Im Nahen Osten nichts Neues
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die geopolitischen Spannungen und Störungen der Energieversorgung, etwa an der Straße von Hormus, beschleunigen die globale Energiewende. Vor allem energieimportierende Länder wie China, Indien und die europäischen Staaten investieren verstärkt in erneuerbare Energien und Elektrifizierung, um unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Energieexportierende Regionen setzen dagegen weiterhin stark auf Öl und Gas. Für sie steht ein wichtiges Geschäftsmodell auf dem Spiel.
Doch wie schnell kann die Welt tatsächlich auf fossile Energieträger verzichten, wenn gleichzeitig der globale Energiebedarf weiter steigt? Und welche neuen Abhängigkeiten entstehen dabei?
Der globale Energiehunger bremst den Wandel
Bevölkerungswachstum, Industrialisierung, steigender Wohlstand und Digitalisierung treiben den weltweiten Energiebedarf an. Hinzu kommen Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und der wachsende Stromverbrauch von Rechenzentren durch künstliche Intelligenz.
Erneuerbare Energien müssen deshalb nicht nur zusätzliche Nachfrage decken, sondern gleichzeitig fossile Energieträger ersetzen. Das gelingt bislang nur teilweise. Zwar wachsen Solar- und Windenergie rasant, doch auch der Verbrauch von Öl, Gas und Kohle bleibt hoch. Während die Umstellung bisher für ein Industrieland wie Deutschland technisch schwierig und kostspielig war, wird sie künftig sogar für moderne Dienstleitungsländer mit hohem KI-Anspruch zur Herausforderung.
Ein Vorteil der Elektrifizierung liegt in ihrer höheren Energieeffizienz. Elektromotoren und Wärmepumpen benötigen deutlich weniger Energie als vergleichbare fossile Technologien. Dadurch kann der Primärenergiebedarf langfristig sinken, selbst wenn der Bedarf an Energiedienstleistungen steigt. Die
Transformation erfordert allerdings enorme Investitionen in Stromnetze, Speicher und Produktionsanlagen. Eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern ist technisch durchaus möglich, wirtschaftlich und infrastrukturell aber mit sehr hohen Kosten verbunden. Nicht von ungefähr ist der Haushaltsstrom hierzulande einer der teuersten weltweit.
Neue geopolitische Abhängigkeiten entstehen
Die Energiewende verändert die geopolitischen Abhängigkeiten, beseitigt sie aber nicht. Während bisher Länder mit großen Öl- und Gasvorkommen die Energiemärkte prägten, gewinnen nun Staaten an Bedeutung, die kritische Rohstoffe und Schlüsseltechnologien kontrollieren.
Besonders China nimmt eine dominierende Stellung bei Solarmodulen, Batterien und der Verarbeitung wichtiger Rohstoffe ein. Europa kann somit seine Abhängigkeit von Öl und Gas verringern, ist aber gleichzeitig stärker auf chinesische Technologien und Lieferketten angewiesen.
Dabei ist die Vorstellung, erneuerbare Energien würden grundsätzlich größere Versorgungssicherheit bieten, differenziert zu betrachten. Fossile Energieträger lassen sich vergleichsweise einfach und in großen Mengen lagern. Strategische Ölreserven, Gasspeicher und Kohlevorräte schaffen Puffer, die Versorgungsstörungen überbrücken können. Historisch führten Energiekrisen deshalb häufig vor allem zu massiven Preissteigerungen, während tatsächliche physische Knappheit durch Lagerbestände und alternative Lieferquellen vielfach abgefedert werden konnte. Das ist auch während des Iran-Kriegs wieder der Fall.
Bei Wind- und Solarenergie stellt sich die Herausforderung anders. Ihre Erzeugung hängt von Wetter und Tageszeit ab. Um jederzeit Versorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es leistungsfähige Stromnetze, ausreichende Speicher, flexible Verbraucher und gesicherte Erzeugungskapazitäten. Hinzu kommen Abhängigkeiten bei der Herstellung und Wartung der Anlagen.
Die Energiewende ersetzt somit nicht einfach ein anfälliges durch ein unabhängiges Energiesystem. Vielmehr verschieben sich die Risiken von der kontinuierlichen Brennstoffversorgung hin zu Technologie, Infrastruktur, Rohstoffen und der zeitlichen Verfügbarkeit von Strom.
Wie entwickeln sich die CO₂-Emissionen?
Der Ausbau erneuerbarer Energien zeigt Wirkung, reicht bislang aber nicht aus, um den weltweiten CO₂-Ausstoß deutlich zu senken. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) erreichten die energiebedingten CO₂-Emissionen 2025 mit mehr als 38 Milliarden Tonnen einen neuen Höchststand. Ohne den Ausbau sauberer Energietechnologien wären sie noch höher ausgefallen.
Langfristig wird ein deutlicher Rückgang der energiebedingten Emissionen bis 2050 erwartet. Dennoch wird sich die Erde gemäß vieler Prognosen bis 2100 um über zwei Grad Celsius erwärmen. Mindestens so wichtig wie die Reduktion des CO₂-Ausstoßes ist daher die Errichtung von Schutzmaßnahmen gegen die Folgen steigender Temperaturen.
Langfristig entscheidend wird sein, ob erneuerbare Energien fossile Energieträger tatsächlich ersetzen oder hauptsächlich den zusätzlichen Energiebedarf decken. Im zweiten Fall bleiben die Emissionsminderungen begrenzt.
Ausblick
Die unterschiedlichen Interessen können zu einer weiteren Störung der Energieversorgung führen. Energieimportierende Länder beschleunigen ihre Elektrifizierung, während fossile Exportländer ihre Öl- und Gasvorkommen möglichst lange wirtschaftlich nutzen wollen. Sollte die fossile Nachfrage dabei schneller als erwartet einknicken, werden Öl- und Gaspreise fallen und Fehlinvestitionen in Förderanlagen offenbar. Erfolgt der Rückzug der Öl- und Gasindustrie dagegen schneller als der Aufbau verlässlicher Alternativen, wird das zu Versorgungsengpässen und steigenden Energiepreisen führen.
Die zentrale Herausforderung der Energiewende besteht deshalb darin, den wachsenden globalen Energiebedarf zuverlässig zu decken, fossile Energieträger tatsächlich zu verdrängen und neue einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Dabei nur auf Stromlösungen zu setzen, wäre töricht. Auf eine dekarbonisierte Öl- und Gasnutzung wird man nicht verzichten können.
Nach einem Anstieg gestern schwingen die Notierungen für Rohöl und Gasöl heute Morgen innerhalb der gestrigen Grenzen auf und ab. Der Preistrend bei Rohöl Brent weist dabei stärker aufwärts als der beim Gasöl.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 101,99 Dollar
und das Barrel Brent zu 115,99 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.491,15 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8976 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1138 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich kaum, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie in allen kaufrelevanten Zeitbereichen tendenziell aufwärtsstreben. Angesichts der geopolitischen Umstände gibt es wenig Anlass, ein anderes Verhalten zu erwarten. Deshalb sollten Heizölkunden vorerst mit kleinen Preisverbesserungen zufrieden sein. Hinsichtlich der Frachtkosten auf dem Rhein gibt es leider auch keine nennenswerten Fortschritte. Die Pegel der Wasserstraße steigen zwar langsam. Das gilt aber auch für die Nachfrage nach Frachtraum. Die Aufschläge für die meisten Zielhäfen liegen deshalb weiter jenseits von 200 Prozent.
Im Binnenmarkt zeigt sich die Nachfrage mittlerweile saisontypisch. Das Angebot ist im Großen und Ganzen ausreichend vorhanden. Partielle Versorgungsprobleme sind allerdings möglich. Etwas Hoffnung auf fallende Preise keimt wieder auf. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 27. Oktober 2026
