Ölpreise geben stark nach. Märkte setzen auf rasche Einigung zwischen Washington und Teheran
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Die Rohölpreise gaben gestern stark nach. Sie sanken für ein Barrel Brent-Rohöl von 109 Dollar auf knapp über 100 Dollar. Aktuell kostet ein Barrel Brent 101 Dollar.
Auslöser für den Preisrutsch waren Meldungen amerikanischer Medien. Demnach steht eine Einigung zwischen Teheran und Washington unmittelbar bevor. US-Präsident Trump stoppte das kurz davor gestartete „Project Freedom“, also die militärische Eskortierung von Handelsschiffen durch den südlichen Teil der Straße von Hormus. Auch er begründete den Kurswechsel mit einer weitreichenden Einigung mit dem Iran über alle strittigen Punkte. Die Ölpreise brachen daraufhin schlagartig um fast 10 Prozent ein.
Wie so oft in den letzten Wochen versank dieser Optimismus im weiteren Tagesverlauf in einem Chaos widersprüchlicher Meldungen. Aus dem Iran kamen sowohl drohende als auch konstruktive Kommentare. Auch Trump wechselte seine Tonlage im Stundentakt.
Die Ölmärkte bleiben trotzdem optimistisch. Im Moment sieht es danach aus, dass die Gespräche wohl wieder in Gang gekommen sind. Aber noch ist unklar, wie nah oder wie weit entfernt eine Öffnung der Straße von Hormus ist.
Die Ölhändler starren also weiterhin auf den Nachrichtenticker. Der Lagerabbau geht unterdessen weiter, denn noch immer werden etwa 14 Mio. Barrel an Rohöl und Ölprodukten pro Tag vom Markt ferngehalten.
Mit Spannung wurden in dieser Woche auch die neuen Zahlen zum US-Ölmarkt erwartet. Schon seit mehreren Wochen liegen die amerikanischen Exporte auf Rekordniveau. Die USA schließen damit zumindest zum Teil die Lücken, die durch die Ausfälle am Persischen Golf entstanden sind.
Die amerikanischen Lagerbestände schrumpften erwartungsgemäß weiter. Nach dem spektakulären Rückgang in der Woche davor fielen die aktuellen Zahlen jedoch gemäßigter aus.
Der Wochenbericht des Energieministeriums (DOE) meldete einen Lagerabbau bei Rohöl um 2,3 Mio. Barrel. Weitere 5,2 Mio. Barrel verschwanden aus der nationalen Ölreserve. Die Vorräte der wichtigsten Ölprodukte verringerten sich um 1,3 Mio. Barrel (Heizöl/Diesel) bzw. 2,5 Mio. Barrel (Benzin). Für Deutschland im Moment nicht unwichtig: Auch die Kerosinbestände wurden kleiner.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -8,1 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,6 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,1 Mio. Barrel (API)
Trotz der Rückgänge bleiben die Lagerbestände in den USA damit noch immer im üblichen Rahmen, wenn auch am unteren Ende der für diese Jahreszeit üblichen Werte. Aber auch in Washington wird man sich bald überlegen müssen, wie stark man die nationalen Ölreserven abbauen will. Schon unter Präsident Biden waren sie stark geschrumpft. Damals wollte man die russischen Exportausfälle ausgleichen und Druck auf die Preise ausüben. Von den über 600 Mio. Barrel liegen jetzt noch 390 Mio. Barrel in den Tanklagern.
Brent-Rohöl kostet im Moment 100,91 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 94,67 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1.165,25 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8509 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1750 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Die Hoffnungsschimmer am Persischen Golf machen sich auch im deutschen Heizölmarkt bemerkbar. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 127 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist der niedrigste Stand seit über zwei Wochen.
Vor allem im Südwesten des Landes produzieren die Raffinerien im Moment zu viel Heizöl und Kraftstoffe. Der Absatz stockt und die Preise kommen unter Druck. Der Heizölpreis fällt dort auf aktuell nur noch 117 Euro je 100 Liter.
Aber auch das kann den Markt noch nicht in Schwung bringen. Die Zahl der Bestellungen verharrt seit über zwei Monaten weit unter den Normalwerten. Noch immer setzen offenbar viele Verbraucherinnen und Verbraucher darauf, dass sich die Preise wieder dem Vorkrisenniveau annähern.
In der täglichen Lesereinschätzung setzen knapp 80 Prozent der Stimmen auf fallende Heizölpreise. Das ist im Vergleich zu den Wochen davor ein hoher Anteil. Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, rät dagegen schon jetzt zum Kauf.
Allzu optimistisch sollte man in der Tat nicht sein. Der Weg bis zu einer Normalisierung der Ölmärkte ist noch weit. Selbst wenn es zu einer vorläufigen Einigung zwischen Washington und Teheran kommen sollte, bleibt unklar, wie lange sie anhält. In jedem Fall wird es noch sehr lange dauern, bis im Heizölmarkt wieder das Preisniveau vom Januar oder Februar zurückkehrt.
In der aktuellen Situation gilt daher mehr denn je: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 07. Mai 2026
