Irankrise zieht sich hin. Starker Lageraufbau in den USA. Ölpreise wenig verändert
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Rohölpreise bleiben am Morgen knapp unter der 70-Dollar-Marke. Die Leitsorte Brent kostet im Moment 69,6 Dollar je Barrel.
Das weltweite Überangebot an Rohöl könnte auch deutlich niedrigere Preise rechtfertigen. Erst gestern zeigte der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt steil steigende Lagerbestände. Die Vorräte in den Tanklagern legten im Wochenvergleich um stattliche 8,5 Millionen Barrel zu. Bei den wichtigsten Ölprodukten gab es nur geringe Veränderungen. Die Ölförderung in den USA hat die Winterstürme offenbar sehr schnell hinter sich gelassen. Die Fördermengen sind wieder in der Nähe des Allzeithochs.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +8,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +13,4 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Aber die Trader und die Medien blicken vor allem Richtung Iran. Die Rhetorik ist in Washington ebenso wie in Teheran wie üblich sehr scharf. Aber das Weiße Haus will offenbar nicht eskalieren. Trump kündigte vage die Verlegung eines weiteren Flugzeugträgers in die Region an, will aber vor allem auf Verhandlungen setzen.
Allerdings gibt es nach der ersten Gesprächsrunde keine greifbaren Fortschritte. Ebenso bleibt unklar, wann und wo die nächsten Gespräche stattfinden sollen. Die Krise wird sich also hinziehen. Einige Dollar Risikoprämie werden wohl in den Ölpreisen bleiben.
Auch das allgemeine wirtschaftliche Umfeld spricht für stabile Preise. Die Konjunktur und der Arbeitsmarkt in den USA präsentieren sich weiterhin robust. Die Arbeitslosigkeit bleibt auf einem sehr niedrigen Niveau, weitaus geringer als nach dem Start der Zollkriege im letzten April befürchtet worden war.
Die Aktien- und Devisenmärkte haben sich von ihrer kurzen Krise Anfang Februar erholt. Der Dollar ist im Moment stabil, und der Kurseinbruch bei den Kryptowährungen wurde verdaut. Etwas Unruhe ist dennoch zu spüren. Erstmals hat die Veröffentlichung neuer KI-Produkte die Aktienkurse ganzer Branchen einbrechen lassen. Dieses Mal traf es die Rechts- und Finanzberatung, die durch KI einen großen Teil ihres Geschäfts verlieren könnten. Das wird nicht die erste Krise dieser Art sein. Ein neues Zeitalter hat begonnen.
Im Ölmarkt geht es im Vergleich dazu geradezu gemächlich zu. Die Trader warten auf den Monatsbericht der Internationalen Energieagentur. Er soll zeigen, welchen Umfang das globale Überangebot an Rohöl derzeit erreicht hat und wie sich die zuletzt schrumpfenden Ölexporte Russlands entwickeln.
Die Ölbörsen beginnen den Handelstag mit geringen Preisveränderungen. Brent-Rohöl kostet aktuell 69,57 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 64,82 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 696,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8420 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1874 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.
Nationaler Markt
Die deutschen Heizölpreise haben sich in den letzten 10 Tagen kaum bewegt. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen fast unveränderten landesweiten Durchschnittswert von 92,9 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Die Zahl der Bestellungen ist in den letzten Tagen gestiegen und liegt jetzt über dem Durchschnitt. Der Kaufdruck ist regional unterschiedlich groß. Im Norden und Osten herrschen noch immer winterliche Temperaturen, während im Süden und Westen zweistellige Pluswerte erreicht werden. Darüber werden sich besonders die Haushalte in Bayern freuen, denn die Bayernoil-Raffinerie in Neustadt kann die Region wegen dringender Reparaturarbeiten nur eingeschränkt versorgen.
Die tägliche Lesereinschätzung zeigt heute durchschnittliche Werte. Knapp ein Drittel der Stimmen erwartet demnächst steigende Heizölpreise.
Handel und Verbraucher warten ab. Heizöl ist seit Jahresbeginn etwas teurer geworden, aber im Moment spricht nichts für noch höhere Preise. Washington zögert in der Irankrise. Trump wird mit Blick auf die Kongresswahlen im Herbst höhere Tankstellenpreise und außenpolitische Abenteuer wohl eher vermeiden wollen, aber eine Eskalation ist aus einer Laune heraus jederzeit denkbar. Wer solchen Risiken aus dem Weg gehen will, kann sich aktuell zu sehr moderaten Preisen versorgen.
Dabei gilt aber nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 12. Februar 2026
