleiben daher entspannt. Die Zahl der Bestellungen ist moderat und liegt auf einem ähnlichen Niveau wie in der letzten Woche. Der Optimismus ist allerdings gedämpft. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass ein Drittel der Stimmen steigende Heizölpreise erwartet. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten Monate.
Etwas Vorsicht ist in der Tat angebracht. Noch ist völlig unklar, ob Trump erneut militärisch gegen den Iran vorangehen wird. Die geopolitische Unsicherheit und die Fehltritte einiger Spekulanten könnten aber auch in den nächsten Tagen für höhere Ölpreise sorgen.
Über kurz oder lang wird sich aber wieder die Überversorgung im Rohölmarkt bemerkbar machen und für einen Kurswechsel an den Ölbörsen sorgen. Wer jedoch schon heute vor einem leeren Tank steht, kann sich zu immer noch vergleichsweise niedrigen Preisen mit Heizöl versorgen.
Dabei gilt aber nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 29. Januar 2026
