Heizölpreise heben wieder ab
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Nach einer zweiwöchigen Seitwärtsbewegung der Ölpreise drohte diese gestern Früh nach oben auszubrechen. Die Hoffnung, dass uns das erspart bleibt, hat sich für Rohöl im Tagesverlauf bestätigt. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, erreichte indes den höchsten Stand seit dem 7. April. Dieser Umstand wurde dem Waffengang zwischen USA und Iran vom Wochenende zugeschrieben. Es war der erste seit Ende Juli. Da der Preisausbruch dezidiert die Ölprodukte betrifft, greift die Erklärung aber zu kurz.
Es sind die Raffinerien, die den Ärger verursachen. Ihre weltweiten Ausfälle liegen derzeit rund 60 Prozent über dem saisonüblichen Niveau. Gleichzeitig sinken die Lagerbestände an Ölprodukten. Verantwortlich dafür sind vor allem die geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und in Russland. Angriffe auf Raffinerien beeinträchtigen die ohnehin angespannte Versorgung zusätzlich und lassen die Margen für raffinierte Ölprodukte deutlich steigen. Besonders Heizöl und Diesel sind von dieser Entwicklung betroffen.
In den USA haben die Vorräte an Destillaten zuletzt sogar den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht. Auch bei Benzin bleiben die Bestände knapp. Eine kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht. Russland hat sein Exportverbot für Diesel bis September verlängert, während gleichzeitig die Nachfrage in wichtigen Importländern wie Brasilien steigt. Hinzu kommt der bevorstehende Winter auf der Nordhalbkugel, der den Bedarf an Heizöl erhöhen dürfte.
Auch im Nahen Osten bleibt die Situation angespannt. Zwar haben sich die Rohölexporte aus dem Persischen Golf auf etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt. Bei raffinierten Ölprodukten sind es nach Schätzungen von Goldman Sachs aber allenfalls 40 Prozent. Eine vollständige Erholung der Raffinerieproduktion ist nach Einschätzung der Analysten daher erst bei einer geopolitischen Entspannung zu erwarten.
Aufgrund des knappen Angebots und der hohen Nachfrage haben die Goldmänner ihre Prognosen für die Margen auf Heizöl und Diesel deutlich angehoben. Für das kommende Jahr erwarten sie in den USA durchschnittlich 63 Dollar Gewinn pro verarbeitetem Barrel Rohöl statt bisher 27 Dollar. Für die EU wurde die Prognose von 19 auf 49 Dollar erhöht. Das hat die gleiche Wirkung wie ein Preisanstieg von 90 auf 120 Dollar pro Barrel Rohöl bei einem intakten Raffineriepool.
Der Initiator der Probleme, Präsident Trump, wünscht derweil ein Treffen mit Vertretern großer US-Ölkonzerne. Er will über den Ausbau der amerikanischen Raffineriekapazitäten und neue Förderprojekte in Venezuela die hohen Benzinpreise in den USA senken. Diese sind erstmals seit 2022 wieder auf über vier Dollar je Gallone gestiegen. Einige Unternehmen stehen dem Treffen zurückhaltend gegenüber, da sie öffentliche Kritik durch Trump befürchten. Auch bei Investitionen in Venezuela bestehen Differenzen. Exxon scheint beispielsweise gar nicht eingeladen worden zu sein. Branchenexperten bewerten das Treffen ebenfalls kritisch und vermuten, dass es vor allem der öffentlichen Inszenierung dienen könnte.
Auch die geradezu freundlich anmutende Entwicklung der Rohölexporte vom Persischen Golf könnte enden, wenn sich folgende Meldung iranischer Staatsmedien bewahrheiten sollte. Sie berichten, dass ein Supertanker im Süden der Straße von Hormus durch zwei Seeminen beschädigt und anschließend gestoppt worden sei. Angaben zum betroffenen Schiff oder zum Zustand der Besatzung machen sie indes nicht. Ebenso fehlen unabhängige Bestätigungen. Die iranischen Revolutionsgarden warnen weitere Schiffe davor, von den durch Iran vorgegebenen Fahrtrouten abzuweichen.
An den Börsen sehen wir heute Morgen die Rohölnotierungen steigen. Die Gasölnotierungen halten derweil ihr gestern erreichtes Niveau. Insgesamt ist die Lage für Verbraucher unbefriedigend, denn den Konflikt, den der US-Präsident vor einem halben Jahr losbrach, werden wir absehbar nicht mehr los.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 87,44 Dollar
und das Barrel Brent zu 92,13 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.353,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8623 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1593 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise zieht es steil in die Höhe, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Aufgrund der internationalen Vorgaben kann man kaum etwas anderes erwarten. Aus der gestern Früh erhofften Rücknahme des gerade beginnenden Anstiegs wurde das krasse Gegenteil. Die Preistrends dazu sehen auch nicht besser aus. In den kaufrelevanten Perioden weisen sie allesamt aufwärts. Von einem baldigen Übergang zu seitwärts gerichteten Trendkanälen, wie gestern noch angedeutet wurde, ist ebenfalls nichts mehr zu erkennen.
Einzig die Rheinfrachten entwickeln sich langsam in die richtige Richtung. Sie sind allerdings immer noch fast doppelt so hoch wie gewöhnlich. Zudem strömt derzeit kein steigendes Wasser mehr vom Bodensee nach.
Im Binnenmarkt lässt der Anstieg des Kundeninteresse an Heizöl auf sich warten. Die Hoffnung auf bessere Preise liegt sogar am Boden. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere hat keine Mehrheit mehr für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im kommenden Jahr hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 01. September 2026
