Zum Seiteninhalt

Nun macht der Winter die Ölpreise

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Seit Beginn des neuen Jahres steigen die Ölpreise. Dieser Umstand kommt unerwartet, da der Markt als außergewöhnlich gut versorgt gilt. Aber aufgrund des heftigen Wintereinbruchs diesseits und vor allen Dingen jenseits des Atlantiks sowie geopolitischer Unwägbarkeiten gelingt es nicht, das üppige Ölangebot in den Preisen sichtbar werden zu lassen. Statt dessen ist Rohöl der Sorte Brent um acht Prozent teurer geworden und Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, sogar um zwölf Prozent.

Durch das ungewöhnlich kalte Winterwetter in Europa steigt die Heiznachfrage stark an. Dadurch legt der Heizölpreis zwar tendenziell etwas zu, Versorgungsengpässe stehen aber nicht auf der Tagesordnung. Sorgenvoll blickt man indes auf die Erdgasreserven. Sie schrumpfen in diesen Tagen so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Füllstände der europäischen Speicher liegen inzwischen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. In Deutschland sind sie mit einem Füllgrad von 38 Prozent besonders niedrig. Das erhöht den Druck, die Speicher im Sommer durch zusätzliche Importe wieder aufzufüllen. Da die LNG-Importe nur weniger als die Hälfte der entnommenen Mengen ausgleichen, werden europäische Käufer längerfristig höhere Preise zahlen müssen, um die Versorgung zu sichern.  

In den USA hat sich die andauernde Kältewelle zu einem schweren Wintersturm ausgeweitet. In mindestens 20 Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Hunderttausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Das extreme Wetter trifft auch die Öl- und Gasindustrie. An der Golfküste, wo besonders viele Raffinerien stehen und Wintereinbrüche selten sind, kommt es vielerorts zur Abschaltung der Anlagen. Am US-Markt stützt das kurzfristig die Preise. Langfristige Effekte werden aber nicht erwartet, da die Ausfälle wahrscheinlich nur vorübergehend sind.

In Kasachstan entspannt sich die Lage bei den Öllieferungen. Die Reparaturen am CPC-Ölterminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk sind abgeschlossen, sodass die Verladungen nach wochenlangen Einschränkungen wieder normal laufen können. In dem Terminal standen seit November nur zwei von drei Anlegern zur Verfügung, nachdem sie durch einen Drohnenangriff aus der Ukraine schwer beschädigt worden waren. Unklar bleibt dagegen die Situation am Tengiz-Ölfeld. Es ist eines der größten in der Region. Die Produktion ist seit einem Brand vor einer Woche unterbrochen.

Die nicht endenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA beunruhigen den Ölmarkt fortwährend. Die in Aussicht gestellte Entsendung einer US-Flotte Richtung Iran schürt erneut Sorgen über mögliche Lieferausfälle und treibt einen Risikoaufschlag in die Ölpreise. Der Iran reagierte scharf mit der Ansage, dass man einen Angriff als umfassenden Krieg werten würde. Auch wenn ein militärischer Konflikt aktuell eher unwahrscheinlich ist, erhöht jede weitere Eskalation die Unsicherheit am Markt.

Bei den Friedensbemühungen zum Ukraine-Krieg kam es nach vielen Ankündigungen endlich zu einem trilateralen Treffen. Es wird als deutliches diplomatisches Signal für den Eintritt in eine neue Phase gewertet. Laut Präsident Selensky sei ein Dokument über Sicherheitsgarantien der USA bereits erstellt und könne alsbald im US-Kongress und im ukrainischen Parlament ratifiziert werden. Eine Vereinbarung mit Russland über eine Feuerpause steht indes so wenig in Aussicht wie die Annäherung zu territorialen Fragen und strategischen Forderungen. Gleichwohl sollen die Verhandlungen in Abu Dhabi ab dem 1. Februar fortgesetzt werden.

Den Ölpreisen fehlen derzeit deutlich entspannende Impulse. Das Wissen um sehr viel Öl als greifbare Reserve für den Markt reicht nicht aus, um sie tatsächlich tiefer zu legen. Diese Sicht wird an den Ölbörsen abgebildet. Nach dem deutlichen Freitagsanstieg tendieren die Notierungen heute Morgen wieder nach oben, führten die Fortsetzung bis zur Stunde aber nicht aus.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 61,08 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 65,95 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 688,75 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8433 Euro Preise fallen. Damit kostet der Euro 1,1855 Dollar Preise steigen. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen wieder, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit liegen sie auf Kurs mit den internationalen Vorgaben. Prognosen sind angesichts unberechenbaren Winterwetters und erratischer Geopolitik schwierig. Als Hoffnungsträger für sinkende Preise kann nur der Blick auf die verschiedenen Preischarts herhalten. Die Trendkanäle weisen in allen Zeitbereichen abwärts. Der Wermutstropfen dabei ist, dass die gesamten Informationen hinter diesen Grafiken auf Vergangenheitsdaten basieren. Die Zukunft muss sich keinesfalls daran halten.  

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist leidlich belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise bleibt hoch. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen gerade noch auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, muss zu diesen Preisen kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, sollte gegebenenfalls nicht vollgetankt werden.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 26. Januar 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 26. Januar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 26. Januar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

Lesen Sie auch: