Ölpreise vom Bangen aufgescheucht
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Der Rohölpreis Brent hielt sich in den letzten Tagen an der Marke von 100 Dollar pro Barrel fest. Das Niveau ist ein Kompromiss aus Hoffen und Bangen über die Öffnung der Straße von Hormus. Die Hoffnung hatte den Preis vor drei Wochen schon einmal unter 86 Dollar gedrückt. Das Bangen trieb ihn vor einer Woche über 114 Dollar hinaus. Das Kompromissniveau für Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, lag bei 1.170 Dollar pro Tonne, wobei die Extremwerte der letzten drei Wochen einmal unter 1.000 Dollar fielen und einmal über 1.340 Dollar hinausschwangen. Damit betrug die Volatilität bei beiden Ölkontrakten plus-minus 14 Prozent.
Die Politik hinter den Zahlen ist so gefährlich wie lächerlich. Der Iran hat den USA Bedingungen für weitere Verhandlungen gestellt, darunter ein Ende israelischer Angriffe im Libanon, die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus sowie Entschädigungen für Kriegsschäden. Zwar würde Teheran angereichertes Uran abgeben, den Rückbau seiner Atomanlagen lehnt es aber ab. Der US-Präsident weist die Forderungen als vollkommen inakzeptabel zurück. Am Ölmarkt schießt das Bangen zum Wochenstart ins Kraut.
Vor diesem zwischenzeitlichen Schlussakkord überschlug sich der Iran in Aktivismus. So griff er einen Tanker mit chinesischer Besatzung in der Straße von Hormus an und beschädigte diesen. Tote gab dem Vernehmen nach nicht zu beklagen. Der Vorfall gilt als skurril, da China der wichtigste Abnehmer iranischen Öls ist und enge Handelsbeziehungen zu Teheran pflegt. Peking blieb cool und fordert einmal mehr ein Ende der Konflikte im Nahen Osten sowie die schnelle Öffnung der Meerenge. Darüber hinaus hat der Iran einen Tanker beschlagnahmt, der iranisches Öl transportierte und gegen US-Sanktionen verstieß. Die iranischen Behörden werfen der Crew beziehungsweise den Auftraggebern vor, die Interessen des Landes geschädigt zu haben. Diese Angelegenheit klingt gleichermaßen absurd. An den Ölbörsen reagierte man nicht mit Trades, sondern mit Kopfschütteln.
Weniger gelassen blicken Trader auf neue Gewaltausbrüche nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis, bei denen die wichtige Zawiya-Raffinerie sowie Hafenanlagen beschossen wurden. Die größte noch aktive Raffinerie des Landes musste deshalb vorübergehend stillgelegt und Tanker evakuiert werden. Zwar entstanden bislang nur kleinere Schäden, dennoch zeigt der Vorfall erneut die instabile Lage in Libyen. Auswirkungen auf die Kraftstoffversorgung gibt es aktuell noch nicht. Die Dauer des Stillstands hängt vom weiteren Verlauf der Kämpfe ab.
Zurück zum Hauptproblem des Ölmarkts: Bei einer internationalen Konferenz beraten heute über 40 Länder Maßnahmen zur Sicherung der Straße von Hormus. Diskutiert werden unter anderem Minenräumungen, Schiffseskorten und Patrouillenflüge unter europäischer Führung. Der Iran lehnt eine stärkere militärische Präsenz jedoch entschieden ab und warnt vor einer weiteren Eskalation. Es wurde die übliche Drohung einer entschlossenen und unmittelbaren Reaktion ausgesprochen, falls zusätzliche Kriegsschiffe in die Region verlegt würden. Großbritannien hat bereits die Entsendung des Zerstörers HMS Dragon angekündigt.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Was von ihr noch lebt, liegt auf einem Treffen Donals Trumps mit Xi Jinping in dieser Woche. China könnte möglicherweise zwischen den USA und dem Iran vermitteln. Eine schnelle Entspannung der Lage gilt derzeit jedoch als unwahrscheinlich.
Das wiedererweckte Bangen hat die Börsen heute Morgen auf einen zwischenzeitlichen Höchststand bei 106 Dollar für das Barrel Brent und 1.223 Dollar für die Tonne Gasöl befördert. Zur Stunde entspannten sich die Notierungen ein wenig. Ende offen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 98,85 Dollar
und das Barrel Brent zu 104,84 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.210,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8493 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1769 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Heizöl wird etwas teurer, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Preisänderung folgt den internationalen Vorgaben. Insgesamt steht Heizöl aus Verbrauchersicht allerdings besser da als die Börsennotierungen, denn es befindet sich nahe der Tiefstpreise der letzten drei Wochen. Das können Gasöl und Rohöl nicht für sich in Anspruch nehmen. Der Heizölhandel bietet aufgrund der ausbleibenden Nachfrage Preise an, die die Kosten oft nicht mehr decken.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt bekommt etwas Luft. Gleiches gilt für die Hoffnung auf tiefere Preise. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ordentlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die hohe Volatilität im Markt. Darin eine Kaufempfehlung im klassischen Sinn zu erkennen, fällt nicht leicht.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 11. Mai 2026
