Ölpreise fallen mit neuer Hoffnung auf Iran-Abkommen
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Ölpreise geben am Morgen nach. Brent-Rohöl notiert bei 96,40 Dollar je Barrel. Auslöser sind neue Erwartungen an eine diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran. Im Mittelpunkt steht dabei einmal mehr die Aussicht auf eine vorübergehende Öffnung der Straße von Hormus.
Nach iranischen Angaben konzentrieren sich die Gespräche auf einen letzten offenen Punkt: die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Eine Hürde, die deutlich kleiner erscheint als die Streitigkeiten um die nuklearen Fragen, die erst später verhandelt werden sollen. Für den Ölmarkt entscheidend ist die Aussicht auf eine um 60 Tage verlängerte Waffenruhe, verbunden mit der Öffnung der wichtigen Handelsroute für den weltweiten Öltransport.
Für Verunsicherung und Skepsis sorgt allerdings die angespannte militärische Lage, nachdem das US-Militär zuletzt iranische Raketenstellungen und Minenlegerboote angegriffen hatte. Die USA sprechen von Selbstverteidigung. Der Iran hat einen Gegenschlag angekündigt, der bislang jedoch noch nicht erfolgt ist. US-Außenminister Rubio hält ein Abkommen mit dem Iran dennoch für möglich und erwartet es sogar in den nächsten Tagen.
Die widersprüchlichen Signale bleiben der zentrale Risikofaktor für den Markt. Einerseits nährt der Umstand, dass die Gespräche trotz der militärischen Zwischenfälle weiterlaufen, die Hoffnung auf Entspannung und auf Öltransporte, die bislang im Persischen Golf blockiert sind. Andererseits erhöht die Serie gegenseitiger Angriffe – während der aktuellen Waffenruhe – das Risiko einer erneuten Eskalation.
Sollte der erste Schritt zu einem Abkommen gelingen, dann soll während der 60-tägigen Waffenruhe über das Atomprogramm verhandelt werden. Genau hier liegt allerdings die eigentliche Herausforderung. Das heißt: Ein Verhandlungserfolg jetzt ist nichts weiter als ein erster Schritt. Der größte Brocken mit allen Risiken wartet noch.
Damit bleibt die Lage an den Ölmärkten fragil. Ob es in den nächsten Tagen tatsächlich zu einer diplomatischen Einigung kommt oder der Konflikt erneut eskaliert, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Zum Start in die Wochenmitte setzen die Trader zunächst auf Diplomatie.
An der Ölbörse geht es heute Morgen abwärts. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 90,34 Dollar
. Brent kostet 96,57 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1038,75 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8586 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1644 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise sinken erneut und markieren den niedrigsten Stand seit der Preisrallye zu Beginn des Iran-Krieges. Am Morgen liegt der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 117,70 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Für den Preisrückgang sorgt einmal mehr die Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran. Glaubt man den Akteuren beider Seiten, scheint sie greifbar nah. Doch wir waren schon mehrfach an diesem Punkt, und das Konfliktpotenzial ist nach wie vor hoch. Entscheidend bleibt deshalb, ob mit einem ersten Schritt, die vorübergehende Öffnung der Straße von Hormus gelingt.
Sollte nun ein diplomatisches Abkommen getroffen werden, dürften die Preise einen spürbaren Abwärtsschritt machen. Größere Rückgänge in Richtung der Heizölpreise vor Kriegsausbruch wären allerdings nur bei einer dauerhaft entspannten Lage rund um die Meerenge realistisch.
Die Zahl der Heizölbestellungen hat mit dem etwas niedrigeren Preisniveaus wieder einen durchschnittlich starken Wert erreicht. Die Hoffnung auf einen Preisrückgang war lange Zeit verhalten ausgeprägt, hat sich zuletzt jedoch wieder deutlich aufgehellt. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen 77 Prozent der Befragten künftig mit sinkenden Preisen. Das mathematische Tiefpreissystem signalisiert derzeit in allen Regionen einen günstigen Kaufzeitpunkt.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer aktuell Heizöl braucht, kann die niedrigeren Preise nutzen, um sich abzusichern. Auch das Bestellen einer Teilmenge bleibt eine sinnvolle Alternative.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 27. Mai 2026
