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Projekt Freiheit kann die hohen Ölpreise nicht bezwingen

von Klaus Bergmann

Tortendiagramm zu Primärenergie-Verbrauch in Deutschland

Internationaler Markt

Mit ihrem gestern gestarteten Projekt Freiheit wollen die USA die im Persischen Golf eingeschlossenen Schiffe sicher durch die Straße von Hormus geleiten. Wie das genau geschehen soll, war zum Start nicht bekannt. So entwickelte sich ein militärisches Experiment mit zwei Frachtern, die tatsächlich unversehrt aus der Nummer herausgekommen sein sollen. Hunderte Schiffe stehen noch in der Warteschlange.

An den Ölbörsen sorgte die Nachricht für einen kurzen Moment der Entspannung. Es war ein Tagtraum über das Ende der Versorgungsengpässe. Experten betonen jedoch, dass dies kein Zeichen für eine stabile Wiederaufnahme des Handels ist, sondern ein Einzelfall bleibt, denn de facto hat sich die Lage deutlich verschärft.

Der Iran griff mehrere Schiffe und den Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Der Ort liegt hinter der Straße von Hormus und ist Endpunkt einer Rohölpipeline, die die Meerenge umgeht. Diese bietet zwar nur eine Transportkapazität von 1,8 Mio. Barrel pro Tag, was etwa der Hälfte der Förderleistung des Landes entspricht. Dennoch ist sie gerade jetzt besonders wertvoll.

Die USA reagierten auf die iranischen Attacken militärisch mit kontrollierter Zurückhaltung. Gleichwohl hat das Projekt Freiheit bereits am ersten Tag die stärkste Eskalation seit Wochen ausgelöst und gefährdet insbesondere durch Schäden an der Ölinfrastruktur die Versorgung. Politiker in den USA und Israel sehen darin eine deutliche Zuspitzung des Konflikts und fordern teilweise eine harte Gegenreaktion.

Derzeit mehren sich Stimmen, die auf kaum bewertete Folgen durch die Schließung der Straße von Hormus hinweisen. Sie könnten bald ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft verursachen, da täglich Ölreserven aufgebraucht werden. Experten warnen, dass die Lagerbestände bereits stark sinken und sich einem Mehrjahrestief nähern. Die tatsächlichen Auswirkungen sind aktuell noch nicht vollständig sichtbar, doch bei anhaltenden Lieferausfällen wird mit spürbaren Engpässen gerechnet. Diese Verknappung dürfte die Ölpreise deutlich steigen lassen.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geopolitischen Störungen wird die zügige Elektrifizierung der Volkswirtschaften als rettender Weg diskutiert. Die jüngste Ausgabe des von der Internationen Energie Agentur (IEA) herausgegebenen Global Energy Review bestätigt ein entsprechendes globales Engagement. Demnach ist  der weltweite Energieverbrauch 2025 nur moderat gestiegen, unter anderem wegen schwächeren Wirtschaftswachstums und effizienterer Technologien. Gleichzeitig nahm der Strombedarf als Folge der zunehmenden Elektrifizierung deutlich zu. Aber trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien dominieren fossile Energieträger weiterhin mit rund 80 Prozent des Verbrauchs. Erneuerbare und Atomenergie wachsen zwar schneller, insbesondere Solarenergie treibt die Stromerzeugung stark an. Sie erreichen aber insgesamt nicht annähernd das Niveau fossiler Quellen.

Weder die aktuelle noch die nächsten erwartbaren geopolitischen Störungen werden durch die angestrebte Elektrifizierung nennenswert geringere Auswirkungen auf die globalen Energieabhängigkeiten zeigen. Dazu ist die Aufgabe eines vollumfänglichen Übergangs auf eine reine Stromversorgung zu groß, zumal die Lösung des Problems der jahreszeitübergreifenden Stromspeicherung noch in den Kinderschuhen steckt. Diese wird nicht allein bei den Elektronen, das heißt in Batterien, zu finden sein. Hierfür werden weiterhin Moleküle gebraucht. Das sind klimaneutrale Flüssigkeiten und Gase als Ersatz für ihre fossilen Vorfahren Öl und Erdgas.

Infolge der kriegsnahen Umstände bildete sich gestern ein bullischer Tageslauf an den Ölbörsen aus. Rohöl- und Gasölnotierungen schwangen im Gleichtakt auf ein höheres Niveau. Heute Morgen schwingen sie weiter, allerdings ohne Nettogewinn.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 104,22 Dollar Preise steigen und das Barrel Brent zu 113,33 Dollar Preise steigen gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.305,00 Dollar Preise steigen. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8550 Euro Preise steigen. Damit kostet der Euro 1,1692 Dollar Preise fallen. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Heizöl wird etwas teurer, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Preisänderung bewegt sich allerdings im homöopathischen Rahmen. Der Verlauf der Heizölpreise nach oben wie unten ist im Vergleich zu den internationalen Vorgaben deutlich gedämpft. Der Handel bietet aufgrund der ausbleibenden Nachfrage Preise an, die die Kosten oft nicht mehr decken. Die internationalen Vorgaben sind dabei eher eine Randerscheinung als eine solide Kalkulationsgrundlage. Die Trendkanäle für die verschiedenen Zeitbereiche weisen in den preisrelevanten Ansichten in Gänze aufwärts. Damit ist nicht die Wahrheit aber eine Wahrscheinlichkeit festgestellt.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt befindet sich im Notlaufmodus. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist hingegen noch vorhanden. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem minimalem Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Die Heizölpreise laden definitiv nicht zum Kauf ein. Man wird sich allerdings für längere Zeit an das erhöhte Niveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge immer eine Alternative zum Volltanken ist.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Heizölpreise-Chart vom 05. Mai 2026

Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 05. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 05. Mai 2026, pro 100 Liter. Preise inkl. MwSt.

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