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Ölpreise: Zweifel an der prognostizierten Ölschwemme wachsen

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Während die Rohölpreise seit zwei Wochen eher seitwärts tendieren, bilden die Preise für Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl, einen kurzfristigen Abwärtstrend aus. Darin kann man einerseits den hohen Einfluss geopolitischer Unwägbarkeiten und Sorgen erkennen, die den Wert eines guten Rohölangebots relativieren, und andererseits eine entspannte Versorgungslage am Produktenmarkt konstatieren. Preislich nicht auszumachen ist indes die Ölschwemme, die in den Monatsberichten von EIA (Statistikbehörde im US-Energieministerium) und IEA (Internationale Energie Agentur) seit geraumer Zeit durch beeindruckte Überschüsse in der Angebots-Nachfrage-Bilanz prognostiziert wird.    

Die OPEC teilt diese Einschätzung nicht. Sie geht von einer robuster Nachfrage und einem weitgehend ausgeglichenen Markt aus. Einige Analysten übernehmen diese Meinung mittlerweile, da auch sie die Wirkung einer deutlichen Ölschwemme in den Preisen vermissen. Sie beginnen die Qualität der Statistiken infrage zu stellen. Die Unsicherheit in dieser Angelegenheit bewog die OPEC-Plus dazu, auf eine Anhebung ihrer Fördermengen im gesamten ersten Quartal 2026 zu verzichten. Nun bereitet sie dem Vernehmen nach die Wiederaufnahme der Produktionssteigerungen ab April vor. Eine offizielle Entscheidung darüber soll beim Treffen am 1. März gefällt werden. Hintergrund ist die erwartete höhere Sommernachfrage und der Preisauftrieb aufgrund der geopolitischen Spannungen.   

Insbesondere Saudi-Arabien treibt die Auflösung der freiwilligen Produktionskürzungen voran, mit denen die Ölpreise ursprünglich hoch gehalten werden sollten. Sie verfehlten aber das Preisziel und führten zum Verlust von Marktantielen. Mittlerweile setzt die OPEC-Plus auf die Verteidigung von Marktanteilen um nahezu jeden Preis.

Die Abweichung zwischen der prognostizierten Ölschwemme und der tatsächlichen Marktlage könnte dem russischen Öl geschuldet sein, das wegen der Sanktionen kaum Abnehmer findet und deshalb oft auf Schiffen zwischengelagert wird. Ein Teil davon wird weiterhin an die wenigen Länder verkauft, die die US-Sanktionen ignorieren. Bei einer sofortigen und vollständigen Aufhebung der Sanktionen könnte es in der Tat zu einer Ölflut kommen. Das Szenario ist allerdings höchst unwahrscheinlich und selbst im Fall eines Kriegsendes in der Ukraine würden europäische Länder voraussichtlich kaum wieder größere Mengen russischen Öls beziehen.

Indien gehört auch zu jenen Ländern, die den US-Sanktionen nicht folgen. Das scheint sich aber zu ändern. Die USA üben nicht nur Druck auf das Land aus, vom russischen Öl abzulassen, sie haben dem indischen Energiekonzern Reliance Industries Ltd nun auch eine allgemeine Lizenz erteilt, die es dem Unternehmen erlaubt, venezolanisches Rohöl direkt zu kaufen, zu exportieren und zu raffinieren, ohne gegen US-Sanktionen zu verstoßen.

Während Ölpreisbewegungen, die auf die reine Marktlage zurückzuführen sind, erkenntnisbedingt langsam verlaufen, können geopolitische Ereignisse plötzlich wirken. Ein solches Ereignis könnte wieder einmal die Konfrontation der USA mit dem Iran sein. Während das Weiße Haus offiziell eine diplomatische Lösung in den strittigen Fragen bevorzugt, gibt es Berichte über eine mögliche US-Unterstützung für israelische Militärschläge. Zudem haben die USA ihre Militärpräsenz im Nahen Osten verstärkt, um im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen schnell reagieren zu können.

Unter Ausschluss eines derartigen Schlages dürften die Ölpreise heute wenig Bewegung erfahren, da die USA-Broker feiertagsbedingt nicht handeln. Heute Morgen zappeln die Börsennotierungen zwar ein wenig. Nennenswerte Veränderungen sind in den Werten der Rohöl- und Gasölnotierungen aber nicht aufgelaufen.    

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 62,82 Dollar Preise fallen und das Barrel Brent zu 67,68 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 670,25 Dollar Preise fallen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8426 Euro Preise stagnieren. Damit kostet der Euro 1,1866 Dollar Preise stagnieren. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise sind spürbar zurückgekommen, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit werden die internationalen Vorgaben weitgehend abgebildet. Die Wirkung einer anrollende Ölschwemme bleibt in den Preisen aber weiterhin unerfüllt. Das wird sich möglicherweise auch nicht mehr ändern. Vielmehr könnte es zu einem plötzlichen Preisauftrieb aufgrund eines neuen Waffengangs im Iran kommen. Nicht dieser Umstand aber der fehlende Nachweis der Ölschwemme macht sich auch in den verschiedenen Ansichten der Preischarts bemerkbar. Sie weisen in allen kaufrelevanten Perioden seitwärts.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist leidlich belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist hingegen stärker als es die Preisentwicklung erwarten lässt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine wabert heute Morgen zwischen hohem und mittlerem Niveau für die Kaufintensität hin und her, das andere steht auf einem sehr starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, sollte zu diesen Preisen kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, kann man über eine Teilmenge nachdenken.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 16. Februar 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 16. Februar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 16. Februar 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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